Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Offene Fragen zum Ökolandbau

12.06.2002


Der ForschungsReport, das Wissenschaftsmagazin des Senats der Bundesforschungsanstalten, befasst sich in seiner neu erschienenen Ausgabe 1/2002 schwerpunktmäßig mit dem ökologischen Landbau. "Pauschalurteile sind nicht angesagt", urteilt Senatspräsident Dr. Meinolf Lindhauer im Editorial des Heftes und warnt davor, in starren Schablonen von "öko" und "konventionell" zu denken. Die aktuellen Ereignisse um Nitrofen-belastete Öko-Futter- und Lebensmittel geben ihm recht.

Das Stichwort Nitrofen wird man in dem Heft vergeblich suchen; der ForschungsReport ging gerade in Druck, als die Vorgänge bekannt wurden. Umso freier war der Blick für andere Fragestellungen rund um den Ökolandbau und seine Produkte. Zum Beispiel nach dem Genusswert und der Verzehrsqualität von Schweinefleisch. Schmeckt ein Kotelett aus Bio-Erzeugung besser als ein konventionelles Stück? Die Experten der Bundesanstalt für Fleischforschung (BAFF) in Kulmbach mästeten Schweine der gleichen Rasse mit konventionellem Kraftfutter und mit verschiedenen Futtervarianten, die den Richtlinien des ökologischen Landbaus (AGÖL) entsprachen. Weder beim Aroma, noch bei der Saftigkeit und Zartheit des Fleisches traten signifikante Unterschiede auf. Im Fleisch von Schweinen, in deren Ration Grünfutter (10 % Grascobs bzw. Grassilage) untergemischt war, fanden die Forscher immerhin einen leicht erhöhten Anteil ernährungsphysiologisch wertvoller Omega-3-Fettsäuren. Auch eine reduzierte Mast-Intensität wirkte sich nicht positiv auf die Schlachtausbeute und die sensorische Qualität des Fleisches aus. An der Fütterung allein scheint es also nicht zu liegen, wenn einem Konsumenten sein Bio-Kotelett besser schmeckt.

Ganz andere Sorgen hat Burkard Wolff, der im vorderen Odenwald eine Obstanlage nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet. Seit gut 15 Jahren führen Wissenschaftler des Instituts für biologischen Pflanzenschutz der Biologischen Bundesanstalt (BBA) in Darmstadt Versuche zur Bekämpfung des Apfelwicklers auf seinem Gelände durch. "Die Kosten für biologische Verfahren müssen sinken", sind sich Burkard Wolff und der Insektenkundler Dr. Sherif Hassan einig. Der ForschungsReport interviewte die beiden anlässlich eines Treffens im Darmstädter Institut. Der gestandene Praktiker Wolff, seit über 20 Jahren im Bio-Geschäft, räumt dabei mit manchen Illusionen auf. Die alten, robusten Hochstamm-Apfelsorten etwa, die keine großen Pflegeansprüche stellen, kämen beim Verbraucher einfach nicht mehr an. Und beim Großhandel sei, allen Ansprüchen an eine regionale Vermarktung zum Trotz, der Bio-Kollege aus Italien oder Neuseeland sein direkter Konkurrent, wenn der seine Ware ein paar Cent billiger anbieten könnte. Ein weites Feld also für die Forschung, nicht nur auf dem Gebiet des Pflanzenschutzes, sondern auch der Vermarktung und der Ökonomie.

Wann ist ökologisch auch wirtschaftlich? Diese Frage versuchen Agrarökonomen der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) im neuen ForschungsReport zu beantworten. In einer Langzeitstudie haben sie Umstellungsbetriebe untersucht und kommen zu dem Schluss, dass sich für die Mehrzahl der Höfe die Umstellung auf Ökolandbau gelohnt hat - vor allem im Bereich pflanzlicher Produkte, weniger bei der Vermarktung tierischer Erzeugnisse. Auch haben sie Hinweise erhalten, was einen erfolgreich wirtschaftenden Ökobetrieb von einem weniger erfolgreichen Ökohof unterscheidet.

Insgesamt acht Forschungsbeiträge zum ökologischen Landbau finden sich in der neuen, 60 Seiten starken Ausgabe 1/2002 des ForschungsReports. Das Heft kann über die Geschäftsstelle des Senats der Bundesforschungsanstalten, Messeweg 11/12, 38104 Braunschweig, Tel.: 0531/299-3396, E-Mail senat@bba., bezogen werden.

Dr. Michael Welling | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmvel-forschung.de

Weitere Berichte zu: Landbau Vermarktung Ökolandbau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise