Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Artenvielfalt als Grundlage unserer Existenz

17.06.2015

Wie sieht die Verteilung der Biodiversität auf unserem Planeten aus? Wo finden wir die Hauptzentren der Biodiversität? Wie ändert sich die Biodiversität durch den Klimawandel? Wo sterben besonders viele Arten aus? Wie lässt sich die Natur als Ideengeber für technische Projekte nutzen? Solchen Fragen widmete sich in den vergangenen zwölf Jahren das Langzeitvorhaben „Biodiversität im Wandel“ an der Universität Bonn, das von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz gefördert wurde. Bei einem öffentlichen Abschlusskolloquium am Freitag, 19. Juni, von 14 bis 18.30 Uhr im Hörsaal Geographie, Meckenheimer Allee 166, werden die Ergebnisse präsentiert.

Unser Planet besticht durch seine ungeheure Artenvielfalt. Von geschätzt etwa zehn Millionen Pflanzen- und Tierarten sind nur rund 1,8 Millionen wissenschaftlich erfasst. „Sie sind die Grundlage unserer Existenz, weil sie das Erdklima stabilisieren und uns Nahrung und Atemluft verschaffen“, sagt Prof. em. Wilhelm Barthlott, ehemaliger Direktor der Botanischen Gärten und Gründungsdirektor des Nees-Instituts für Biodiversität der Pflanzen der Universität Bonn. „Vieles deutet darauf hin, dass wir vor einer Aussterbekatastrophe erdgeschichtlichen Ausmaßes stehen.“


Der unscheinbare kleine Schwimmfarn Salvinia zeigt unter der Lupe sein Geheimnis: Schneebesenartige Haare, die eine Luftschicht halten und den Wassertropfen gewissermaßen festkleben.

© Foto: Wilhelm Barthlott/Uni Bonn


Madagaskar: Aepyornis maximus hat nicht überlebt: Der Vogel ist erst vor ein paar Jahrhunderten ausgestorben - seine beinahe intakten Eier werden noch gelegentlich gefunden.

© Foto: Wilhelm Barthlott/Uni Bonn

Die Arbeitsgruppe von Prof. Barthlott hat sich seit Jahren mit der Erfassung der sich dramatisch verarmenden Diversität, ihrer globalen Verteilung, aber auch ihrer technischen Anwendung befasst. In dem gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz von 2001 bis 2014 in Bonn erfolgreich durchgeführten Langzeitvorhaben „Biodiversität im Wandel“ wurden verschiedene Fragenkomplexe untersucht. Die Erstellung einer Weltkarte der Biodiversität war ein zentrales Anliegen. Darauf basierend berechneten die Wissenschaftler Szenarien, wie sich die Biodiversität mit dem beginnenden Klimawandel verändert.

Isolation führt zur Artentwicklung

Eine wichtige Rolle für die Biodiversität spielen Inseln: Sie umfassen nur fünf Prozent der Landfläche, beherbergen aber allein etwa 25 Prozent aller Pflanzenarten. Als weitere Schwerpunkte in dem Akademieprojekt untersuchten die Wissenschaftler zum Beispiel „Inselberge“ in den Regenwäldern, die wie Eilande weitgehend abgeschottet von der Umgebung eine ganz eigene Artenentwicklung durchlaufen. Dazu zählt beispielweise der Zuckerhut von Rio de Janeiro, der Kugelkakteen beherbergt.

Darüber hinaus dient die Natur dem Menschen als Ideengeber: Dazu zählt zum Beispiel die Selbstreinigungsfähigkeit von Lotusblättern, deren Grundlagen von Prof. Barthlott beschrieben wurden. Inzwischen gibt es zahlreiche auf diesen Lotuseffekt basierende Anwendungen – von der Fassadenfarbe bis zu Gläsern. Auch dient der unscheinbare Schwimmfarn Salvinia, der permanent eine dicke Luftschicht unter Wasser hält, als Vorbild für treibstoffsparende Schiffsbeschichtungen.

Rund 480 Publikationen in zwölf Jahren

Viele weitere Ergebnisse aus dem Vorhaben wurden in den rund 480 Publikationen – darunter 25 Bücher – veröffentlicht. Zu den publizierten Entdeckungen zählen zum Beispiel fleischfressende Pflanzen, die sich auf Einzeller aus dem Boden als Beute spezialisiert haben. Oder dass sich die drei Meter hohe Blütensäule der Titanenwurz in der Nacht rhythmisch alle halbe Stunde auf 40 Grad Celsius aufheizt und ihren Aasgeruch verströmt, um Bestäuber in den Regenwäldern von Sumatra anzulocken. „Im Verlauf des Projektes wurden hunderte neue Pflanzenarten entdeckt, sogar Gattungen und eine Familie“, berichtet Prof. Barthlott. Dazu zählen auch vier neue Drachenbaumarten aus dem tropischen Afrika.

Öffentliche Abschlussveranstaltung

Über diese Ergebnisse wird im Rahmen des Abschluss-Kolloquiums am Freitag, 19. Juni 2015, von 14 bis 18.30 Uhr berichtet. Die öffentliche Veranstaltung findet im Hörsaal des Geographischen Institutes der Universität Bonn, Meckenheimer Allee 166, statt. Nach den Grußworten des Rektors der Universität Bonn, Prof. Dr. Michael Hoch, und des Präsidenten der Akademie der Wissenschaften der Literatur Mainz, Prof. Dr. Gernot Wilhelm, folgen fünf Vorträge, die allgemeinverständlich das Themenfeld Biodiversität im Wandel behandeln. Der Eintritt ist kostenlos.

Kontakt für die Medien:

Prof. em. Wilhelm Barthlott
Universität Bonn
Tel. 0228/732271
E-Mail: barthlott@uni-bonn.de

Weitere Informationen:

http://www.adwmainz.de Informationen zur Akademie
http://www.lotus-salvinia.de Informationen zum Projekt

Johannes Seiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Plastik stimuliert Bakterien im Meer
17.04.2018 | Universität Wien

nachricht Wälder beeinflussen den globalen Quecksilber-Kreislauf maßgeblich
13.04.2018 | Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics