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Die Artenvielfalt der Antarktis schützen

08.12.2011
100 Jahre nachdem Roald Amundsen den Südpol erreicht hat, bricht der Polarforscher Dr. Hans-Ulrich Peter von der Universität Jena zu seiner 22. Expedition in die Antarktis auf

In der kommenden Woche – am 14. Dezember – jährt sich der 100. Jahrestag, dass jemand erstmals den geographischen Südpol erreicht hat. Am 14. Dezember 1911 setzte der Norweger Roald Amundsen als erster Mensch seinen Fuß auf den südlichsten Punkt unseres Planeten. Zugleich hatte er damit den Wettlauf gegen seinen britischen Rivalen Robert Falcon Scott gewonnen, der erst einen Monat später am Südpol ankam und dieses Abenteuer wenig später mit dem Leben bezahlte.

„Seit dieser Zeit hat sich in der Antarktis viel verändert“, weiß der erfahrene Polarforscher Dr. Hans-Ulrich Peter von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Das Leben und Arbeiten vor Ort sei inzwischen weniger gefährlich, verlange den Wissenschaftlern, die in den zahlreichen internationalen Forschungsstationen arbeiten, dennoch einiges ab: Selbst in den Sommermonaten Dezember und Januar steigen die Temperaturen hier nur wenig über den Gefrierpunkt, wobei sich durch den oft starken Wind die Luft deutlich kälter anfühlt.

Für Hans-Ulrich Peter ist diese unwirtliche, abgelegene Region jedoch zum „zweiten Zuhause“ geworden. Das erste Mal hat der Forscher vom Institut für Ökologie die Südpolarregion 1983 besucht. Damals blieb er 15 Monate und überwinterte im antarktischen Eis. Seit 1990 hat der Jenaer Wissenschaftler jeden Jahreswechsel in der Antarktis verbracht. „Meist geht es Mitte Dezember los und Anfang Februar wieder zurück nach Jena“, so Dr. Peter. Auf fast fünf Jahre seines Lebens summieren sich diese Forschungsaufenthalte inzwischen. Kaum ein anderer Wissenschaftler in Deutschland war so häufig in der Südpolarregion wie der Jenaer Ornithologe.

Dennoch: Auch für Dr. Peter ist es immer noch etwas Besonderes, in die Antarktis aufzubrechen. In wenigen Tagen ist es für den 59-Jährigen wieder soweit: Per Flugzeug geht es über Südamerika nach King George Island, einer Insel etwa 120 Kilometer vor dem antarktischen Kontinent. Dort wird er in der russischen Forschungsstation Bellingshausen bis Ende Januar arbeiten. Zwei seiner Studenten, Tobias Guetter und Michel Stelter, sind schon vor einigen Wochen an Bord eines koreanischen Eisbrechers auf der Insel eingetroffen. „Wir wollen in diesem Jahr die aktuelle Umweltsituation der Region um die Fildes-Halbinsel, in der auch die Insel King George liegt, dokumentieren und daraus Vorschläge für ein vernünftiges Management dieser Region erarbeiten“, kündigt Peter an. Die Fildes-Halbinsel und die angrenzende Insel Ardley gehören zu den größten eisfreien Gebieten der Antarktis und weisen deshalb eine hohe Biodiversität auf. „Gleichzeitig konzentrieren sich hier die meisten Forschungsstationen und Feldhütten. Ein Flughafen macht die Halbinsel zu einem logistischen Zentrum, was die Umwelt deutlich belastet.“ Nicht zuletzt die immer zahlreicher werdenden Touristen, die den eisigen Kontinent als Ziel für sich entdeckt haben, kommen vor allem in diese gefährdete Region. Dennoch biete ein naturnaher, sanfter Tourismus durchaus auch Chancen. „Es muss langfristig aber darum gehen, menschliche Aktivitäten und den Schutz der Biodiversität unter einen Hut zu bringen“, unterstreicht Dr. Peter.

Neben den wachsenden anthropogenen Einflüssen hat Dr. Peter auch andere Veränderungen während seiner regelmäßigen Besuche in der Antarktis beobachtet. So hinterlässt vor allem der globale Klimawandel hier deutliche Spuren, sind die Auswirkungen der Erderwärmung an den Polen doch um ein Vielfaches gravierender als in unseren gemäßigten Breiten. „In den zurückliegenden 50 Jahren ist die Durchschnittstemperatur im Westen der Antarktischen Halbinsel im Winter um fünf Grad angestiegen“, weiß der Jenaer Wissenschaftler. „Das hat natürlich immense Folgen für die heimische Tier- und Pflanzenwelt.“ Besonders gefährdet sind die Adelie-Pinguine: Der Brutbestand auf der Insel Ardley hat sich in den letzten 25 Jahren von etwa 1.500 auf 300 verringert.

Während ihres diesjährigen Aufenthaltes in der Antarktis werden die Jenaer Forscher außerdem ihr Langzeitprojekt zu Populationsökologie und Flugrouten der Südpolar-Skuas fortsetzen sowie die klimabedingten Veränderungen in Pinguinkolonien erfassen.

Kontakt:
Dr. Hans-Ulrich Peter
Institut für Ökologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 159, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949415
E-Mail: Hans-Ulrich.Peter[at]uni-jena.de

Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

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