Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Artenvielfalt fördert wichtige Funktionen von Ökosystemen

18.08.2008
Göttinger Agrarwissenschaftler untersuchen Lebensraum-Heterogenität

Biodiversität fördert wichtige Ökosystemfunktionen - dieser Zusammenhang lässt sich nicht nur experimentell belegen, sondern auch anhand von Untersuchungen, die die komplexen Zusammenhänge der Natur berücksichtigen.

So kann ein umweltfreundliches Management tropischer Agroforstsysteme mit der Förderung verschiedener Bienenarten auf einer Kaffeeplantage dazu beitragen, die Kaffeeproduktion zu steigern. Das haben Agrarwissenschaftler der Universität Göttingen zusammen mit Kollegen aus Neuseeland, den USA und der Schweiz mit ihren Forschungen nachgewiesen.

Dabei sind die Wechselwirkungen zwischen Artenvielfalt und ökosystemaren "Dienstleistungen" für den Menschen immer dann am größten, wenn die Ressourcen für Pflanzen und Tiere möglichst heterogen verteilt sind, so Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie an der Georgia Augusta. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "PloS Biology" veröffentlicht.

Wie Prof. Tscharntke erläutert, kann eine höhere Bienenvielfalt den Ertrag von Kaffeepflanzen optimieren, indem jede Art anders auf eine unterschiedliche Blütendichte reagiert und auf diese Weise eine insgesamt erhöhte Bestäubung sicherstellt. Positive Auswirkungen hat auch ein großer Artenreichtum von Schlupfwespen: Sie kontrollieren als Räuber die unterschiedliche Populationsdichte von Insekten und verhindern so schädliche Massenvermehrungen - je größer die Vielfalt der Schlupfwespen ist, desto besser funktioniert die Insektenregulation.

"Zwar mögen die verschiedenen Arten einer Gruppe in einem Ökosystem dieselbe Funktion erfüllen, sie reagieren in ihrem Verhalten aber ganz unterschiedlich auf die so vielfältigen Umweltbedingungen", betont der Agrarökologe. "Die natürlicherweise vorkommende Lebensraum-Heterogenität ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass die Biodiversität an Bedeutung gewinnt. So ist der komplementäre Effekt der verschiedenen Arten dann am größten, wenn auch die Ressourcen in Raum und Zeit unterschiedlich verteilt sind."

Originalveröffentlichung:
Tylianakis JM, Rand TA, Kahmen A, Klein A-M, Buchmann N, Perner J, Tscharntke T (2008): Resource Heterogeneity Moderates the Biodiversity-Function Relationship in Real World Ecosystems. PLoS Biology 6: e122, 947-956.
Kontaktadresse:
Prof. Dr. Teja Tscharntke, Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften, Department für Nutzpflanzenwissenschaften
Waldweg 26, 37073 Göttingen, Telefon (0551) 39-9209, -9205, Fax (0551) 39-8806
e-mail: ttschar@gwdg.de, Internet: http://www.gwdg.de/~uaoe/Agraroekologie.html

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie