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Australien: Aga-Kröten bedrohen heimische Arten

28.04.2010
Beutelmarder-Erziehungsprogramm mit präparierten Würsten

Die seit den 30er-Jahren in Australien heimischen Aga-Kröten bedrohen nun auch massiv heimische Tiere. Ein Forscherteam der Sydney University hat festgestellt, dass die einst sehr häufig vorkommenden Raubbeutler-Bestände seit 20 Jahren massiv sinken. Offensichtlich fallen die kleinen Raubtiere dem Gift der Kröten zum Opfer. Die Forscher wollen nun die Raubbeutler mit einem Trick daran hindern, sich an den Kröten gütlich zu halten.

Das Lernen einer Geschmacksaversion könnte eine Möglichkeit sein, die Raubbeutler davon abzuhalten, die Kröten zu fressen. Dazu verabreichen die Biologen den Raubtieren speziell präparierte Würste mit Substanzen von denen ihnen übel wird. "Dies führt zur Assoziation, dass der Geruch der Kröten krank macht", erklärt Forschungsleiter Jonathan Webb. "Das ist eine sehr wirkungsvolle Art des Lernens."

Giftige Kröten vernichten Ikone Nordaustraliens

"Die Raubbeutler sind echte australische Ikonen. Sie sind intelligente und herzige Tiere mit sehr ausgeprägtem Charakter", so Webb. "Es ist nicht eindeutig geklärt, warum es seit 20 Jahren zu derart massiven Rückgängen der Population gekommen ist", betont der Forscher. Im Kakadu-Nationalpark sind die Tiere sogar völlig verschwunden. Die Wissenschaftler nehmen an, dass die Raubtiere am Gift der Aga-Kröten zugrunde gegangen sind.

"Für Raubbeutler wirken die Kröten wie große Frösche. Und diese sind eine gute Beute", erklärt Webb. "Da sie an einer Überdosis des Krötengifts sterben, gibt es keine Möglichkeit, dass sie aus der Verwechslung lernen." In ersten Versuchen ist dem Team von Webb gelungen, den Raubbeutlern eine Aversion gegen die Kröten beizubringen. An 30 Tieren, die anschließend mit Sendern versehen wurden, hat sich der Versuch bewährt. Die Beuteltiere ignorierten die Kröten. Das haben auch Videoaufzeichnungen bestätigt.

Präparierte Würste für Beuteltiere

Webb und sein Team haben nach den erfolgreichen Versuchen nun präparierte Würste für die Beuteltiere ausgelegt. "Bis jetzt wissen wir nicht, ob jene Beuteltiee, die die Würste verzehrten auch Abstand von den Kröten hielten", berichtet der Forscher. Es sei jedenfalls eine sehr massive Art des Lernens, dass der Geschmack und der Geruch der Beute den visuellen und den Jagdtrieb übertrifft.

Ähnliche Versuche hatten australische Wildhüter an Wildkatzen erfolgreich beendet. Dort ist es gelungen, die Katzen bereits vor der Invasion der Kröten davon abzuhalten, diese zu jagen und zu fressen. Webb und sein Team versuchen nun auch mit den stark in Bedrängnis geratenen Echsen solche Versuche.

Albtraum Aga-Kröte

Seit Jahren kämpfen die Menschen in Nord-Australien gegen die massenhaft auftretenden Aga-Kröten, die in den 30er-Jahren als Schädlingsvernichter auf Zuckerrohrplantagen eingeschleppt wurden. Angesichts der fehlenden Fressfeinde konnten sich die bis zu 26 Zentimeter langen und bis zu 2,5 Kilogramm schweren Kröten nach ihrer Einfuhr großräumig ausbreiten. Sie gewinnen jährlich 40 bis 50 Kilometer an zusätzlichem Terrain.

Aus den damals rund tausend eingeführten Kröten sind Schätzungen zufolge nunmehr über 100 Mio. Tiere geworden. In einigen Landesteilen zählen die Kröten sogar zu den häufigsten Wirbeltierarten. Versuche, die Ausbreitung der Amphibien zu stoppen, sind bisher erfolglos geblieben http://www.frogsnotcanetoads.com.au . Die Aga-Kröten fressen praktisch alles, was kleiner ist als sie selbst - von Insekten, kleinen Reptilien, Säugetieren, andere Amphibien bis hin zu Vögeln. Jährlich produzieren die weiblichen Tiere 20.000 Eier.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.usyd.edu.au
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