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Boom in E7-Staaten beschleunigt Klimawandel

29.09.2006
Wachstum der Schwellenländer erfordert Begrenzung der Kohlenstoffemissionen / PwC-Studie zeigt klimaneutrale Wachstumsstrategie auf / Industriestaaten müssen Führungsrolle übernehmen

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Der rasante ökonomische Aufholprozess der der E7-Staaten ("Emerging Economies") beschleunigt die globale Klimaerwärmung. Ohne eine wirksame Strategie zur Begrenzung der Emissionen droht bis 2050 eine Verdoppelung der Kohlenstoffkonzentration in der Erdatmosphäre, deren ökologische und ökonomischen Folgen kaum absehbar sind.


So erreichen die E7-Staaten (Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland und die Türkei) nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) derzeit nur rund 20 Prozent der Wirtschaftsleistung der G7 (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und USA). Dabei liegt der Anteil der Schwellenländer am globalen Kohlenstoffausstoß bei 32 Prozent, verglichen mit knapp 39 Prozent für die G7-Staaten. Im Jahr 2050 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der E7 allerdings um 25 Prozent über demjenigen der G7 liegen. Während der Anteil der etablierten Industriestaaten an den Kohlenstoffemissionen bis dahin auf knapp 24 Prozent sinken sollte, wären die E7 bei einer Fortschreibung des bisherigen Energieverbrauchs ("Baseline Scenario") für fast 50 Prozent der weltweiten CO-Emissionen verantwortlich.

Dies geht aus der aktuellen PwC-Studie "The World in 2050: implications of global growth for carbon emissions and climate change policy" hervor.

Das globale Wirtschaftswachstum muss jedoch nicht notwendigerweise zu Lasten des Klimaschutzes gehen. "Unsere Analysen zeigen, dass der Kohlenstoffausstoß durch die stärkere Nutzung alternativer Energiequellen, effizienteren Energieeinsatz und die Einrichtung von CO2-Speichern begrenzt und bis 2050 sogar unter das gegenwärtige Niveau gedrückt werden könnte", erläutert Manfred Wiegand, Global Utility Leader und Partner im Bereich Energy von PwC. Dabei läge das weltweite BIP im Jahr 2050 lediglich leicht unter dem Wert, der sich im "Baseline Scenario" ergäbe. Zur Umsetzung dieser sog. "Green Growth Plus"-Strategie müssten die G7-Staaten jedoch ihre Schrittmacherfunktion noch stärker als bislang wahrnehmen.

USA, China und Indien tragen besondere Verantwortung

Innerhalb der Wirtschaftsgruppen entfällt auf einzelne Staaten eine besondere Verantwortung für die Begrenzung der Kohlenstoffemissionen. So trugen die USA im Jahr 2004 mit fast 23 Prozent zum globalen Ausstoß bei, auf die übrigen G7-Staaten entfielen zusammen lediglich weniger als 16 Prozent (Deutschland: 3,2 Prozent). Innerhalb der E7-Gruppe verursachten China und Indien nahezu 21 Prozent der weltweiten Emissionen. Im "Baseline Scenario" würde der Anteil der beiden Staaten am globalen Kohlenstoffausstoß bis 2050 auf über 36 Prozent steigen. Der hohe Emissionsanteil der großen drei Volkswirtschaften ist neben ihrer wirtschaftlichen Entwicklung auch auf die starke Abhängigkeit von Erdöl und Kohle zurück zu führen. Allein durch den Einsatz fossiler Brennstoffe in den USA, China und Indien gelangen derzeit über 3,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre. Der entsprechende Wert für die EU beträgt knapp 1,1 Milliarden Tonnen.

Klimaneutrales Wachstum ist möglich

Während der Zusammenhang von Kohlenstoffemissionen und globaler Klimaerwärmung in der Wissenschaft mittlerweile als gesichert gilt, gehen die Ansichten über mögliche Gegenstrategien auseinander. Die PwC-Analyse kommt auf Grundlage der Ergebnisse verschiedener Klimastudien zu dem Ergebnis, dass wirksamer Klimaschutz nicht zu Lasten des Wirtschaftswachstums gehen muss. "Eine Strategie zur Senkung der globalen Kohlenstoffemissionen lässt sich ohnehin nur mit Unterstützung der wichtigsten Akteure implementieren. Weder die USA noch China oder Indien würden einen Ansatz akzeptieren, der ihre Wachstumsaussichten massiv beeinträchtigt", gibt Dr. Moritz Nill, Experte im Bereich Carbon Market Services von PwC zu bedenken.

Die von den PwC-Experten favorisierte "Green Growth Plus"-Strategie setzt auf drei wesentliche Aspekte: Die Substitution fossiler Brennstoffe durch alternative Energiequellen, die Vermeidung von Emissionen durch sogenannte "Clean Coal Technologien" und den effizienten Energieeinsatz durch die Nutzung neuer Technologien zur Kohlenstoffspeicherung, bei der bereits freigesetzte Emissionen wieder gebunden werden.

Im Ergebnis prognostiziert die Studie bei konsequenter Umsetzung der Strategie für 2050 eine Kohlenstoffkonzentration in der Atmosphäre von etwa 450 ppm (Parts per Million). Diese Konzentration läge zwar noch immer über dem aktuellen Wert von 380 ppm, wäre jedoch zur Stabilisierung der Klimaentwicklung voraussichtlich gering genug. Demgegenüber würde die Kohlenstoffkonzentration im "Baseline-Szenario" bis 2050 auf rund 550 ppm ansteigen. "Damit würde sich das Klima global um voraussichtlich mehr als zwei Grad Celsius erwärmen. Nach Ansicht der meisten Klimaforscher wären ein Anstieg des Meeresspiegels, Überflutungen sowie extreme Wetterverhältnisse mit Dürren und Missernten unausweichliche und kaum kontrollierbare Folgen", so Dr. Moritz Nill.

Umsetzung klimafreundlicher Strategien: Kosten vergleichsweise gering

Die ökonomischen Kosten der "Green Growth Plus"-Strategie sind im Vergleich gering: Eine Verringerung der weltweiten Kohlenstoffemissionen um 50 bis 70 Prozent gegenüber dem "Baseline Scenario" ginge einher mit einer um zwei bis drei Prozent niedrigeren Weltwirtschaftsleistung im Jahr 2050. Dabei legen einige Studienergebnisse sogar nahe, dass sich die Einbußen dank der Lerneffekte beim Einsatz klimafreundlicher Technologien auf ein Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts verringern könnten.

G7 müssen Führungsrolle übernehmen

Der Umsetzung einer klimaneutralen Wachstumsstrategie stehen mehr politische Hürden als technologische Hindernisse im Wege: So stößt beispielsweise die höhere Besteuerung kohlenstoffhaltiger Energiequellen auch in den Industrieländern auf Widerstand. Das gilt insbesondere in ökonomischen Abschwungphasen, wie etwa die regelmäßig erhobene Forderung nach einer Abschaffung der so genannten Ökosteuer in Deutschland zeigt.

Gleichzeitig wird der Ausbau der alternativen Energieerzeugung immer schwieriger. Das gilt für Windkraftanlagen an den Küsten genau so wie für Wasserkraftprojekte. Gesellschaftlich umstritten ist der Bau neuer Kernkraftwerke, wobei neben dem Problem der Endlagerung nuklearer Abfälle zunehmend auch Sorgen vor Terroranschlägen und der Weiterverbreitung von waffenfähigem Material eine Rolle spielen. "Eine Klimaschutzstrategie kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie sich auf einen breiten gesellschaftlichen Konsens stützt. Viel Zeit für die politische Überzeugungsarbeit bleibt allerdings nicht mehr", warnt Manfred Wiegand. Denn selbst um innerhalb der Emissionsgrenzen des "Baseline Scenario" zu bleiben, müssten schon bald weitere Effizienzgewinne beim Energieeinsatz realisiert werden.

Die G7-Staaten müssen daher gemeinsam mit den reicheren Ländern der OECD beim Klimaschutz die Initiative ergreifen. Das gilt sowohl für die Entwicklung neuer Technologien als auch für die Reduzierung des eigenen Kohlenstoffausstoßes. Innovative Konzepte können auch gegen Interessen von einzelnen Staaten erfolgreich umgesetzt werden, wie beispielsweise die EU mit der Einrichtung des Handelssystems für Emissionsrechte gezeigt hat. Von den schnell wachsenden Volkswirtschaften der E7 hingegen ist eine Senkung der Kohlenstoffemissionen kaum zu erwarten. Realistischer ist eine Selbstverpflichtung von Staaten wie China und Indien zur Einhaltung von Höchstgrenzen in den kommenden Jahren. "Allerdings müssten dazu die großen westlichen Industriestaaten mit gutem Beispiel voran gehen. Die USA als derzeit größter Kohlenstoffproduzent haben bislang jedoch noch nicht die Klimaschutzziele des Kyoto-Protokolls ratifiziert", so Dr. Moritz Nill.

Die Studie "The World in 2050: implications of global growth for carbon emissions and climate change policy" finden Sie als Download unter: www.pwc.com

Manfred Wiegand | Quelle: presseportal
Weitere Informationen: www.pwc.com

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