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Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden, über die Patienten in deutschen Arztpraxen klagen. Zweistellige Milliardenbeträge fallen laut verschiedenen Untersuchungen pro Jahr an Behandlungskosten und Kosten durch Krankentage an. Sind die chronischen Rückenbeschwerden da, ist der Kampf oft fast verloren.
Die Bemühungen der Ärzte und Gesundheitsfachleute richten sich daher seit langem darauf, akute Rückenschmerzen und deren Übergang in ein chronisches Leiden durch Rückenschulen zu verhindern. Die vorbeugende Wirkung dieser klassischen Rückenschulen, die vor allem auf Aufklärung über korrekte Bewegungsabläufe setzen, gilt als unzureichend und der Ansatz als zu einseitig. Ein ganzheitliches Konzept unter Einbeziehung psychosozialer Aspekte wie es in der "Neuen Rückenschule" umgesetzt wird, scheint Erfolg versprechender.
Die Wirksamkeit dieser neuen ganzheitlichen Rückenschule untersuchen jetzt Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena (UKJ) in einer zweijährigen Studie. "Wir werden mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Sportwissenschaftlern über 24 Monate die Teilnehmer des neu entwickelten Rückenschulprogramms begleiten und anhand verschiedener Parameter die Effektivität des veränderten Konzepts überprüfen", erklärt Prof. Dr. Hans-Christoph Scholle vom Universitätsklinikum Jena. Der Physiologe leitet die in Zusammenarbeit mit den medizinischen Psychologen des UKJ durchgeführte Studie, die vom Forum Gesunder Rücken Wiesbaden unterstützt und der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung Bonn beratend begleitet wird.
Die "Neue Rückenschule" setzt in einem umfassenden Konzept neben der aktiven Rückenstärkung vor allem auch auf die Aktivierung psychischer und psychosozialer Gesundheitsressourcen. Als Erfolgskriterien gelten dabei ein Rückgang der Schmerzen sowie eine Verbesserung der Funktionsfähigkeit der Rumpfmuskulatur.
"In der Studie erfassen wir neben Messdaten zu Schmerzen und Muskelkoordination auch psychosoziale Faktoren wie Arbeitszufriedenheit, subjektiv erlebte Funktionsbeeinträchtigung und Angstvermeidungseinstellungen, die Rückenschmerzsymptome beeinflussen können", so Professor Scholle. Die Studienteilnehmer werden dazu vor Beginn der dreimonatigen Rückenschule, kurz nach Beendigung sowie in einer Nachuntersuchung drei und zwölf Monate später untersucht und befragt. Teilnehmen können Frauen und Männer zwischen 18 und 69 Jahren, die seit mindestens drei Monaten über einen unspezifischen Rückenschmerz klagen. "Über die endgültige Eignung als Studienteilnehmer entscheiden wir in einer Eingangsuntersuchung", so Prof. Scholle weiter.
Die BARMER GEK unterstützt das Projekt als Kooperationspartner. Sie wird ihre Versicherten in der Region einladen, an der Studie teilzunehmen. Zum Auftakt findet am 18. Februar 2010 um 18.30 Uhr eine gemeinsame Informationsveranstaltung am Universitätsklinikum Jena statt, in der die Studie und die Teilnahmebedingungen vorgestellt werden. Die Veranstaltung im Hörsaal der Alten Chirurgie (Haus 1) in der Bachstraße 3 steht allen Interessierten offen.
Interessierte können sich darüber hinaus unter der Telefonnummer 01850027-1514 für die Studienteilnahme melden.
Ansprechpartner für die Presse:
Prof. Dr. Hans-Christoph Scholle
Leiter des Fachbereichs Motorik, Pathophysiologie und Biomechanik
Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie,
Universitätsklinikum Jena
E-Mail: Hans-Christoph.Scholle[at]med.uni-jena.de
Helena Reinhardt | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-jena.de
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