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Spitalspatienten und Pflegeheim-Bewohner haben ein besonders hohes Risiko, zu wenig zu essen. Das verdeutlichen die Beiträge am Kongress der Europäischen Gesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel, der derzeit in Wien stattfindet.
Die am Kongress präsentierten Zahlen zeigen, dass Mangelernährung in der öffentlichen Diskussion zu Unrecht völlig unterschätzt wird. "In der EU sind zwischen fünf und 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, jedoch 40 Prozent der Spitalspatienten und 60 Prozent der Pflegeheimbewohner unterernährt oder auf dem Weg dorthin", resümiert Kongresspräsident Michael Hiesmayer von der Medizinischen Universität Wien die Ergebnisse. In absoluten Zahlen betreffe dies 30 Mio. Menschen, wobei die Folgekosten EU-weit 170 Mrd. Euro pro Jahr betragen würden. "Das ist das dreifache der Kosten für Adipositas".
In einer weltweiten Befragung von 72.000 erwachsenen Spitalspatienten zeigte sich, dass diese das servierte Essen oft aus Appetitlosigkeit nicht aufaßen. Eine Kompensation eines ausbleibenden Mittagessens durch zusätzliche künstliche Ernährung erhielt jedoch nur jeder Vierte. Bedenklich ist auch die Tatsache, dass 42 Prozent der Befragten schon vor der Spitalsaufnahme an Gewicht verloren hatten. "Bei der Aufnahme in Spitäler und Pflegeheime wären systematische Untersuchungen der Ernährung nötig. Falls notwendig, braucht es Interventionen durch geschulte Ernährungsteams und eine Überprüfung des Erfolgs", so Hiesmayer. Bei der jetzigen Handhabung in den Krankenhäusern nehme bestehende Mangelernährung im Schnitt um ein Siebtel zu.
Die Folgen der Mangelernährung im Spital sind weitreichend. Während Patienten mit ausreichender Ernährung eine durchschnittliche Sterblichkeit von unter zwei Prozent haben, steigt dieser Wert bei Menschen, die nichts essen, um das Fünffache. Wer zuwenig isst, liegt zudem fast doppelt so lange im Krankenhaus. Ähnlich alarmierend fiel die Befragung in Pflegeheimen aus. Jeder Dritte aß bei der Mittagsmahlzeit zuwenig, wobei ein deutlicher Zusammenhang zwischen Mangelernährung, Austrocknung, Gelenksversteifung und Druckgeschwüren festzustellen war. Jeder sechste Heimbewohner mit einem Body-Mass-Index von unter 20 nahm zuwenig Nahrung auf, bei jedem zehnten konnte ein ungewollter Gewichtsverlust festgestellt werden, der ebenfalls auf Mangelernährung zurückzuführen ist. "Hier ist auch die Gesundheitspolitik gefordert", so Hiesmayr. "Ernährungsscreenings müssen Routine werden, so wie das Messen der Körpertemperatur und des Blutdrucks."
Eine erste Trendwende in der Ernährung lässt sich bei Operationen erkennen. Die bisher übliche Empfehlung an Patienten, vor dem Eingriff zu fasten und sich nachher längere Zeit nur flüssig zu ernähren, betrachten die Ärzte immer mehr als kontraproduktiv für den Heilungsprozess.
"Neue Ansätze gehen davon aus, dass der natürliche Stoffwechsel und damit auch die Nahrungsaufnahme und Darmfunktionen möglichst aufrecht erhalten werden sollen", so Hiesmayr. Kohlehydratreiche Nahrung ersetze zunehmend das Fasten vor dem Eingriff, man vermeidet zu hohe Flüssigkeitszufuhr und versucht stärker als früher, auch nach der Operation auf die ausreichende Ernährung zu achten. Unter Einhaltung diese Empfehlungen könnten die meisten Patienten noch am Tag oder Folgetag der Operation wieder feste Nahrung zu sich nehmen, benötigten dadurch weniger Infusionen und könnten das Krankenbett früher verlassen.
Johannes Pernsteiner | Quelle: pressetext.austria
Weitere Informationen: www.espen.org/vienna
www.meduniwien.ac.at/htg
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