Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Kyoto Klimavertrag reicht nicht

20.11.2000


... mehr zu:
»Emission »Klimawandel
Die volle Umsetzung der Kyoto Verpflichtungen wäre ein Anfang, aber nicht ausreichend um den Klimawandel zu verlangsamen. Um langfristig zu einer weltweiten Stabilisierung des Klimas zu kommen, sind weitaus
stärkere Verpflichtungen notwendig. Das zeigt eine jetzt vorliegende Studie des Wissenschaftlichen Zentrums für Umweltsystemforschung an der Universität Gesamthochschule Kassel, die Prof. Dr. Joseph Alcamo und seine Mitarbeiterin Janina Onigkeit, im Auftrag des Umweltbundesamtes erarbeitet haben.

Kassel. Die volle Umsetzung der Kyoto Verpflichtungen wäre ein Anfang, aber nicht ausreichend um den Klimawandel zu verlangsamen. Um langfristig zu einer weltweiten Stabilisierung des Klimas zu kommen, sind weitaus stärkere Verpflichtungen notwendig. Das zeigt eine jetzt vorliegende Studie des Wissenschaftlichen Zentrums für Umweltsystemforschung an der Universität Gesamthochschule Kassel. Prof. Dr. Joseph Alcamo und seine Mitarbeiterin Janina Onigkeit, die die Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes erarbeitet haben, betonen: "Geschieht langfristig nicht mehr als 1997 im Kyoto Protokoll vereinbart, so könnten sich die globalen Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts verdoppeln und bis 2100 sogar verdreifachen. Dies würde bis 2100 zu mehr als einer Verdopplung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre führen."
Wie gefährlich diese Entwicklung wäre, zeigt ein Blick auf die Kasseler Studie, die unter dem Titel "Stabilisierungsziele für Treibhausgaskonzentrationen: Eine Abschätzung der Auswirkungen und Emissionspfade" erschienen ist. "Wir erzeugen heute die Treibhausgase, die in 50 bis hundert Jahren klimawirksam sind. Das heißt, selbst wenn die im Kyoto-Protokoll formulierten Reduktionsverpflichtungen eingehalten werden, haben wir massive Auswirkungen auf Meeresspiegelniveau und Landwirtschaft", so Onigkeit und Alcamo. "Bei einem von uns berechneten Anstieg des Meerwasserspiegels von 30 Zentimeter innerhalb der nächsten einhundert Jahre - und das bei Einhaltung der Stabilisierungsziele - ist einerseits dringend Vorsorge zu treffen, um die Menschen zu schützen. Andererseits mache es aber deutlich, dass es keine Alternative gibt zur Einhaltung der vereinbarten Treibhausgas-Begrenzungen.
Die neue Studie erlaubt die quantitative Abschätzung der globalen und regionalen Auswirkungen von zwei langfristigen Stabilisierungszielen (550ppm und 450ppm) für die CO2 Konzentration, die mit Hilfe eines globalen mathematischen Modells berechnet wurden. Diese Berechnungen wurden zudem mit einem Szenario verglichen, das keine weiteren Klimaschutzmaßnahmen als die in Kyoto vereinbarten, berücksichtigt. Es wurden zwei Aspekte der Klimaschutzziele untersucht:

· Die Reduktionsmaßnahmen, die notwendig sind, um die gesetzten Klimaschutzziele zu erreichen
· und die negativen Auswirkungen des Klimawandels, der mit den untersuchten Klimaschutzzielen einhergeht.

Die Studie, die den Zeitraum bis 2100 abdeckt, zeigt in der Hauptsache zwei Dinge:

1. Um eine Stabilisierung des Klimas zu erreichen, müssen langfristig sowohl die Industrieländer als auch die sogenannten Entwicklungsländer ihre Emissionen kontrollieren. Allerdings liegen die durchschnittlichen Pro-Kopf-Emissionen der Entwicklungsländer derzeit bei weniger als einem Viertel der Emissionen der Industrieländer, so dass ihnen aus Gründen der Gerechtigkeit eine Verzögerung bei der Kontrolle ihrer Emissionen zugestanden werden sollte.

2. Auch wenn die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre langfristig stabilisiert werden, ist kurzfristig mit einem schnellen Anstieg der negativen Auswirkungen auf wichtige Bereiche zu rechnen. Zwei Beispiele aus der Kasseler Studie zeigen dies:

· Die jetzige natürliche Vegetation kann bis 2020 auf zehn Prozent der Flächen, die heute weltweit als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind, in ihrem Vorkommen bedroht sein. Bis 2100 steigt dieser Flächenanteil auf 20-30 Prozent an (je nach Stabilisierungsziel). Werden keine Klimaschutzmaßnahmen ergriffen, kann sich diese Fläche sogar auf knapp 40 Prozent verdoppeln. Diese Zahlen sind besonders brisant, da eine Anpassung (wie sie z.B. in der Landwirtschaft möglich ist) bei einer zu schnellen Veränderung des Klimas nicht möglich ist, d.h. der Klimawandel in natürlichen Ökosystemen zu irreversiblen Schäden führen kann.

· Der Meeresspiegelanstieg ist ein besondere brisantes Thema, da hier trotz einer Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen über die nächsten hundert Jahre hinaus mit einem unverminderten Anstieg des Meeresspiegels zu rechnen ist: Innerhalb der kommenden 100 Jahre wird der Anstieg für die beiden berechneten Stabilisierungsszenarien "nur" etwa 30 cm betragen; dieser Trend wird sich über die nächsten Jahrhunderte fortsetzen und kann dann zu einem Anstieg von einem Meter und mehr führen. Für die Bewohner kleiner Inselstaaten ist diese Entwicklung existenzbedrohend.

Mit Bezug auf die gerade in Den Haag stattfindenden Verhandlungen um die Ausgestaltung des Kyoto Protokolls unterstreicht diese Studie mit ihrem langfristigen Blick auf das Thema Klimawandel die Wichtigkeit einer schnellen und effektiven Eindämmung der Treibhausgasemissionen.

Der Bericht ist in deutscher und englischer Fassung als pdf-Datei erhältlich unter http://www.usf.uni-kassel.de/

Universität Gesamthochschule Kassel
Wissenschaftliches Zentrum für Umweltsystemforschung
Prof. Dr. Joseph Alcamo
Janina Onigkeit
Kurt-Wolters.Str. 3
34109 Kassel
Tel. (0561) 804-3072/ -3266; Fax -7266
E-Mail: onigkeit@usf.uni-kassel.de
uh

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Ingrid Hildebrand | idw

Weitere Berichte zu: Emission Klimawandel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften