Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Artenschutz am Flughafen

18.06.2009
Bedrohte Tiere und Pflanzen als Souvenirs

Heute findet im Bereich der Abflugebene Terminal B des Flughafen Düsseldorf eine gemeinsame Informationsveranstaltung zum Thema "Artenschutz und Einfuhrkontrolle" des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und des Zoll vom Flughafen Düsseldorf statt.

Im Hinblick auf die in wenigen Tagen beginnende Haupturlaubs- und damit auch Hauptreisezeit in Deutschland, informieren BfN und Zoll über die Bestimmungen des internationalen Artenschutzrechts, mit einem besonderen Augenmerk auf Urlaubssouvenirs. "Viele Menschen werden die `kostbarsten Wochen des Jahres` nutzen, um zu verreisen und sich zu erholen. Zur Erinnerung an einen schönen Urlaub bringen die meisten Reisenden Souvenirs mit nach Hause. Leider handelt es sich bei diesen Souvenirs häufig um Produkte oder Gegenstände, die aus geschützten Tieren oder Pflanzen hergestellt wurden.", sagt Frau Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des BfN, im Vorfeld der Veranstaltung.

Jedes Jahr werden vom Zoll in Deutschland große Mengen dieser "Reisemitbringsel" gefunden und beschlagnahmt. Laut dem 2-Jahresbericht zur Umsetzung des Washingtoner Artenschutzüberein-kommens wurden in den Jahren 2007 und 2008 jeweils über 1000 Fälle registriert. Insgesamt konnten 2007 mehr als 17.000 und 2008 mehr als 21.000 Exponate aus geschützten Tieren oder Pflanzen durch die deutsche Zollverwaltung sichergestellt werden.

Weltweit sind etwa 8.000 Tier- und 40.000 Pflanzenarten gefährdet oder unmittelbar vom Ausster-ben bedroht. Ein Grund hierfür ist auch der starke Zuwachs im Ferntourismus.

Immer wieder muss der Zoll in Deutschland Reisemitbringsel wie beispielsweise Korallen, Riesenmuscheln, Orchideen, Elfenbeinschnitzereien oder Lederwaren aus Schlangenleder beschlagnahmen, weil die Bestimmungen des internationalen Artenschutzrechts nicht beachtet wurden. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle nicht um Vorsatz der Urlauber, sondern schlichtweg um Unkenntnis, Dummheit oder Ignoranz. "Unwissenheit schützt jedoch nicht vor Strafe, das hat auch die geltende Rechtsprechung immer wieder festgehalten. Unser Anliegen ist es daher, im Vorfeld von Urlaubsreisen aufzuklären, damit ein schöner Urlaub nicht in eine unangenehme Überraschung, etwa in Form einer saftigen Geldstrafe für unerlaubte Mitbringsel, mündet", so BfN-Präsidentin Jessel.

Hinweis
Den 2-Jahresbericht über die Umsetzung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens finden Sie aktuell auf der Internetseite des BfN www.bfn.de
Hintergrundinformationen
Der Trend zu Fernreisen hält seit Jahren ungebrochen an. Die Welttourismusorganisation erwartet ein jährliches Wachstum bei den internationalen Reisen von durchschnittlich 4,1% bis zum Jahr 2020. Die größten Steigerungsraten werden dabei für Ziele in Afrika, Asien und im pazifischen Raum erwartet. In diesen Regionen existiert weltweit die höchste Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, darunter auch eine große Menge an Arten, die den internationalen Artenschutzbe-stimmungen unterliegen.

Seit vielen Jahren wird diskutiert wie der weltweite Artenschwund gestoppt werden kann. Es ist unstrittig, dass mehrere Faktoren für diesen Artenschwund verantwortlich sind. Neben dem vom Menschen ausgelösten Verlust an Lebensräumen für Tiere und Pflanzen hat auch der weltweite Handel mit geschützten Arten erheblich dazu beigetragen. Dies hat die internationale Staatenge-meinschaft bereits vor mehr als 35 Jahren in den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts erkannt und das Washingtoner Artenschutzübereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten wildlebenden Tier- und Pflanzenarten, kurz CITES beschlossen, das in Deutschland am 20.6.1976 in Kraft trat.

Das Übereinkommen regelt den grenzüberschreitenden Transport von geschützten Tieren und Pflanzen sowie aus ihnen gewonnenen Teilen und Erzeugnissen, unabhängig davon, ob dieser Transport zu kommerziellen Zwecken oder zu rein privaten Zwecken erfolgt. Neben einem kontrollierten legalen Handel findet leider auch ein sehr umfangreicher illegaler Handel statt. Mit vielen geschützten Arten ist offensichtlich auf dem illegalen Markt noch viel Geld zu verdienen.

Die Touristen stellen eine der drei Tätergruppen dar, die für den nicht legalen Handel mit geschützten Tieren und Pflanzen eine Rolle spielen. Touristen bringen geschützte Exemplare wissentlich oder aus Unkenntnis, Dummheit oder Ignoranz als Andenken aus dem Urlaub mit. Dabei haben sie meist nur wenige Exemplare in ihrem Gepäck dabei.

Der Sammler ist bestrebt, seine Sammlung an geschützten Exemplaren möglichst zu vervollstän-digen und bringt daher viele verschiedene Tiere oder Pflanzen einer ganz bestimmten Gruppe mit. Besonderes Interesse finden hier z.B. Kakteen aus Mexiko oder Orchideen aus Südostasien. Die Aktivitäten des Sammlers werden seltener von kommerziellen Interessen begleitet.

Der echte Schmuggler handelt aus rein kommerziellem Interesse mit geschützten Tieren und Pflanzen. Er versucht, mit großen Stückzahlen einen entsprechenden Gewinn zu machen und nimmt dabei auch Verluste in Kauf.

Es ist schwer zu bewerten, welche der drei Tätergruppen den größeren negativen Einfluss auf die Tier- und Pflanzenwelt hat. Sicherlich ist der Schaden, den ein "echter" Schmuggler mit vielen Exemplaren anrichtet, größer als der Schaden, den der einzelne Tourist anrichtet, der einige wenige Exemplare mitbringt. Aber hier gilt der alte Spruch, dass "Kleinvieh auch Mist macht".

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass in Deutschland bei ca. 80 % - 85 % der Aufgriffe mit geschützten Exemplaren Touristen die Beteiligten sind, lassen sich die negativen Auswirkungen solcher Touristenmitbringsel auf den Bestand der Tier- und Pflanzenwelt abschätzen.

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer
20.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

nachricht Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger
20.10.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Antibiotikaresistenzen: Ein multiresistenter Escherichia coli-Stamm auf dem Vormarsch

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sturmfeder bekämpft Orkanschäden

23.10.2017 | Maschinenbau

Vorstellung eines neuen Zellkultursystems für die Analyse von OPC-Zellen im Zebrafisch

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie