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Arzneimittelrückstände bedrohen Fische

06.04.2010
Viele Medikamenten-Wirkstoffe überstehen Kläranlagen-Behandlung

Forscher der Umea Universität und der Sahlgrenska Academy an der Universität Göteborg haben Arzneimittel-Rückstände in Fischen entdeckt, die in behandelten Abwässern schwammen.

Im Fischblut konnten höhere Werte des Hormons Levonorgestrel gefunden werden, als in einer Frau, die eine Verhütungspille mit dem Hormon einnimmt. Erhöhte Werte der Substanz können zu Unfruchtbarkeit bei Fischen führen, berichten die Forscher im Fachmagazin Environmental Science and Technology.

Die Forscher um Joakim Larsson haben Fische, die in geklärten Abwässern in Stockholm, Umea und Göteborg leben, untersucht. "Das Ergebnis war erstaunlich, denn die Menge des in hormonellen Verhütungsmitteln häufig verwendeten Levonorgestrel, die wir in den Fischen gefunden haben, lagen bei rund einem Nanogramm pro Liter", so Larsson gegenüber pressetext. In einer vorangegangenen deutschen Studie kamen Forscher zum Ergebnis, dass weniger als ein Nanogramm des Hormons ausreiche, um die Reproduktion der Fische zu stoppen.

25 Chemikalien untersucht

Die Fische wurden in nicht verdünnten gereinigten Abwässern untersucht. "In freier Wildbahn wird das gereinigte Abwasser noch weiter verdünnt und damit das Risiko verringert", so Larsson, der allerdings hinzufügt, dass es auch Wasserläufe gibt, die weniger oder kaum verdünntes behandeltes Abwasser führen. "Klar wird in der Studie jedenfalls, welche Substanzen aus den Abwässern unbedingt entfernt werden müssen."

"Insgesamt haben wir die Fische auf 25 verschiedene Arzneimittelrückstände hin untersucht", so Larsson. "Allerdings konnten wir von keiner Substanz derart hohe Werte feststellen wie vom synthetischen Progesteron-ähnlichen Levonorgestrel." Seit knapp zehn Jahren ist bekannt, dass synthetisches Östrogen aus der Antibabypille trotz Abwasserbehandlung schädlich für Fische ist.

80 bis 90 Mio. Frauen verhüten hormonell

Kombinierte Antibabypillen enthalten verschiedene synthetische Sexualhormone wie etwa synthetisches Östrogen und Progesteron-ähnliche Hormone. Welche Mengen in den einzelnen Präparaten enthalten sind, variiert. "Doch Levonorgestrel ist in sehr vielen Antibabypillen, Hormonimplantaten uns Pille-Danach-Produkten enthalten", so der Forscher. Weltweit nehmen zwischen 80 und 90 Mio. Frauen hormonelle Verhütungsmittel, schätzen die Wissenschaftler.

"Wenn wir wissen, dass unsere Arzneimittel die Umwelt bedrohen, wären wir in einer besseren Situation, wenn wir auf umweltfreundliche Alternativen zurückgreifen würden. Allerdings steht das Wohl der Patienten an oberster Stelle", erklärt Larsson abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.sahlgrenska.gu.se

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