Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Sonderforschungsbereich "Subduktionsfabrik"

04.12.2000


... mehr zu:
»Erdmantel »Geowissenschaft
Motor des Weltklimas und Auslöser von Naturkatastrophen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat auf ihrer Herbstsitzung soeben beschlossen, an der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) einen neuen Sonderforschungsbereich (SFB 1834: "Volatile und Fluide in Subduktionszonen: Klimarückkopplung und Auslösemechanismen für Naturkatastrophen") einzurichten, den Kieler Geo- und Meereswissenschaftler unter Federführung des GEOMAR Forschungszentrums für marine Geowissenschaften (Prof. Dr. Erwin Suess, Dr. Klaus Wallmann, Dr. Peter M. Sachs, Prof. Dr. Ernst Flüh) beantragt hatten.

Für die nächsten drei Jahre stellt die DFG ca. 14 Mio. DM zur Verfügung, um die Vorgänge der Kollision tektonischer Platten, aber auch die damit verbundenen Naturkatastrophen in einem dafür besonders geeigneten Gebiet zu untersuchen: in Nicaragua und Costa Rica, Länder mit enorm vielen aktiven Vulkanen, die riesige Mengen klimawirksamer Gase ausstoßen.

Im Mittelpunkt der Forschungen steht der "zirkumpazifische Feuerring", das Gebiet der Ozeanränder rings um den Pazifik, im besonderen die Pazifikküste vor Mittelamerika. Dort stößt eine schwere ozeanische Platte mit einer Geschwindigkeit von mehreren Zentimetern pro Jahr auf die leichtere Karibische Platte, schiebt sich darunter und taucht nach unten in Richtung Erdmantel ab - Subduktion nennen die Geowissenschaftler diesen Prozess. Hier kann man den plattentektonischen Motor in Aktion beobachten.

Mit der Kollision der Platten verbunden sind gigantische Stoffkreisläufe, bei denen Fluide, das sind Gase wie Wasserdampf, Kohlendioxid, Methan, Schwefelwasserstoff und Schwefeldioxid, eine bedeutende Rolle spielen. Sie werden mit der ozeanische Platte herantransportiert. Ein Teil wird bei der Kollision regelrecht "ausgequetscht" und tritt in untermeerischen Quellen

- 2 -

am Meeresboden aus. Ein weiterer Teil wird in Verwerfungen entlang der Platten eingepresst und verursacht dadurch Erdbeben - die größten bekannten Erdbeben der Erde kamen so zustande.

Ein anderer Teil wird mit der abtauchenden Platte in größere Tiefen verfrachtet und dort "ausgeschwitzt". Da dies bevorzugt in Tiefen um 90-120 km geschieht und dort das umgebende Material des Erdmantels sehr heiß ist, kommt es stellenweise zum Schmelzen des Erdmantels. Die gebildeten Schmelzen steigen zusammen mit den Fluiden zur Oberfläche hoch, was dort zum einen zum Austritt gewaltiger Mengen giftiger Gase, zum anderen zu hochexplosiven Vulkanausbrüchen führt, bei denen die genannten Gase in die Atmosphäre geblasen werden - mit gravierenden Folgen für das globale Klima und die lokale Umwelt.

Der etwas saloppe Ausdruck "Subduktionsfabrik", den die Wissenschaftler für die Kollisionszonen geprägt haben, beschreibt die Vorgänge treffend: Riesige Materialmengen werden transportiert, umgewandelt und verarbeitet.

Der SFB 1834 ist einer von vier derzeit an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel angesiedelten Sonderforschungsbereichen. Sie ermöglichen die Durchführung aufwendiger und langfristig konzipierter Forschungsvorhaben in fächerübergreifender Kooperation.

Außer dem GEOMAR Forschungszentrum für marine Geowissenschaften beteiligen sich Wissenschaftler aller drei Abteilungen des Instituts für Geowissenschaften der Kieler Universität und des Kieler Instituts für Meereskunde an den Forschungsarbeiten: Geophysiker, Geochemiker, Geologen, Mineralogen, Petrologen, Meeresbiologen, Mikrobiologen und Ingenieure. Jahrelange Vorarbeiten der Kieler und die Ergebnisse ihrer zahlreichen Expeditionen überzeugten die in- und ausländischen Gutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft davon, dass es eine wichtige Aufgabe der deutschen Forschung ist, die Arbeitsweise und die Geheimnisse der "Subduktionsfabrik" näher zu ergründen.

Susanne Schuck | idw

Weitere Berichte zu: Erdmantel Geowissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Mit der Filtermembran auf den Weltmarkt
12.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie