Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Phase des Araukarienwald-Projektes abgeschlossen

11.06.2002


Erste Phase des Araukarienwald-Projektes abgeschlossen

Deutsch-brasilianische Forschungen zum Regenwaldschutz - Nachhaltigkeit als Ziel des Forstmanagements

Die erste Phase des großen SHIFT-Projektes "Naturnahe Wiederaufforstung des südbrasilianischen Araukarienwaldes: Entwicklung einer nachhaltigen agro-forstlichen Nutzung" wurde im Mai 2002 mit der Abgabe des Schlussberichtes erfolgreich beendet. In dem Projekt arbeiten verschiedene Forschergruppen der Universität Tübingen, der Forstfachhochschule Rottenburg und der PUC-Universität in Porto Alegre interdisziplinär zusammen. Im Untersuchungsareal, dem 5000 Hektar großen Reservat Pró-Mata mit Restbeständen von Araukarienwald, laufen seit 1997 im SHIFT-Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung breit angelegte Untersuchungen zur Wiederbewaldung auf der Serra Geral in Südbrasilien. Im Projekt wurden sieben Doktorarbeiten und 23 Diplom- und Staatsexamensarbeiten abgeschlossen, die wichtigsten Ergebnisse sind bereits in einer großen Anzahl von Publikationen enthalten.

Das unter dem Namen Brasilkiefer bis vor kurzem auch in Deutschland angebotene Araukarienholz ist für Baukonstruktionen und Möbel bestens geeignet. Die große Nachfrage nach diesem wertvollen Material führte zu fast vollständiger Rodung der früher weit verbreiteten Araukarienwälder. Diese Bäume zählen zu den erdgeschichtlich ältesten Nadelbäumen. Es ist geplant, die gerodeten Flächen in der südlichen Mata Atlântica naturnah wieder aufzuforsten. Da über das Ökosystem der subtropisch-tropischen Regenwälder mit Araucaria angustifolia als dominierender Baumart wenig bekannt ist, werden in dem Projekt die Biodiversität des Araukarienwaldes, die Beziehungen der Tier- und Pflanzenarten untereinander sowie die Ökophysiologie und genetische Vielfalt der Araukarie untersucht. Außerdem soll ein Verfahren zur naturnahen Wiederbewaldung und ein Konzept für ein nachhaltiges Agro-Forst-Management entwickelt werden.

Langfristig soll der wertvolle Rohstoff Araukarienholz wieder verfügbar sein, kurzfristig mussten neue Einnahmequellen für die Einwohner der Region des Araukarienplateaus erschlossen werden. Als eine Möglichkeit wurde eine nachhaltige Nutzung des zum Unterholz des Araukarienwaldes zählenden Mate-Strauches untersucht, aus dessen Blättern der begehrte Chimarr"o-Tee hergestellt wird. Außerdem wird ein Anbau von Mais, Bohnen und anderen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen auf Flächen der Waldregeneration geprüft.

In dem Projekt wurden aus Bestandsaufnahmen der heutigen Vegetation und Serien von Luftbildern Spezialkarten des Pró-Mata-Areals erstellt. Um die Eignung bestimmter Rodungsflächen für eine Wiederbewaldung bewerten zu können, ermittelten die Forscher die Wasserführung und den Nährstoffgehalt des Bodens an zahlreichen Probeorten. Ameisen und Amphibien spielen als Tiergruppen in diesem Regenwald-Ökosystem eine besondere Rolle, sowohl als Räuber als auch als Beute für andere Glieder der Nahrungsketten. Sie wurden ebenso untersucht wie die auf Araukarienbäumen lebenden Insekten, die bei den Wiederaufforstungen eventuell als Schädlinge Bedeutung erlangen können. Auch das Araukarien-Saatgut wurde typisiert und die Herkunft bestimmt. Die Forscher untersuchten dazu genetische Unterschiede zwischen Araukarien verschiedener Populationen des natürlichen Verbreitungsgebietes in der DNA-Struktur und im Isozym-Muster. Erstmals wurde eine Pilz-Wurzel-Assoziation (Mykorrhiza) bei Araukarien entdeckt, deren beteiligte Partner bestimmt werden konnten. Für die zahlreichen Laubbäume im Araukarienwald sind die Bestäuber unersetzlich - bei der Mehrzahl der etwa 100 Arten blühender Bäume sind dies hauptsächlich Bienen. Auf Rodungsflächen besteht die Pioniervegetation aus Büschen (15 Baccharis-Arten) und Leguminosen-Bäumen der Gattung Mimosa. Auch diese werden vorwiegend von einheimischen Bienen bestäubt, vor allem von Meliponen (Stachellose Bienen).

Die Experimente zur naturnahen Wiederbewaldung wurden ohne Pestizideinsatz durchgeführt. Bei früheren Versuchen mit Araukarien-Plantagen in Monokultur verursachten Blattschneiderameisen (Acromyrmex) stets erhebliche Schäden an den jungen Bäumen. Bei diesem neuartigen Ansatz einer naturnahen Wiederbewaldung wurde eine Entnadelung durch Blattschneiderameisen nur selten beobachtet. Durch Zupflanzen von Mate-Sträuchern (Ilex paraguaiensis) und Mischkultur mit Mais und Bohnen können die Grundbesitzer schon während der ersten Jahre einer Wiederbewaldung Einkünfte erzielen. Der Erfolg solcher Wiederbewaldung kann erst nach 10 bis 15 Jahren beurteilt werden. Doch in jedem Fall hat das Projekt den Bemühungen um eine Rettung des fast vernichteten Araukarienwaldes und einer Wiederaufforstung im Bereich der südlichen Mata Atlântica neue Impulse gegeben. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit brasilianischen Partner-Universitäten soll fortgesetzt werden. Anträge für die Finanzierung der zweiten Projektphase werden derzeit vorbereitet.

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/araukarien-wald/html/projekt-bericht.html

Weitere Berichte zu: Biene Wiederaufforstung Wiederbewaldung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten