Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Angekündigte CO2-Reduktionen sind ein wichtiger Schritt – aber erreichen nicht das Zwei-Grad-Ziel

16.12.2014

Die von China, Europa und den USA angekündigte Verringerung von Treibhausgas-Emissionen sind ein wichtiger Schritt, aber zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal zwei Grad sind umfassendere Anstrengungen nötig. Internationale Klimafinanzierung könnte Investitionslücken beim weltweiten Klimaschutz schließen und für einen Lastenausgleich sorgen, wie eine neue Studie zeigt. Die Analyse untersucht einige der zentralen Verhandlungspunkte auf dem Weg vom Klimagipfel in Lima zu dem in Paris 2015.

Die Forscher haben damit eine der bisher umfassendsten Abschätzungen vorgelegt zu Mengen und Zeitabläufen von Treibhausgasemissionen, welche die großen Wirtschaftsmächte in verschiedenen Szenarien noch ausstoßen könnten. Zu diesen Szenarien zählen solche ohne Klimapolitik, solche auf Basis der derzeit von den Staaten angekündigten CO2-Reduktionen, und solche mit Klimaschutz entsprechend dem Zwei-Grad-Ziel.

„Die bislang gemachten Ankündigungen der Staaten führen dazu, dass die Trendwende bei den Emissionen in vielen Ländern früher erreicht wird, und das verringert die künftige Erwärmung um 1 bis 1,5 Grad Celsius gegenüber dem Fall einer ungebremsten Erwärmung“, erklärt Massimo Tavoni von der Fondazione Eni Enrico Mattei (FEEM) und der Politecnico di Milano, der die jetzt in Nature Climate Change veröffentlichte Arbeit koordiniert hat. „China würde gemäß seinen Ankündigungen seine gesamten, aufsummierten Emissionen halbieren. Aber sie würden zusammen mit den Emissionen anderer Länder Asiens das gesamte verfügbare Budget von tausend Gigatonnen CO2 überschreiten, das überhaupt noch ausgestoßen werden darf, wenn wir das Zwei-Grad-Ziel einhalten wollen.“

„Emissionenreduktionen zu begrenzten Kosten werden einen substantiellen Beitrag der Entwicklungsländer erfordern. Dies könnte zu einer ungleichen Verteilung der Kosten führen. Ausgleichsmaßnahmen könnten dieses Problem lösen helfen“, sagt Tavoni. Finanzhilfen in Höhe von 100 bis 150 Milliarden Dollar pro Jahr bis 2030 könnten die volle Nutzung der kostengünstigsten Reduktionspotentiale sicherstellen und die gesamten Investitionskosten für CO2-freie Technologien in den Entwicklungsländern abdecken. Einnahmen aus Instrumenten wie etwa CO2-Steuern könnten ebenfalls die Investitionslücken bei sauberer Energie decken.

Die Studie wurde von einem Wissenschaftler-Team aus sechs europäischen Forschungseinrichtungen durchgeführt, und basiert auf Ergebnissen sechs verschiedener Computermodelle. „Der fünfte Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC hat klar herausgestellt, welches Maß an weltweiten Anstrengungen zur Begrenzung der globalen Erwärmung nötig sind“, so Tavoni. „Aber es fehlte eine mengenmäßige Abschätzung, gestützt auf mehrere Simulationsmodelle, dafür, was Klimapolitik nach 2020 für die verschiedenen Regionen bedeuten kann. Eine solche Abschätzung bietet nun unsere Studie.“

Die Analyse nimmt direkten Bezug auf die derzeit laufenden internationalen Klimaverhandlungen und zeigt die Herausforderungen auf dem Weg von Lima nach Paris auf.

„In unseren 2-Grad-Szenarien kommt es bereits 2020 zu einer Trendwende bei den globalen Emissionen. Dagegen zeigen unsere Szenarien, in denen die derzeit von den Staaten diskutierten Emissionsreduktionen in die Zukunft projeziert werden, eine Absenkung des globalen Ausstoß von Treibhausgasen erst ab 2040 oder später“, sagt Elmar Kriegler, leitender Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Ko-Leiter der Studie. „Wenn man die CO2-Verringerung auf kostengünstige Weise umsetzen will, dann müsste ein Großteil in Schwellenländern wie China oder Indien geleistet werden. Es ist klar, was das bedeutet. Wenn ein künftiges Klima-Abkommen diese Möglichkeiten zur Emissionsreduktion ausschöpfen will, dann muss es wohl Mechanismen enthalten, die einen Ausgleich für die Anstrengungen in den Entwicklungsländern schaffen.“

Keywan Riahi, Leiter des Energieprogramms am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) und Ko-Leiter des Projekts erklärt: „Dies ist die erste Studie, die die regionale Potenziale und Anforderungen für den Klimaschutz untersucht, in einem sehr wirklichkeitsnahen Szenario, in dem die Länder der Welt den Übergang beginnen von einer gegenwärtig vereinzelten Klimapolitik hin zu weltweiter Zusammenarbeit. Deshalb bietet unsere Studie wichtige Informationen für regionale Emissionsziele in der Zeit nach 2020. Wir sehen hier, dass Lösungen, welche die Kosten über die Regionen hinweg ausbalancieren, den Schwellenländern mehr Emissionsrechte zubilligen. Aber sogar in diesen Szenarien würden Länder wie China ihren Emissionsanspruch bis 2050 halbieren müssen, um das Zwei-Grad-Ziel in Reichweite zu halten.“

Detlef van Vuuren, leitender Wissenschaftler am Niederländischen Umweltamt, PBL, und Ko-Leiter des Projekts, betont die Bedeutung der Studie für die internationalen Verhandlungen. „Unsere Szenarien zeigen die Wichtigkeit einer baldigen Trendwende in den globalen Emissionen, um später allzu beschleunigte und teure Emissionsreduktionen vermeiden zu können. Darüberhinaus zeigen sie klar, wie verschiedene Sektoren zur Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes beitragen können. Eine solche Verringerung bedarf einer Veränderung der Energieversorgung und einer Senkung des Energiebedarfs – aber ebenso einiger Veränderungen in der Landwirtschaft, um auch die Emissionen aus der Entwaldung und den Ausstoß anderer Treibhausgase wie Methan zu reduzieren."

Forscher der folgenden Institutionen haben zu der Studie beigetragen: Fondazione Eni Enrico Mattei (FEEM), Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK), International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), Utrecht University, London School of Economics and Political Science (LSE), Northwest National Laboratory/Joint Global Change Research Institute (PNNL/JGCRI), Energy Research Centre of the Netherlands (ECN)

***ACHTUNG SPERRFRIST bis 15. Dezember 2014, 17:00 Uhr deutscher Zeit / 11:00 US Eastern Time***

Artikel: Massimo Tavoni, Elmar Kriegler, Keywan Riahi, Detlef P. van Vuuren, Tino Aboumahboub, Alex Bowen, Katherine Calvin, Emanuele Campiglio, Tom Kober, Jessica Jewell, Gunnar Luderer, Giacomo Marangoni, David McCollum, Mariësse van Sluisveld, Anne Zimmer, Bob van der Zwaan (2014): Post-2020 climate agreements in the major economies assessed in the light of global models. Nature Climate Change (online) [DOI: 10.1038/NCLIMATE2475]

Videos und Policy brief: Das Begleitmaterial wird hier veröffentlicht, http://www.feem.it/getpage.aspx?id=7098. In der Zwischenzeit ist es auf Anfrage hier zugänglich: http://goo.gl/EZ8NUv

Kontakt für weitere Informationen:

FEEM, coordinator of the LIMITS project
Prof. Massimo Tavoni (currently at the Center for Advanced Studied in Behavioral Sciences, CASBS, Stanford University, USA, UTC -8.00)
Phone (cell): +16504850672,
Phone (office): +1650 736-0100
E-Mail: Massimo.tavoni@feem.it

PIK press office
Jonas Viering, Sarah Messina
Phone: +49 331 288 2507
E-Mail: press@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Climate

Keywan Riahi
IIASA Program Director Energy
Phone: +43(0) 2236 807 491
E-Mail: riahi@iiasa.ac.at

Detlef P. van Vuuren
Senior Researcher
Department of Climate, Air and Energy
Netherlands Environmental Assessment Agency
Phone: +31 (0)6-11956484
E-mail: detlef.vanvuuren@pbl.nl

Jonas Viering | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie