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Ein Forscherteam vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI-Mannheim) in Mannheim, dem Deutschen Krebsforschungszentrum DKFZ sowie der Universität Genf ist dem Rätsel der Kokain-Sucht näher auf die Spur gekommen.
Den Wissenschaftlern ist es gelungen, die so genannte "drogenvermittelte synaptische Plastizität" genetisch nachzuweisen. Über die Erkenntnisse, die zu neuen Behandlungen der Drogenabhängigkeit führen sollen, berichten sie in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Neuron.
Das typische Verhaltensmuster der Sucht ist die andauernde Suche nach dem Rauschgift oder ein Rückfall nach erneuter Drogengabe. In Bereichen des Zentralnervensystems, die den Botenstoff Dopamin produzieren, bewirkt das Rauschgift molekulare Umbauprozesse an den Synapsen, den Kontaktstellen zwischen zwei Nervenzellen. Als Reaktion auf die Droge werden in bestimmten Rezeptorkomplexen Protein-Untereinheiten ausgetauscht. "Dies nennt man drogenvermittelte synaptische Plastizität", so Studienautor Günther Schütz vom DKFZ im pressetext-Gespräch. "Es ist uns nun gelungen bei Mäusen selektiv in dopaminproduzierenden Nervenzellen genau diejenigen Eiweiß-Komponenten genetisch auszuschalten, die unter dem Einfluss von Kokain in die Rezeptor-Komplexe eingebaut werden."
Zunächst wurde bei den Tieren mithilfe von Tests das Suchtverhalten gemessen. "Auf den ersten Blick zeigten sowohl die Mutanten als auch Kontrolltiere das übliche Verhalten unter dem Einfluss der Droge", so der Forscher. Dazu gehörte etwa eine verstärkte Beweglichkeit. Zudem suchten sie bevorzugt solche Plätze auf, auf die sie durch regelmäßige Drogengaben konditioniert worden waren. Wenn die "normalen" Mäuse an den gewohnten Plätzen über einen längeren Zeitraum keine Drogen finden, klingt ihr Suchtverhalten langsam ab. "Bei den gentechnisch veränderten Tieren, deren Rezeptor-Untereinheit GluR1 ausgeschaltet war, traf dies jedoch nicht zu. Ihr Suchtverhalten dauerte weiter an."
Eine weitere interessante Entdeckung machten die Forscher bei den Mäusen, bei denen das NR1-Protein ausgeschaltet wurde. Während bei den Kontrolltieren das Suchtverhalten nach einer neuerlichen Kokain-Gabe wiederaufflackerte, erwiesen sich die genetisch veränderten Artgenossen als resistent gegenüber einem Rückfall in die Sucht. "Es ist faszinierend zu beobachten, wie einzelne Proteine suchttypische Verhaltensmuster bedingen können", meint Schütz. Es sei anzunehmen, dass auch bei anderen Substanzen ähnliche molekulare Veränderungen stattfinden.
"Darüber hinaus eröffnen unsere Ergebnisse völlig neue Perspektiven, um die Sucht zu behandeln: So könnte eine Blockade des NR1-Rezeptors vor einem Rückfall in die Abhängigkeit schützen. Eine selektive Aktivierung von GluR1 würde sogar dazu beitragen, die Sucht zu löschen", so Studienautor Rainer Spanagel vom ZI-Mannheim.
Wolfgang Weitlaner | Quelle: pressetext.deutschland
Weitere Informationen: www.zi-mannheim.de
www.dkfz.de
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