Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Abseits von Olympia leidet China unter Wassermangel

20.08.2008
Wirtschaftsboom, wachsende Städte, Olympische Spiele: Die Volksrepublik China steht derzeit voll im Fokus der Weltöffentlichkeit. Doch im Glanz sportlicher Wettkämpfe oder glitzernder Megacitys bleiben viele Probleme unbeachtet.

"Es gibt tatsächlich so etwas wie das vergessene China", beklagt Sinologe Prof. Dr. Rainer von Franz von der Universität Leipzig. Als Beispiel für die zum Teil hausgemachten Schwierigkeiten nennt der Wissenschaftler die Versorgung der Bevölkerung im Norden des Riesenreichs mit Wasser. Auch wenn dies nicht neu sei, verschärfe sich die Situation zusehends. Aber nicht nur dadurch gerate die chinesische Landbevölkerung zunehmend unter Druck.

"Nordchina hat schon immer unter Wassermangel gelitten", erklärt von Franz. So auch die Hauptstadt Peking. Und trotzdem wurden dort große Grünanlagen angelegt, die bewässert werden müssen, vom Wasserverbrauch der stetig wachsenden Bevölkerung einmal ganz abgesehen. "Wie kann die Stadt diesen Wasserbedarf decken?", fragt der Professor und antwortet sogleich selbst: "Ich vermute, dass wieder einmal die Landbevölkerung darunter leidet." Denn darin gibt es eine traurige Tradition: So werde am Ober- und Mittellauf des Huangho, des Gelben Flusses, seit Jahren Wasser abgeschöpft, um der Industrie und der städtischen Bevölkerung zur Verfügung gestellt zu werden.

Seit den 1990er Jahren sei der Fluss immer stärker ausgetrocknet und erreiche in manchen Jahren nicht einmal mehr seine Mündung. "Und das hat für die Provinzen erhebliche Auswirkungen", unterstreicht von Franz.

Etwa für die Landwirtschaft. "Die chinesischen Bauern waren schon immer darauf angewiesen, Brunnen zu graben", erläutert der Wissenschaftler. Doch die Lage ist durch die Austrocknung der Flüsse immer schwieriger geworden. Mussten die Menschen auf dem Land früher etwa 20 Meter tief bohren, bis sie auf Wasser zu stießen, so sind es heute bereits über 100 Meter.

Dies hat zur Folge, dass die Bauern ihre Felder nur mit größter Mühe bewässern können und die Erträge gerade noch dazu ausreichen, sich selbst zu ernähren. "Die Bauern leben buchstäblich von der Hand in den Mund", so von Franz. Hinzu kommt das Problem, dass die Flüsse, so sie denn noch Wasser führen, eher Kloaken denn Wasserspender sind. "Die Wasserfrage ist meiner Meinung nach das größte Problem Nordchinas", unterstreicht der Professor.

Aber nicht nur die schwierige Versorgung mit Wasser macht den Menschen auf dem Lande zu schaffen, mindestens ebenso problematisch ist die Frage des Landbesitzes. "Die Bauern haben das Land ja nur gepachtet, Eigentum konnten und können sie am vergesellschafteten Land nicht erwerben", erklärt der Sinologe. Deshalb kann den Menschen der Boden, der sie ernährt, auch sehr einfach weggenommen werden. "Wenn ein Industriekomplex oder auch eine Ferienanlage gebaut werden sollen, müssen die Bauern ihr Land eben abgeben", berichtet von Franz. Damit werde den Menschen ihre Lebensgrundlage entzogen. Die Landwegnahme sei denn auch das häufigste Motiv für Proteste, die immer wieder auch blutig ausgetragen werden. "Davon bekommen wir hierzulande aber kaum etwas mit", untermauert der Chinakundler seine These vom "vergessenen China".

Die Volksrepublik steht nach seinen Worten schon längst nicht mehr als Beispiel für den Weg zum Kommunismus. "Die Vergesellschaftung des Landes ist das einzige Überbleibsel des Sozialismus", so Professor von Franz. Ansonsten herrsche in China reiner Kapitalismus mit einem Ein-Parteien-System. Die Kommunistische Partei und deren Führungseliten seien eng mit der Wirtschaft verflochten. Das hat fast absurd anmutende Folgen: Selbst wenn die Zentralregierung in Peking zum Beispiel Bestimmungen zum Umweltschutz erlässt, werden diese in den Provinzen einfach nicht umgesetzt. Die Parteisekretäre vor Ort sorgen dafür, dass die Unternehmen vor Kosten geschützt werden, die ansonsten auf sie zu kämen. So unterbleibe in der Regel der Bau von Kläranlagen und Appelle zum Wassersparen verhallen ungehört.

Weitere Informationen:
Moderne Sinologie
Prof. Dr. Rainer von Franz
Telefon: (0341) 97-37152
E-Mail: vfranz@rz.uni-leipzig.de
www.uni-leipzig.de/~ostasien

Tobias D. Höhn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ins Herz der Blaualgenblüte: IOW-Segelexpedition „BloomSail“ geht an den Start
22.05.2018 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Totes Holz für mehr Leben im See
18.05.2018 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kosmische Ravioli und Spätzle

22.05.2018 | Physik Astronomie

Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Markerfreies Verfahren zur Schnelldiagnose von Krebs

22.05.2018 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics