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Studenten stehen beim Alkoholkonsum offensichtlich mehr unter Gruppenzwang als bisher angenommen. Wenn die Studenten der Meinung sind, dass ihre Kommilitonen viel trinken, neigen sie dazu selbst noch mehr zu trinken.
Einer aktuellen Publikation zufolge trinken sie deutlich weniger, wenn ihnen im Rahmen eines Präventionsprogramms vermittelt wird, dass ihre Kollegen deutlich weniger Alkohol zu sich nehmen als sie zunächst angenommen hatten. Im Rahmen dieser Untersuchung für die Cochrane Collaboration wurden 22 Studien mit mehr als 7.200 Studenten von Universitäten und Colleges in den USA ausgewertet.
In der EU ist Alkoholkonsum ein ziemliches Problem, schreibt das US-Online-Medium Science Daily. "In Großbritannien etwa beginnen Jugendliche früher mit Alkohol und trinken mehr als je zuvor", so Co-Autor David Foxcroft von der Oxford Brookes University in England. Vor allem unter Kindern zwischen elf und 13 Jahren habe sich die Zahl derjenigen, die Alkohol konsumieren, in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt.
Nicht sehr überraschend sei daher die Erkenntnis, dass Studenten tendenziell dazu neigen, exzessiv zu trinken. Was die Forscher daher interessiert hatte, war die Frage, wie die soziale Norm eines "normalen Trinkverhaltens" aussieht. "Wenn ein Student glaubt, dass seine Kollegen viel trinken, hat das merklichen Einfluss auf das eigene Trinkverhalten", sagen die Cochrane-Forscher. Viele der Einflüsse der Kommilitonen basieren aber offensichtlich auf falschen Annahmen. Das haben die Untersuchungen deutlich gezeigt. Wenn es dabei zu "Korrekturen" kam, sank auch die Menge des Alkoholkonsums.
Für den Suchtexperten Alfred Uhl, Koordinator des Bereich Suchtpräventionsdokumentation im Anton Proksch Institut http://www.api.or.at/akis sind die Studienergebnisse einerseits nicht neu und andererseits inhaltlich relativ banal. Die hier angesprochene Präventionsmethode werde unter dem Begriff "Norm Setting" seit mehr als zwei Jahrzehnten, vor allem in den USA angewandt, so Uhl gegenüber pressetext. "Dass Menschen ihr Verhalten an das soziale Umfeld anpassen ist eine Binsenweisheit - ebenso wie die umgekehrte Erkenntnis, dass sich Einzelne bevorzugt Gruppen suchen, die ähnliche Einstellungen und Verhaltensweisen wie sie selbst zeigen." Die Fragen in welchem Umfang sich Personen mit "Problemverhaltensweisen" eher problematischen Cliquen zuwenden, in welchem Umfang ein problematischer Freundeskreis die Problemverhaltensweisen beim Individuum verstärkt, und wie man auf beide Prozesse präventiv sinnvoll einwirken kann, ist Gegenstand unzähliger Ausführungen zu Erziehung und Suchtprävention.
"Kinder und Jugendliche konsumieren heute früher in relevantem Ausmaß Alkohol als seinerzeit", so Uhl. Das stehe unter anderem in Zusammenhang mit der so genannten "Akzeleration". "Kinder kommen seit Jahrzehnten immer früher in die Pubertät, verhalten sich früher selbständig und übernehmen damit auch früher alle Verhaltensweisen der Erwachsenen. In einer Kultur, wo Alkohol fixer Bestandteil des kulturellen und sozialen Lebens ist, bedeutet das auch, dass sie früher erstere Erfahrungen mit Alkohol machen", meint der Experte. "Da gleichzeitig der pro-Kopf-Alkoholkonsum in Österreich seit Jahren kontinuierlich zurückgeht, sollte man aus der Vorverschiebung des Einstiegsalters nicht ableiten, dass im weiteren Lebenslauf mehr Probleme auftreten werden. Wie die heutige Jugend im Erwachsenenalter mit Alkohol umgeht, kann nur die Zukunft weisen."
"Die zunehmende Diskussion um Alkoholprobleme sollte auch nicht losgelöst von einem ideologischen Grundkonflikt zwischen der Einstellung zu Alkohol in Nordeuropa und den USA auf der einen Seite und in Zentral- und Mitteleuropa auf der anderen Seite gesehen werden", so Uhl weiter. Erstere Staaten versuchen Stimmung gegen Alkohol an sich zu machen, um den Boden für gravierende Steuererhöhungen und Einschränkungen der Alkoholbezugsmöglichkeiten zu bereiten, während zweitere auf den problematischen Alkoholkonsum fokussieren und den moderaten Alkoholkonsum neutral bis positiv bewerten. "Angesichts des Umstandes, dass in der EU die Möglichkeiten der Einzelstaaten die eigene Alkoholpolitik völlig unabhängig zu gestalten erheblich eingeschränkt sind, hat der Kampf zwischen diesen beiden alkoholpolitischen Positionen in den letzten Jahren auf der europäischen Ebene erheblich an Schärfe gewonnen", so der Experte abschließend im pressetext-Interview.
Wolfgang Weitlaner | Quelle: pressetext.austria
Weitere Informationen: www.brookes.ac.uk
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