Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Günstige Kläranlagen für Entwicklungsländer - Abwasserreinigung in heißen Klimazonen

13.02.2008
Das Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft (ISWA) der Universität Stuttgart hat im Lehr- und Forschungsklärwerk der Uni in Stuttgart-Büsnau eine Versuchsanlage eingerichtet, in der die Abwasserbehandlung mit Tropfkörpern unter hohen Temperaturen erforscht werden kann.

Die Ergebnisse machen die in Europa und Nordamerika weit verbreitete Technologie auch für Entwicklungsländer mit heißem Klima hoch interessant.

Die Tropfkörpertechnik gehört zu den ältesten Systemen in der Abwasserreinigung. Dabei rieselt das zu reinigende Wasser über einen Drehverteiler in ein Betonbecken, das mit Luftöffnungen versehen und mit einem durchlässigen Material gefüllt ist. Die kontinuierliche Zufuhr von Nährstoffen ermöglicht das Wachstum von Mikroorganismen. Diese bleiben an der Oberfläche des Füllmaterials haften und bilden einen Biofilm, mit dessen Hilfe die organischen Substrate im Wasser abgebaut werden.

Eine unbegrenzte Zufuhr von organischen Nährstoffen und Sauerstoff lässt jedoch auch den Biofilm wuchern. Dies kann zu Verstopfungen und zu Einschränkungen der Belüftung führen. Dabei entstehen sauerstofffreie Zonen, was Geruchsbelästigungen und eine schlechte Abbauleistung nach sich zieht.

Hohe Temperaturen beschleunigen unter anderem das Wachstum der Mikroorganismen und verschärfen diesen Effekt. Die europäischen und amerikanischen Bemessungsansätze für die Auslegung von Tropfkörperanlagen sind jedoch auf gemäßigte Temperaturen ausgelegt und berücksichtigen klimatische Unterschiede bisher nicht. Überträgt man diese Ansätze auf Entwicklungsländer mit heißem Klima, führt dies zu überdimensionierten - und teuren - Anlagen.

Um diese Lücke zu schließen und die Abwasser-Behandlung mit Tropfkörpern unter hohen Temperaturen zu untersuchen, errichteten die Wissenschaftler des ISWA mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung auf dem Gelände des Lehr- und Forschungsklärwerks der Uni Stuttgart einen halbtechnischen Tropfkörper in einer Klimakammer. Mit einer speziellen Klimatechnik beziehungsweise mit Hilfe von Wärmeaustauschern werden die Lufttemperatur bei 30 Grad und die Abwassertemperatur bei 25 Grad gehalten. Um den Vergleich verschiedener Füllmaterialen zu ermöglichen, experimentierten die Wissenschaftler mit Lavaschlacke sowie mit Kunststoffmaterial.

Für die Auswertung wurden die Leistungskurven der Versuchsanlage mit den Leistungskurven der in Deutschland üblichen Anlagendimensionen verglichen. Es zeigte sich unter anderem, dass bei alleiniger Berücksichtigung der Kohlenstoffelimination eine Reduzierung von mindestens 60 Prozent des Tropfkörpervolumens möglich ist. Durch diese Einsparung besteht die Möglichkeit, günstigere Tropfkörperanlagen in Ländern mit warmen Klimaten aufzubauen. Zudem ist das Verfahren einfach, zuverlässig und erzeugt kaum Verschleißteile. Dadurch ist die Technik für den Einsatz in Entwicklungsländern besonders gut geeignet.

Ansprechpartner: Fabio Pressinotti, Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte-und Abfallwirtschaft,
Tel. 0711/685-65445, e-mail: fabio.pressinotti@iswa.uni-stuttgart.de, http://www.iswa.uni-stuttgart.de/awt
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Keplerstraße 7, 70174 Stuttgart, Tel. 0711/685-82297. -82176, -82122, -82155, Fax 0711/685-82188, e-mail: presse@uni-stuttgart.de, http://www.uni-stuttgart.de/aktuelles/

Text und Bilder unter http://www.uni-stuttgart.de/presse/mediendienst/3/

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de/aktuelles/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Artenschützer schlagen Alarm: Papageien noch bedrohter als befürchtet
15.09.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie