Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aerosole tragen zur Erwärmung der Arktis bei

09.04.2009
NASA-Forscher: Schadstoffpartikel und Treibhausgase als Verursacher

Obwohl Treibhausgase im Zentrum der Diskussion über globale Erwärmung stehen, kommt eine aktuelle Studie der NASA zur Auffassung, dass ein Gemisch aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen und Luft - so genannte Aerosole - seit 1976 viel zur Erwärmung über der Arktis beigetragen haben.

Die feinen Aerosol-Partikel, die einerseits bei Verbrennungsvorgängen, andererseits aber auch durch Vulkanausbrüche, Staubstürme und Ozean-Plankton entstehen, wurden lange Zeit als kühlend für die Erdoberfläche beschrieben.

Studienleiter Drew Shindell vom NASA Goddard Institute for Space Studies in New York hat ein gekoppeltes Ozean-Atmosphären-Modell verwendet, um zu untersuchen, wie sensitiv verschiedene regionale Klimate auf Veränderungen von CO2, Ozon und Aerosole reagieren. Besonders betroffen sind Regionen in mittleren und hohen geographischen Breiten. Im Modell kommt der Forscher sogar zum Schluss, dass die Aerosole für 45 Prozent oder mehr für die Erwärmung der Arktis in den vergangenen drei Dekaden verantwortlich sind, berichtet der Wissenschaftler im Fachmagazin Nature Geoscience. Insbesondere zwei Aerosoltypen spielen im globalen Klimageschehen eine wesentliche Rolle Sulfate und Ruß - beides Produkte menschlicher Aktivitäten.

"Tatsächlich verursacht Feinststaub die globale Klimakatastrophe mit", meint der Schadstoffexperte und Umweltphysiker Gerhard Fleischhacker im pressetext-Interview. "Das CO2 kann schlechthin nicht als Klimakiller bezeichnet werden, sondern nur als Indikator bzw. als Leitparameter der verschiedenen Verbrennungsprozesse." Das CO2 könne demnach nur als Nachweis für die diversen Verbrennungsprozesse dienen und bringe zum Ausdruck, dass nachweislich erhebliche Mengen an Schadgasen und Feinststaub in die freie Atmosphäre ausgetragen werden, wodurch das Klima nachhaltig beeinflusst werde. "Die Ein- oder auch die Abstrahlung der Sonne auf die Erdoberfläche wird vorwiegend durch den Einfluss der Aerosole behindert", so der Experte. Ein wirksamer Klimaschutz sei daher nur durch Maßnahmen zur Feinstaub- oder Aerosolreduktion erreichbar. "Denn damit wird die Erderwärmung beeinflussbar", kommt Fleischhacker zum Schluss.

Die Sulfate stammen von den Verbrennungsvorgängen von Kohle und Öl. Sie streuen die in die Atmosphäre eindringenden Sonnenstrahlen und sorgen daher für Abkühlung. Durch zahlreiche gesetzliche Verordnungen in den USA und in Europa konnten die Sulfat-Emissionen in den vergangenen 30 Jahren um 50 Prozent verringert werden. Im selben Zeitraum ist die Rußmenge permanent und kontinuierlich gestiegen. Ruß entsteht bei Verbrennungsvorgängen in Industrie und Verkehr und absorbiert die eingehende Sonnenstrahlung. Dadurch trägt Ruß zur Erwärmung bei.

In der Arktis konnten die Forscher in den vergangenen 30 Jahren die weltweit höchsten Temperaturanstiege - insgesamt 1,5 Grad Celsius - feststellen. "Auf der Nordhalbkugel und der Arktis ist ein starker Temperaturanstieg zu verzeichnen, der nicht zuletzt durch die vermehrten Aktivitäten der Industriestaaten im Bereich der nördlichen Hemisphäre und die dadurch bedingten Schadstoffemissionen aus den Verbrennungsprozessen verursacht wird", meint Fleischhacker. Zum gleichen Schluss kommen auch die NASA-Forscher. Da im südlichen Bereich des Äquators wesentlich geringere industrielle Aktivitäten stattfinden - hier fehlen auch die großen Ballungszentren - fällt die Klimaerwärmung am Südpol weitaus geringer aus. Hier stieg die Temperatur in den vergangenen 30 Jahren um 0,35 Grad Celsius.

"Wir dachten zuerst, dass Aerosole nur einen geringen Anteil an der Klimaerwärmung haben. Das mussten wir allerdings revidieren", meint Shindell. Aerosole sind relativ kurzlebig und bleiben nur für wenige Tage oder Wochen in der Atmosphäre, während Treibhausgase hunderte Jahre dort verbleiben können. Experten gehen davon aus, dass wirksamer Klimaschutz möglicherweise besser durch die Verminderung der Aerosole erreicht werden könnte.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.giss.nasa.gov

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie