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Kanadische Forscher erheben Landwirtschaftsflächen der Welt

11.02.2008
Globale Maßlosigkeit bedroht verbliebene Wälder

Mehr als ein Drittel der eisfreien Erdoberfläche wird derzeit als Ackerland genutzt. Europa, Südasien und die östlichen USA haben die größten Anbauflächen, während in Südamerika, China, im tropischen Afrika und in den westlichen USA das meiste Weideland besteht. Kanadische Forscher haben nun agrarische Datenbanken mit aktuellen Satellitendaten verglichen und ein Computerprogramm geschaffen, das Weideland von Ackerland unterscheidet.

Das Team um Navin Ramankutty von der McGill University in Montreal hat festgestellt, dass 15 Mio. Quadratkilometer (zwölf Prozent) als Anbauflächen und 28 Mio. Quadratkilometer (22 Prozent) als Weideland genutzt werden. Die Untersuchungen durch die Satelliten, die eine sehr genaue Aufschlüsselung im Zehn-Kilometer-Radius ermöglichen, sind die bisher genauesten Daten über die Nutzung der Landflächen auf der Erde. Die weltweite Landwirtschaft habe das Aussehen der Erdoberfläche in den vergangenen Jahrhunderten massiv verändert, so Ramankutty.

"Wenn jeder Chinese und jeder Inder pro Tag einen Hamburger isst, geht es sich mit den zur Verfügung stehenden weltweiten Anbauflächen nicht mehr aus", meint der Wiener Waldexperte Gerhard Glatzel von der Wiener Universität für Bodenkultur, gegenüber pressetext. Das gleiche gelte auch für den Fall, dass jeder Mensch genauso viel Toilettenpapier verwendet wie Europäer oder Nordamerikaner. "Die einzigen Reserven für eine Nahrungsmittelproduktion liegt in den ausgelaugten und degradierten Böden Afrikas", zeigt sich der Experte überzeugt. Zur Renovierung der Böden müsse man allerdings kräftig investieren. Nur elf Prozent der weltweit zur Verfügung stehenden Böden eignen sich als Anbauflächen, ohne grundlegende Veränderungen durchführen zu müssen, geht aus der FAO-Studie "Soil limits Agriculture" hervor.

Von der Nutzung so genannter Biotreibstoffe hält Glatzel nichts. "Eine Tankfüllung entspricht mehr als 100 Kilogramm Brot", so der Experte. Die meisten Menschen hätten keine Vorstellung darüber, argumentiert Glatzel. Forscher haben errechnet, dass einige hundert Quadratmeter Ackerland für eine vegetarische Ernährung, einige tausend Quadratmeter für die Fleischkonsumenten erforderlich sind. Der indirekte Druck auf die verbliebenen Wälder steige damit. Glatzel kritisiert in diesem Zusammenhang das Fehlen eines globalen ethischen Instruments wie man mit den Flächen umzugehen habe.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.mcgill.ca
http://www.wabo.boku.ac.at

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