Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Der Kokainsucht auf der Spur

14.08.2008
Rauschgift bewirkt molekulare Umbauprozesse an den Nervenkontaktstellen

Anzeige

Ein Forscherteam vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI-Mannheim) in Mannheim, dem Deutschen Krebsforschungszentrum DKFZ sowie der Universität Genf ist dem Rätsel der Kokain-Sucht näher auf die Spur gekommen.


Den Wissenschaftlern ist es gelungen, die so genannte "drogenvermittelte synaptische Plastizität" genetisch nachzuweisen. Über die Erkenntnisse, die zu neuen Behandlungen der Drogenabhängigkeit führen sollen, berichten sie in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Neuron.

Das typische Verhaltensmuster der Sucht ist die andauernde Suche nach dem Rauschgift oder ein Rückfall nach erneuter Drogengabe. In Bereichen des Zentralnervensystems, die den Botenstoff Dopamin produzieren, bewirkt das Rauschgift molekulare Umbauprozesse an den Synapsen, den Kontaktstellen zwischen zwei Nervenzellen. Als Reaktion auf die Droge werden in bestimmten Rezeptorkomplexen Protein-Untereinheiten ausgetauscht. "Dies nennt man drogenvermittelte synaptische Plastizität", so Studienautor Günther Schütz vom DKFZ im pressetext-Gespräch. "Es ist uns nun gelungen bei Mäusen selektiv in dopaminproduzierenden Nervenzellen genau diejenigen Eiweiß-Komponenten genetisch auszuschalten, die unter dem Einfluss von Kokain in die Rezeptor-Komplexe eingebaut werden."

Zunächst wurde bei den Tieren mithilfe von Tests das Suchtverhalten gemessen. "Auf den ersten Blick zeigten sowohl die Mutanten als auch Kontrolltiere das übliche Verhalten unter dem Einfluss der Droge", so der Forscher. Dazu gehörte etwa eine verstärkte Beweglichkeit. Zudem suchten sie bevorzugt solche Plätze auf, auf die sie durch regelmäßige Drogengaben konditioniert worden waren. Wenn die "normalen" Mäuse an den gewohnten Plätzen über einen längeren Zeitraum keine Drogen finden, klingt ihr Suchtverhalten langsam ab. "Bei den gentechnisch veränderten Tieren, deren Rezeptor-Untereinheit GluR1 ausgeschaltet war, traf dies jedoch nicht zu. Ihr Suchtverhalten dauerte weiter an."

Eine weitere interessante Entdeckung machten die Forscher bei den Mäusen, bei denen das NR1-Protein ausgeschaltet wurde. Während bei den Kontrolltieren das Suchtverhalten nach einer neuerlichen Kokain-Gabe wiederaufflackerte, erwiesen sich die genetisch veränderten Artgenossen als resistent gegenüber einem Rückfall in die Sucht. "Es ist faszinierend zu beobachten, wie einzelne Proteine suchttypische Verhaltensmuster bedingen können", meint Schütz. Es sei anzunehmen, dass auch bei anderen Substanzen ähnliche molekulare Veränderungen stattfinden.

"Darüber hinaus eröffnen unsere Ergebnisse völlig neue Perspektiven, um die Sucht zu behandeln: So könnte eine Blockade des NR1-Rezeptors vor einem Rückfall in die Abhängigkeit schützen. Eine selektive Aktivierung von GluR1 würde sogar dazu beitragen, die Sucht zu löschen", so Studienautor Rainer Spanagel vom ZI-Mannheim.

Wolfgang Weitlaner | Quelle: pressetext.deutschland
Weitere Informationen: www.zi-mannheim.de
www.dkfz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Alzheimer Demenz: früher erkennen, besser behandeln
08.02.2012 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

nachricht Wer ist besonders anfällig für Rückenschmerzen?
08.02.2012 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert


Wissenschaftler beobachten, wie Oxytocin zentrale Schaltstellen im Gehirn erreicht und das Verhalten beeinflusst

Kuschelhormon, Treuehormon, Angstlöser – häufig gebrauchte Schlagwörter für das Neuropeptid Oxytocin, das sich in den letzten Jahren als ein Stoff erwiesen hat, der unser Verhalten in zentralen Regionen des Gehirns positiv beeinflussen kann. Was jedoch bisher völlig unklar war: Wie gelangt dieser Botenstoff aus dem Hypothalamus in die Hirnbereiche, die ...

Im Focus: Datenspeicher mit Lachs-DNA und Nano-Silber


Ein neuartiger Biopolymer-Film aus Lachs-DNA mit Silber-Nanopartikeln speichert Informationen kostengünstig und umweltverträglich.

Entstanden ist das organische System in fächer- und länderübergreifender Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des DFG-Centers for Functional Nanostructures (CFN) am KIT und des Institute of Photonics Technologies an der National Tsing Hua University in Taiwan. Der DNA-Datenspeicher eignet sich unter anderem für biotechnische Anwendungen, etwa als Bauteil in Biosensoren.

Das System ...

Im Focus: VLT liefert detailreichstes Infrarotbild des Carinanebels


Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO haben das bislang detailreichste Infrarotbild der Sternkinderstube des Carinanebels aufgenommen. Es zeigt vor dem spektakulären Hintergrund einer himmlischen Landschaft auf Gas, Staub und jungen Sterne zahlreiche nie gesehene Details und zählt zu den atemberaubendsten VLT-Bildern überhaupt.

Im Herzen der südlichen Milchstraße, im Sternbild Carina (Der Schiffskiel, [1]), befindet sich in einer Entfernung von etwa 7500 Lichtjahren die Sternkinderstube des Carinanebels. Diese ausgedehnte Wolke aus leuchtendem Gas und Staub ist von der Erde aus gesehen eine der nächstgelegenen Geburtsstätten massereicher Sterne.

Der Nebel beinhaltet einige der hellsten und ...

Im Focus: Automatisch Lücken im Funkspektrum erkennen


Auf der embedded world identifizieren Wissenschaftler der Fraunhofer ESK Lücken im Funkspektrum, um diese für zusätzliche Übertragungen zu nutzen.

Der in Halle 5, Stand 5-228, vorgestellte Prototyp zeigt das Funkspektrum in einem 3D-Spektrogramm, markiert die prognostizierten Lücken und prüft deren Eintreffen. Diese Methode, Cognitive Radio, verbessert die Übertragungsqualität in einem bereits vollen Funkspektrum ohne aufwändiges, statisches Koexistenzmanagement. Ziel ist eine höhere Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Funk für die Automatisierung.
...

Im Focus: Bronze-Matrjoschka: hocheffiziente Katalysatoren und Nanoröhrchen mit ungewöhnlicher Symmetrie


Eine Puppe in der Puppe und noch eine drumherum – so erklärt Thomas Fässler seine Moleküle: Er packt ein Atom in einem Käfig in noch ein weiteres Atomgerüst.

Mit ihrer großen Oberfläche könnten solche Strukturen als hocheffiziente Katalysatoren dienen. Wie bei dem russischen Holzspielzeug sitzt ganz innen drin ein einzelnes kleines Zinnatom, eingepackt in eine Hülle aus zwölf Kupferatomen, und diese ist nochmals umgeben von weiteren 20 Zinnatomen.

In der Arbeitsgruppe von Professor Fässler am Institut für Anorganische ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Zwerggalaxie hat großen Hunger

08.02.2012 | Physik Astronomie

Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert

08.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

Obstacles No Barrier to Higher Speeds for Worms

08.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

»Jede Sekunde zählt« Erster Internationaler Kongress zu Rettungsdienstsystemen in Neu Delhi

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Bauwerke gebrauchstauglich halten

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft im Dialog-Veranstaltungen im Wissenschaftsjahr 2012

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp