Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nanomaterialien als Transportmittel für Wirkstoffe in Pharma und Kosmetik: Nur abbaubare Systeme sollten verwendet werden

10.01.2008
Öko-Institut hat mit weiteren Partnern umfassende Risiko-Nutzen-Analyse erarbeitet und warnt vor dem Einsatz nicht abbaubarer Nano-Transportsysteme / Novartis und Ciba wollen dieser Empfehlung folgen

Der Einsatz von so genannten Nano-Delivery-Systemen, Transportsystemen mit einem Durchmesser unter 100 Nanometern, bietet in Pharma und Kosmetik interessante Perspektiven. Denn mit ihnen können medizinische oder kosmetische Wirkstoffe effizienter an ihren Zielort transportiert werden, weil sie zum Beispiel leichter körpereigene Membranen passieren.

Doch andererseits ist oft noch völlig unklar, was mit diesen Transportsystemen, von denen einige wegen ihrer geringen Größe auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden können, im Körper passiert, sobald sie den transportierten Wirkstoff im Organismus abgegeben haben. Und weil Nanomaterialien keine homogene Gruppe darstellen, sondern es sich um physikalisch, chemisch und strukturell sehr unterschiedliche Stoffe handelt, müssen Risikobeurteilungen immer fallbezogen sein.

Der Pharmakonzern Novartis und das Chemikalienunternehmen Ciba Spezialitätenchemie haben daher den Risikodialog mit kritischen Stakeholdern gesucht, der in beiden Unternehmen eine 20-jährige Tradition hat. Deshalb erstellte das Öko-Institut in Kooperation mit dem Österreichischen Ökologie Institut unter der Moderation der Schweizer Stiftung Risiko-Dialog eine Nutzen-Risikoanalyse. Das Ergebnis: Abbaubare Nano-Transportsysteme, die vom Körper zerlegt und ausgeschieden werden können, erhalten gute Noten. Die bisher vorliegenden Daten zu nicht abbaubaren Systemen, wie zum Beispiel so genannte Kohlenstoff-Nanoröhrchen oder Fullerene, sind dagegen lückenhaft und widersprüchlich. "Im Sinne des Vorsorgeprinzips empfehlen wir deshalb, die Sicherheitsforschung auszubauen und auf nicht abbaubare Nanopartikel solange zu verzichten, bis eine bessere Datenlage aufgebaut ist", sagt Martin Möller, Experte für produktbezogene Technologiebewertung am Öko-Institut. Ciba und Novartis wollen dieser Empfehlung zum jetzigen Zeitpunkt folgen.

Ziel des interdisziplinären Forschungs- und Dialogprojekts "Conano - Comparative Challenge of Nanomaterials" war die möglichst frühzeitige und offene sachliche Auseinandersetzung über Chancen und Risiken der Nanotechnologie an konkreten Produktbeispielen. Außerdem galt es, eine Methodik zur stakeholderübergreifenden Produktbewertung zu entwickeln sowie Handlungsempfehlungen für Forschungsstrategien, Produktentwicklung und Unternehmenskommunikation zu erarbeiten.

Die involvierten Risikoforscher, Toxikologen, Arbeitsmediziner und Ökologen haben abbaubare und nicht abbaubare Nano-Transportsysteme für pharmazeutische und kosmetische Anwendungen mit konventionellen Mikrosystemen verglichen. "Dabei haben wir Fragen der Toxizität und Exposition über den gesamten Lebenszyklus der untersuchten Systeme geprüft, also von der Produktion über die Anwendung bis zur Entsorgung. Der Lebenszyklusansatz ist für robuste Ergebnisse methodisch zwingend notwendig, in der Praxis aber leider immer noch nicht Standard", erläutert Martin Möller. Darüber hinaus untersuchten die Wissenschaftler im Rahmen der Ökobilanzen auch Nutzenaspekte. Studien zur externen Risikowahrnehmung vervollständigten die multidimensionale Bewertungsmatrix. "Der Nutzen von Nano-Transportsystemen liegt vor allem in der verbesserten Wirkung des Produkts und seinen Anwendungseigenschaften für den Nutzer und erst in zweiter Linie in den Einsparungspotenzialen und einer verbesserten Ressourceneffizienz", fasst Martin Möller zusammen. "Die größten Einsparpotenziale liegen auf der Ebene der Formulierungsbestandteile und der Verpackungen."

"Dass Ciba und Novartis die im Rahmen von CONANO entwickelten Empfehlungen konsequent umsetzen wollen, zeigt, wie erfolgreich der Risikodialog sein kann", sagt Dr. Rainer Grießhammer, stellvertretender Geschäftsführer am Öko-Institut. "Konstruktiv geführt ist dieser Dialog eine wesentliche Voraussetzung dafür, mögliche Ängste und Unbehagen zu bestimmten Themenfeldern in der Öffentlichkeit, bei den Umweltorganisationen und bei den Behörden im Vorfeld zu erkennen und damit angemessen umzugehen."

Eine Zusammenfassung der Studie "CONANO - COmparative Challenge of NANOmaterials - A Stakeholder Dialogue Project" lesen Sie im Internet unter http://www.oeko.de/oekodoc/673/2007-181-de.pdf, den vollständigen Endbericht finden Sie hier: http://www.oeko.de/oekodoc/674/2007-182-de.pdf.

Ansprechpartner:

Martin Möller, Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg, Institutsbereich Produkte & Stoffströme, Telefon 0761/45295-56, m.moeller(at)oeko.de

Dr. Rainer Grießhammer, Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg, stellv. Geschäftsführer, Institutsbereich Produkte & Stoffströme, Telefon 0761/45295-50, r.griesshammer(at)oeko.de

Christiane Rathmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.oeko.de/oekodoc/674/2007-182-de.pdf
http://www.oeko.de/oekodoc/673/2007-181-de.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften

Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie