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Willkürliche Attacken aus dem Hinterhalt und mysteriöse Angreifer sind die Markenzeichen von Rebellenkriegen wie sie derzeit in Afghanistan oder im Irak ausgefochten werden.
Viele Sozialforscher und auch Militärexperten sind der Meinung, dass diese Kriege ebenso wie konventionelle Bürgerkriege, nicht vorhersehbar sind ohne lokale Faktoren wie Geographie und Politik zu berücksichtigen. Nun haben Forscher ein mathematisches Modell entwickelt, das diesen Rebellenkriegen gemeinsame Muster zugrunde liegen, die Angriffe und sogar die Opferzahlen vorhersehbar machen.
"Wir haben entdeckt, dass die Art und Weise, wie Menschen diese Rebellenkriege führen - inklusive dem Zeitpunkt der Attacken und der Opferzahlen - universell ist", so Studienleiter Neil Johnson von der University of Miami http://www.miami.edu in Florida. "Das verändert die Denkweise wie wir glauben, dass Aufstände zustande kommen", schreibt der Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature. Das Hauptargument für ihre Annahmen finden die Forscher in der fehlenden Kohärenz einer Kommandozentrale.
Mediale Aufmerksamkeit als Auslöser
Da es an einer gemeinsamen zielgerichteten Kriegsführung mangelt und die Angreifer in verschiedenen Gruppen operieren, die sich zu Zellen zusammenschließen und bei Gefahr wieder lösen, sind gewisse Grundmuster erkennbar. Das Timing der Attacken hänge mit der Konkurrenz der Rebellengruppen um mediale Aufmerksamkeit zusammen.
Johnson, der einen Teil seiner Forschungsarbeit vorab dem US-Militär überlassen hat, glaubt damit, einen guten Einblick ins Herz des Rebellenverhaltens zu bekommen. "Wir bekommen einen Sinn dafür, was abgeht und vor allem, was passieren könnte, wenn wir in bestimmter Art intervenieren." Derzeit arbeitet der Forscher daran, vorherzusagen, wie die Rebellen in Afghanistan auf die Präsenz von ausländischen Truppen reagieren werden.
54.000 Angriffe in neun Kriegen analysiert
Insgesamt hat das Team 54.000 Angriffe in neun Rebellenkriegen unter die Lupe genommen. Darunter auch jenen im Irak zwischen 2003 und 2008 und in Sierra Leone zwischen 1994 und 2003. Das Team kommt zum Schluss, dass ein Rebellenkrieg einem ungefähren Kraftgesetz entspricht, in dem die Frequenz der Attacken mit zunehmender Attackengröße abnimmt. Das bedeutet, dass bei jedem der Rebellenkriege ein Angriff mit zehn Opfern um 316 mal wahrscheinlicher ist als einer mit 100 Opfern. Das Ergebnis bezeichnet Johnson als überraschend, da diese Kriege in verschiedenen Regionen unter verschiedenen Umständen stattgefunden haben.
Nicht bei allen Forscherkollegen stößt die Analyse auf Begeisterung. "Die Untersuchung hat zwar das Potenzial, das Wissen über Kriegsführung zu verbessern, allerdings gehen die Autoren zu weit, daraus ein universelles Gesetz zu machen", meint Lars-Erik Cederman Forscher am Internationalen Konfliktforschungsinstitut der ETH Zürich http://www.icr.ethz.ch gegenüber pressetext.
Cederman zeigt sich auch skeptisch hinsichtlich der nicht näher spezifizierten Datensätze, die in dieser Studie verwendet wurde. "Eine Vorhersehbarkeit im Sinne einer Risikoabschätzung scheint durchaus möglich. Allerdings ist diese aufgrund der Komplexität sehr schwierig."
Cederman ist Teil einer Forschergruppe, die Rebellenkriege ähnlich wie normale Kriege beurteilen. "Natürlich können Terroranschläge ein Wettstreit um mediale Aufmerksamkeit sein. Es bleibt aber unklar, ob Rebellenkriege das gleiche Motiv haben", so der Experte.
Wolfgang Weitlaner | Quelle: pressetext.deutschland
Weitere Informationen: www.miami.edu
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