Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Agrarstrukturwandel als Herausforderung für eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft

08.01.2010
Den Strukturwandel als Chance für den Erhalt der biologischen Vielfalt und Beitrag zum Klimaschutz nutzen

Kein Widerspruch: Ökonomie und Ökologie

Der Trend zur Intensivierung der Landbewirtschaftung und einer zunehmenden Spezialisierung der Betriebe verläuft weiter ungebrochen. Wie lässt sich diese Entwicklung mit Hilfe einer zielgerichteten Agrar-Förderpolitik und mit Marktanreizinstrumenten ökologisch nachhaltig gestalteten, ohne mit der Ökonomie im Widerspruch zu stehen?

Diese Frage diskutiert die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Beate Jessel, heute anlässlich des Hohebucher Agrargespräches zu Agrarpolitik und Agrarstrukturwandel gemeinsam mit Fachleuten des Deutschen Bauernver-bandes, des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMELV) und der TU München-Weihenstephan.

Die derzeitige Agrar-Politik und die Förderung von Erneuerbaren Energien, verstärkt den Trend zur Intensivierung in der Landwirtschaft. Eine Folge ist, dass die Umwandlung von Grünland zu Acker begünstigt wird, mit negativen Folgen für Artenvielfalt und Bodenfruchtbarkeit. Außerdem trägt Grünlandumbruch in erheblichem Maß zur Freisetzung von Treibhausgasen und damit zum Klimawandel bei. Alarmierend ist auch, dass mittlerweile die meisten Vögel der offenen Agrarlandschaft als gefährdet eingestuft werden und auf der Roten Liste stehen. Diese Entwicklungen stehen den nationalen und internationalen Zielen zum Erhalt der Biodiversität, zum Klima- und Boden- und Gewässerschutz entgegen.

Daher müssen Maßnahmen ergriffen und vorhandene Instrumente gestärkt werden, die den negativen ökologischen Folgen des Agrarstrukturwandels entgegenwirken. "Wir müssen uns im Rahmen der Weiterentwicklung der EU-Agrarpolitik weg bewegen von der bisherigen weitgehend undifferenziert an der Fläche ansetzenden Subventionierung der Landwirtschaft. Vielmehr geht es darum, gezielt ökologische Leistungen, die eine nachhaltig und naturgerecht betriebene Landbewirtschaftung für die Gesellschaft erbringt, zu honorieren bzw. dafür entsprechende Anreizsysteme zu implementieren. Die Agrarförderung sollte sich dabei vorrangig an den Zielen des Natur-, Klima- und Gewässerschutzes orientieren", forderte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. "Dabei ist zu berücksichtigen, dass die verschiedenen Förderpolitiken stärker aufeinander abgestimmt werden müssen, um umweltschädliche Subventionen zu vermeiden und Synergieeffekte zu erzielen."

Das BfN fordert von der Agrarpolitik insbesondere die verpflichtende Bereitstellung von ökologischen Vorrangflächen als wichtige Rückzugsräume für Flora und Fauna in agrarisch genutzten Landschaften, die Einrichtung von Pufferzonen entlang von Gewässern sowie konkretere Regelungen für eine flächengebundene Tierhaltung, die Düngung und den Pflanzenschutz. Für dringend notwendig gehalten wird zudem eine effektivere Regelung zum Erhalt von ökologisch wertvollem Dauergrünland.

Prof. Beate Jessel setzte sich darüber hinaus für den Aufbau ökologischer Märkte ein, der durch geeignete Rahmenbedingungen und Anreize unterstützt werden sollte. "Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ein Beispiel, wie mit der Einführung des Landschaftspflegebonus ein erster Anreiz für eine sinnvolle energetische Verwertung von Landschaftspflegematerial gesetzt worden ist.", so die BfN-Präsidentin.

Auch das Potenzial des Konsumenten für eine Ökologisierung der Landwirtschaft ist längst noch nicht ausgeschöpft. Regionale Produkte - häufig verbunden mit Zusatzkriterien für die Erhaltung einer artenreichen Kulturlandschaft - sind seit Jahren auf dem Wachstumspfad. Auch große Discounter steigen zunehmend in den Markt für Biodiversität ein. Darüber hinaus existiert seit einigen Jahren im Bereich des Trinkwasserschutzes schon ein etabliertes System der Honorierung von Ökosystemdienstleistungen mit dem Ziel, die Trinkwasserressourcen vor Einträgen aus der landwirtschaftlichen Bodennutzung zu schützen. "Nur mit staatlicher Unterstützung und Koordinierung können sich solche ökologischen Märkte weiter herausbilden und zunehmend etablieren" sagte Professor Beate Jessel.

Ökonomie und Ökologie stehen somit nicht im Widerspruch. Im Gegenteil: gesicherte Einkommen für Landwirte aus der Honorierung und In-Wertsetzung ökologischer Leistungen mindern den Wettbewerbsdruck, schaffen größere Unabhängigkeit vom Weltmarkt, erhalten Arbeitsplätze und sichern den Erhalt der Landwirtschaft auf Marginalstandorten, wo dies im Sinne des Naturschutzes erwünscht ist.. Dies trägt zu einem nachhaltigen Strukturwandel bei. Wenn die oben genannten Instrumente zielgerichtet ausgebaut werden, besteht die Chance, die Multifunktionalität der Landwirtschaft zu stärken und die Sicherung wichtiger Ökosystemleistungen zu gewährleisten.

Hinweis:
Die UNO hat 2010 zum Internationalen Jahr der Biodiversität erklärt. Damit bieten sich allen Akteuren in Bund, Ländern, Gemeinden, Wirtschaft, NGOs, Wissenschaft und anderen Interessierten die Gelegenheit, während einer Phase erhöhter Aufmerksamkeit mit den Stakeholdern in einen Dialog über Biodiversität zu treten.

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.kalender.biologischevielfalt.de
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie