Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alarmstufe Rot im Mittelmeer

03.08.2010
Bedrohung des Artenreichtums stärker als in allen anderen Meeren

Die Tiere und Pflanzen im Mittelmeer sind stärker bedroht als in jedem anderen Meer der Welt. Davor warnen Wissenschaftler des "Census of Marine Life" in der Zeitschrift PloS ONE. Im bisher umfangreichsten Bericht über die derzeitige Artenvielfalt in allen Meeren der Welt listen sie die Bedrohungen der Natur und ihre jeweilige Bedeutung auf. "Stärker als alle anderen Meere leidet das Mittelmeer an Lebensraumverlust, Überfischung, Umweltverschmutzung und invasiven Arten", erklärt Ron O'Dor, US-Koordinator des Census, im pressetext-Interview.

Zielort für Fremdlinge

Noch gehört das Mittelmeer zu den Paradiesen des Planeten, was die Artenvielfalt betrifft. 16.845 verschiedene endemische Lebewesen sind hier bisher erforscht, vom Einzeller bis zu Schildkröten und Blauflossen-Tunfisch. Mehr gibt es nur in den Meeren Australiens, Japans und Chinas (pressetext berichtete: http://www.pressetext.de/news/100803004/). Die Forscher schätzen allerdings, dass 75 Prozent der Tiefseearten des größten geschlossenen Meeres noch immer unbekannt sind. "Viele Lebewesen dürften verschwinden noch bevor sie entdeckt werden", so O'Dor.

Düster bewerten die Experten die derzeitige Situation, da das Mittelmeer von vielen Problemen zugleich bedrängt wird. Akut ist etwa die Gefahr der Eindringlinge, die einheimischen Tieren und Pflanzen den Lebensraum nehmen. "637 Arten oder vier Prozent aller Lebewesen im Mittelmeer sind Invasoren. Das ist mehr als dreimal soviel als im europäischen Atlantik, in dem es die zweitmeisten invasiven Arten gibt", betont der Experte. Besonders Mollusken, Krustentiere und Fische kommen mit Tankern etwa über den Suez-Kanal und bringen bestehende Ökosysteme aus dem Gleichgewicht.

Fischerei längst nicht mehr nachhaltig

In der Umweltverschmutzung nimmt das Mittelmeer innerhalb der 25 untersuchten Meere Platz drei hinter dem Chinesischen Meer und dem Golf von Mexiko ein. Dazu hat etwa die dichte Besiedlung der Anrainerküsten geführt sowie die 200 Mio. Touristen, die pro Jahr ans Mittelmeer kommen. Pestizide der Landwirtschaft und industrielle Chemieabfälle sind ein weiteres Problem. Sie schädigen die Wasserqualität, zerstören Ökosysteme wie Seegraswiesen und Korallenriffe und führen in manchen Regionen wie etwa der Adria zu Sauerstoffmangel sowie zur giftigen Algenblüte.

Die schlechteste Bewertung geben die Forscher dem Mittelmeer jedoch auch für die Überfischung. Das prominenteste Beispiel dafür ist der atlantische Blauflossentun, der im Mittelmeer laicht (pressetext berichtete: http://www.pressetext.com/news/091029033/ ). Nachdem dieser Räuber in Europa beinahe ausgerottet ist, breiten sich andere Tiere wie etwa Quallen explosionsartig aus und schädigen damit bestehende Nahrungsketten oder auch den Tourismus.

Artenschutz noch ernster nehmen

"Das Mittelmeer braucht mehr als alle anderen Meere drastische Maßnahmen des Artenschutzes, um nicht in Zukunft einen Großteil seiner Lebewesen zu verlieren", warnt der US-Forscher. Denn mit dem Klimawandel sind steigende Wassertemperaturen und Versauerung des Wassers bereits vorprogrammiert. Tiere und Pflanzen, die kalte und tiefe Wasserschichten bevorzugen, hindert die natürliche Begrenzung des Mittelmeers, weiter nach Norden auszuweichen. "Das kann tödlich enden", so O'Dor.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.coml.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Sauerstoffkrisen in der Adria sind nicht nur vom Menschen verursacht
28.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

29.03.2017 | Physik Astronomie