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Baggergutverwertung als Beitrag zum Umweltschutz im Deichbau

05.01.2015

Neu entwickelte Bauweise stößt auf internationales Interesse

Deiche aus aufbereitetem Baggergut tragen zu einem schonenden Umgang mit natürlichen Bodenressourcen bei. Die Eignung von Baggergut für solche Küstenschutzbauwerke wurde in einem vierjährigen EU-Projekt nachgewiesen, das vom Lehrstuhl für Geotechnik und Küstenwasserbau der Universität Rostock (Prof. Dr. Fokke Saathoff) federführend geleitet wurde.


Versuchsdeiche

Nun fand im Dezember die Abschlussveranstaltung dieses erfolgreichen und außenwirksamen Kooperationsprojektes statt, in deren Rahmen sich Fachkollegen über die Ergebnisse informierten und in einem Workshop über Folgeprojekte berieten.

Wenn Deiche gebaut werden, müssen große Mengen an Baustoffen gewonnen, transportiert und eingebaut werden. An der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns sind das in der Regel Sand als Stützkörper und Mergel als Deckschicht, die den Deich vor Erosion schützt.

Im Projekt DredgDikes wurde u.a. untersucht, ob Baggergut, welches z.B. zur Erhaltung der Fahrrinnentiefe der Seewege, beim Hafenbau oder aus Naturschutzgründen aus den Gewässern ausgebaggert wurde, als Ersatzbaustoff für den Deichbau geeignet ist und welche Anforderungen an die Auswahl von Baggergut zu stellen sind.

In Kooperation mit dem Lehrstuhl für Geotechnik und Küstenwasserbau forschten und entwickelten das Department für Geotechnik, Geologie und Maritimes Ingenieurwesen der Technischen Universität Danzig (Polen) und das Steinbeis Innovationszentrum für Angewandte Landschaftsplanung an dem Thema, unterstützt von der Hansestadt Rostock und dem Wasser- und Bodenverband „Untere Warnow – Küste“.

Neben den zuständigen Behörden aus Deutschland, Polen und Dänemark waren zudem Unternehmen und Forschungsinstitute aus Deutschland, Polen, und Litauen beteiligt. Das Projekt mit einem Budget von über 2 Mio. Euro wurde vom South Baltic Programme der EU gefördert.

Im deutschen Teil des Projekts wurden zwei Forschungsdeiche errichtet: Am Versuchsdeich auf dem Spülfeld „Radelsee“ der Hansestadt Rostock, der etwa 150 m lang, 50 m breit und 3,30 m hoch ist, wurden Untersuchungen zu verschiedenen Deichquerschnitten aus Baggergut durchgeführt. Der Deich wurde überströmt, um die hohe Erosionsstabilität der mit Rasen begrünten Deichböschungen nachzuweisen, die Durchsickerung des Deichkörpers wurde untersucht, und die Qualität der Vegetation wurde bewertet.

Die Ergebnisse zeigen die Verwendbarkeit aller getesteten Baggergutsorten als Deckschicht im Seedeichbau, auch jener, die bei starker Austrocknung zur Bildung von Rissen neigen. „Wir unterstützen die Universität Rostock gerne beim weiteren Monitoring der Versuchsdeiche, da wir diese Forschung als wegweisend empfinden, nicht nur für die Hansestadt“, so Heiko Tiburtius, der zuständige Amtsleiter.

Der zweite im Projekt entstandene Deich steht am Körkwitzer Bach westlich von Ribnitz-Damgarten. Dort wurde ein Deichabschnitt von 500 m Länge zum Schutz der Ortslage Neuheide rekonstruiert – unter Verwendung von Baggergut aus Rostock. „Bisher haben wir am Schöpfwerk Neuheide aufgrund des maroden alten Deiches zeitweise das Wasser im Kreis gepumpt – durch das Projekt DredgDikes konnten wir dieses Problem kostengünstig und zufriedenstellend lösen“ erläutert Heike Just, Geschäftsführerin WBV „Untere Warnow – Küste“.

Die neu entwickelten Bauweisen und die Verwertung von Baggergut in Deichen rufen großes internationales Interesse hervor. Das zeigten auch die beiden Projektkonferenzen mit über 250 Teilnehmern, die im April 2014 in Rostock und im darauffolgenden Juni in Danzig ausgerichtet wurden.

Aus allen Erkenntnissen wird nun ein Praxishandbuch mit Empfehlungen zur Verwertung von Baggergut im Deichbau entstehen, das in Kürze auf der Internetseite des Projektes zur Verfügung gestellt wird. „Endlich wird den Behörden, Planern und ausführenden Bauunternehmen eine auf belastbaren wissenschaftlichen Ergebnissen basierende Anleitung zur Verfügung stehen, wie gereiftes Nassbaggergut im Deichbau einsetzbar ist. Dies vereinfacht die Planungs- und Genehmigungsprozesse ungemein“ freuen sich Prof. Dr. Fokke Saathoff, Gesamtprojektleiter Dredgdikes und Dr. Stefan Cantré, Projektkoordinator, beide Lehrstuhl für Geotechnik und Küstenwasserbau der Uni Rostock.

Weitere Infos finden sich unter http://www.dredgdikes.eu/de/

Universität Rostock
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Prof. Dr.-Ing. Fokke Saathoff
Mail: fokke.saathoff(at)uni-rostock.de
Tel: +49 381 498-3700

Ingrid Rieck | Universität Rostock

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