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Macht Arbeitslosigkeit Kinder krank?

06.12.2012
Wirtschaftswissenschaftler der Universität Mannheim untersuchen in einer neuen Studie, ob die Gesundheit von Kindern davon abhängt, ob ihre Eltern arbeitslos sind oder nicht

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Wenn Eltern ihren Job verlieren, kann das ganz unterschiedliche Folgen für Kinder und ihre Gesundheit haben. Eventuell kaufen die Eltern kein hochwertiges Essen mehr oder sie streichen für die Kinder die Mitgliedschaft im Sportverein, weil sie den Einkommensverlust irgendwie ausgleichen müssen.


Arbeitsplatzverlust kann auch psychosozialen Stress bei Eltern und Kind hervorrufen. Müssen Kinder arbeitsloser Eltern vielleicht sogar öfter zum Arzt? Und haben sie schlechtere Gesundheitswerte als Kinder berufstätiger Eltern? Bisher war es nicht möglich, genau zu sagen, ob und welche negativen Auswirkungen der Verlust des Arbeitsplatzes auf die Gesundheit von Kindern hat.

Die Mannheimer Wirtschaftswissenschaftler Professor Steffen Reinhold, Ph.D., und Professor Gerard van den Berg, Ph.D., haben einen Weg gefunden, einen kausalen Zusammenhang erstmals verlässlich herzustellen. Ihr Forschungsprojekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die kommenden drei Jahre gefördert.

Die Mannheimer Forscher werten für ihre Studie schwedische Registerdaten aus, die Auskunft beispielsweise über den sozioökonomischen Status und die Arbeitsmarkthistorie der Eltern sowie über die Gesundheit der Kinder geben. „Dank der sehr ausführlichen Daten können wir über einen Zeitraum von den 90ern bis heute nachverfolgen, wie oft und weshalb ein Kind beim Arzt war, ob es in einem Krankenhaus war und welches Geburtsgewicht es hatte“, sagt der Juniorprofessor für Empirische Ökonomik Steffen Reinhold. Der Versuch, Arbeitslosigkeit und Kindesgesundheit in einen Zusammenhang zu bringen, ist nicht neu. „Bisher war es allerdings nicht möglich, den kausalen Effekt verlässlich zu belegen. Schließlich könnte es auch sein, dass Eltern mit Gesundheitsproblemen eher arbeitslos und ihre Kinder genetisch bedingt dann ebenfalls weniger gesund sind“, erklärt der Ökonom.

Der neue Ansatz der Mannheimer Forscher umgeht dieses Problem. Für ihr Projekt untersuchen sie ausschließlich Mitarbeiter, die von einer Massenentlassung oder Betriebsschließung betroffen sind. „Bei einer Schließung sind alle Betriebsangehörigen gleichermaßen von Arbeitslosigkeit betroffen. Eine Korrelation mit individuellen Faktoren ist hierbei unwahrscheinlich“, erklärt Professor Reinhold. „Dies ermöglicht erstmals die Schätzung eines kausalen Effekts von Arbeitsplatzverlust für die betroffenen Kinder.“

Die Wissenschaftler der Universität Mannheim werden allerdings nicht individuell den Effekt für jedes betroffene Kind, sondern den Gesamteffekt berechnen. In einem zweiten Schritt wird es darum gehen, herauszufinden, woher dieser Gesamteffekt stammt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Studie ist die Untersuchung der Bildungschancen von Kindern arbeitsloser Eltern. „Wir untersuchen mehrere Bereiche, in denen Arbeitslosigkeit negative Folgen für Kinder haben kann, um so aufzuzeigen, auf welchen Ebenen besondere Defizite für die Kinder bestehen und wodurch diese entstehen“, sagt Professor Reinhold. Damit erhoffen sich die Wissenschaftler, einen wichtigen Beitrag zur aktuellen politischen Diskussion zu leisten, in der es darum geht, andere Mittel als Einkommenstransfers zur Unterstützung der Kinder von Langzeitarbeitslosen zu finden – wie beispielsweise Bildungsgutscheine oder den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen.

Ein Pressefoto finden Sie unter: http://ww.uni-mannheim.de/pressefotos

Kontakt:
Prof. Steffen Reinhold, Ph.D.
Juniorprofessur für Empirische Ökonomik
Universität Mannheim
Schloss
68131 Mannheim
Telefon: 0621 / 181- 3505
E-Mail: reinhold@uni-mannheim.de

Katja Bär | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-mannheim.de

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