Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Asiatische Säugetiere sterben aus - Deutschland unterstützt Malaysia, um das zu verhindern

23.11.2010
Am Montag, dem 22. November 2010, wurde in Sabah, Malaysia ein Kooperationsvertrag abgeschlossen, der den weiteren Verlust von Biodiversität in Sabah verhindern soll.

Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), der Zoo Leipzig (ZL) und die Staatsregierung von Sabah, vertreten durch die lokale Naturschutzbehörde von Sabah (SWD), haben sich darauf verständigt, partnerschaftlich die Expertisen und Ressourcen zu bündeln, um dem Verlust von Biodiversität in Sabah entschieden entgegen zu treten.

Der malaysische Bundesstaat Sabah, auf der Insel Borneo, ist aufgrund seiner weltweit ältesten Regenwälder und seiner einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt einer der zentralen Punkte (Hotspots) für Biodiversität auf unserer Erde. Jedoch sind nach Aussagen der internationalen Naturschutzvereinigung IUCN die großen Tierarten Sabahs, wie z.B. das Sumatranashorn, der Borneo Pygmy Elefant, der Sunda Nebelparder (seltene Raubkatze) und der Orang Utan sehr stark vom Aussterben bedroht. Fachleute sagen eine große Aussterbekrise asiatischer Säugetiere voraus, sollte nicht sofort gehandelt werden.

Die Naturschutzbehörde von Sabah und das Berliner IZW arbeiten bereits eng in der Erforschung und dem Schutz der Karnivoren (Fleischfresser) Borneos zusammen. Diese Initiative hat durch die Wiederentdeckung des Haarnasenotters, nach 100 Jahren, für internationale Aufmerksamkeit gesorgt. Die weltweit ersten Filmaufnahmen des Sunda Nebelparders und der hoch bedrohten Otterzivette sind spektakulär. Mit dem heute unterzeichneten Vertrag wird die Partnerschaft auf eine weitere Flaggschiff-Art Borneos ausgeweitet, das Sabah Nashorn. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert den Zuchtversuch des Sabah Nashorns als erstes Projekt dieser neuen Partnerschaft. Das Sabah Nashorn (Dicerorhinus sumatrensis harrissoni) ist eine Unterart des Sumatra Nashorns. Es lebt im Flachlandregenwald Borneos und ist die kleinste aller Nashornarten. Mit weniger als 50 lebenden Individuen ist es, neben dem nördlichen Breitmaulnashorn in Afrika, auch die am stärksten vom Aussterben bedrohte Nashornart auf unserem Planeten.

Die Naturschutzbehörde in Sabah hat in Zusammenarbeit mit der Borneo Rhino Alliance (BORA) und dem WWF Malaysia ein umfassendes Schutzprogramm gestartet, um die letzten Nashörner zu erhalten. Das bornesische Nashorn Schutzprogramm wird durch die malaysische Regierung, den Sabah Development Corridor und der Yayasan Sime Darby Stiftung gefördert. “Yayasan Sime Darby hat die Anschubfinanzierung für das Projekt bereitgestellt und somit das Nashorn Schutzprogramm in Sabah initiiert”, sagt Dr. Laurentius Ambu, Direktor des Sabah Wildlife Departments. “Das IZW wird uns mit seiner wissenschaftlichen Expertise in der assistierten Fortpflanzung unterstützen, während der Zoo Leipzig uns hilft, unsere Tierpfleger in der Haltung und in der Handhabung von Wildtieren auszubilden”, fügt Ambu hinzu. Das IZW ist für seine wissenschaftliche Herangehensweise an die Naturschutzforschung bekannt. “Mit der finanziellen Unterstützung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, die uns kürzlich für das Sabah Nashornprojekt gewährt wurde, sind wir in der Lage, das Zuchtprojekt wissenschaftlich mit hochtechnologischen Geräten zu unterstützen und ein Expertenteam aus Deutschland und Australien einzusetzen”, sagt Prof. Dr. Heribert Hofer, Direktor des IZW.

Dr. Jörg Junhold, Direktor des Zoo Leipzig, fügt hinzu: “Unser Zoo wird erfahrene Tierpfleger nach Sabah schicken. Diese werden unsere Expertise im Bereich der Haltung und Haltungsbedingungen von Tieren in menschlicher Obhut weitergeben. Lokale Tierpfleger in Lok Kawi und in Tabin sollen insbesondere von unseren Erfahrungen in der tiergerechten Gestaltung von Zoos profitieren. Zusätzlich werden wir mehr als 2 Millionen Besucher jährlich über das herausragende Nashornschutzprojekt zum Schutze des Sabah Nashorns in unserer tropischen Regenwaldhalle ‘Gondwanaland’, die in 2011 in Leipzig eröffnet wird, informieren." Die öffentliche Wahrnehmung des Projektes wird durch eine Kooperation zwischen IZW, Zoo Leipzig und der international tätigen Marketing- und Erlebnisarchitekturfirma ‘dan pearlman’ verstärkt.

Die Zusammenarbeit zwischen dem SWD, IZW und dem ZL wurde im November 2009 während eines Besuchs der Direktoren beider deutschen Einrichtungen in Sabah initiiert. Die Partner haben sich darauf verständigt, Forschungsstrategien für Wildtierschutz, -medizin und zum Zoomanagement zu entwickeln und umzusetzen.

Im Januar 2011 wird ein internationales Forscherteam nach Sabah fliegen. Unter der Leitung von Dr. Thomas Hildebrandt, Reproduktionsexperte vom IZW Berlin, wird das Team erstmalig versuchen, Embryonen von Nashörnern zu gewinnen und diese in flüssigen Stickstoff zu überführen. „Damit sichern wir die genetischen Informationen des Sabah Nashorns und gewinnen Zeit für die weiteren Schritte, die für die Rettung dieser hoch bedrohten Art notwendig sind“, so Hildebrandt. „Es muss jetzt schnell gehandelt werden, denn in Malaysia werden täglich riesige Urwaldflächen für die Produktion von Palmöl gerodet. Was zurückbleibt, ist Zerstörung und Fragmentierung von Flächen, die für Wildtiere nicht mehr nutzbar sind“, sagt Dr. Petra Kretzschmar, Wissenschaftlerin und Projektkoordinatorin am IZW.

Durch ein Wiederaufforstungsprogramm ergänzt der gemeinnützige Verein Rhino and Forest Fund e. V., eine Ausgründung des IZW, die Forschungsinitiativen von IZW und Zoo Leipzig. Ziel ist es, die zerstückelten Gebiete zu verbinden und degradierten Regenwald wiederzubeleben. Die Verbindung der Gebiete ist eine Vorraussetzung für den natürlichen Fortpflanzungserfolg von Wildtieren. Das Aufforstungsprojekt wird gemeinsam mit dem Sabah Forestry Department durchgeführt.

„Die Kombination aus Spitzenforschung, Zoo Expertise, nationalen Regierungsorganisationen, Naturschutzvereinen und Marketingexperten hat es im Artenschutz in dieser Form noch nie gegeben, ein Modell das Schule machen wird“, sagt Steven Seet, Referent für Öffentlichkeitsarbeit am IZW.

Kontakt:

Sabah Wildlife Department (SWD)
5th Floor, B Block, Wisma MUIS,
88100 Kota Kinabalu, Sabah, Malaysia
Dr. Laurentius Ambu, 0060 88 211645, Laurentius.Yambu@sabah.gov.my
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin
Germany
Dr. Petra Kretzschmar, 0060 146536005, petra.kretzschmar@gmx.de
Steven Seet, 0049 30 5168 108, seet@izw-berlin.de
Zoo Leipzig GmbH
Pfaffendorfer Straße 29
04105 Leipzig
Frank Oberwemmer, 0049 341 59 33 515, foberwemmer@zoo-leipzig.de

Steven Seet | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de
http://www.zoo-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser
27.04.2017 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

nachricht Plastik – nicht nur Müll
26.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie