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Mikrodaten der amtlichen Statistik sind für Analysen des wirtschaftlichen und sozialen Wandels eine wichtige Datenquelle. Leider werden sie von der Forschung bislang noch wenig genutzt, obwohl sie im Vergleich von der Forschung selbst durchgeführten Erhebungen manche Vorteile aufweisen, und deshalb eine sinnvolle Ergänzung zu diesen darstellen. Diese Vorteile sind z.B. der große Stichprobenumfang, die hohen Beteiligungsquoten und regelmäßige Erhebungszyklen, die insbesondere bei Untersuchungen des wirtschaftlichen und sozialen Wandels zum Tragen kommen. In diesem Kontext fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung gegenwärtig eine Vielzahl von Projekten mit dem Ziel, amtliche Mikrodaten als Standarddatenquelle in der Forschung zu etablieren. Eine Bestandsaufnahme der Nutzung von amtlichen Mikrodaten in der empirischen Forschung geben Walter Müller (Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung) und Heike Wirth (Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen, Mannheim) in einem kürzlich erschienen Artikel in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie.
Schon in den 1970er Jahren wurden amtliche Mikrodaten für die Bearbeitung von Forschungsfragen genutzt. Der anfänglich relativ einfache Datenzugang wurde im Zusammenhang mit öffentlichen Diskussionen über Datenschutz ab Ende der siebziger Jahre deutlich erschwert und kam fast zum Erliegen. Grund hierfür war das Bundesstatistikgesetz von 1980, nach welchem Mikrodaten von den statistischen Ämtern nur noch in Form stark aggregierter Tabellen mit hierdurch erheblich eingeschränkten Analysemöglichkeiten an die Forschung weitergegeben durften. Erst mit der Novellierung des Bundesstatistikgesetzes (BStatG) 1987 wurden die rechtlichen Grundlagen geschaffen, um erneut Mikrodaten an die Forschung weitergeben zu können. Aufgrund der hohen Zugangskosten konnten die amtlichen Mikrodaten aber weiterhin kaum durch die Forschung genutzt werden. Erst durch eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Forschung konnten die Finanzierungsprobleme gelöst werden. Dies hatte zur Folge, dass das Potenzial amtlicher Mikrodaten durch die Sozial- und Wirtschaftsforschung zunehmend genutzt wurde.
Dies war der Beginn für eine Vielzahl weitergehender Initiativen, um den Zugang der Forschung zu amtlichen Mikrodaten zu institutionalisieren. Eine Schlüsselrolle nimmt hierbei der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im 2004 berufene Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) ein, in welchem Vertreter von Wissenschaft und amtlicher Statistik sich gemeinsam der Aufgabe stellen, die zahlreichen Datenquellen der amtlichen Statistik für die Forschung dauerhaft zu erschliessen.
Die Relevanz amtlicher Mikrodaten beschreiben Walter Müller und Heike Wirth zum Beispiel anhand der herkunftsspezifischen Bildungsungleichheit (siehe die aktuelle PISA-Debatte), dem Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Einkommensungleichheit, sowie der Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt.
Der besonderen Bedeutung dieser Daten für die Forschung wird auch insofern Rechnung getragen, als das German Microdata Lab (GML) beim Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Forschung und Bildung amtliche Mikrodaten für die sozialwissenschaftliche Nutzung aufbereitet und Wissen über die Datennutzung in die Profession vermittelt.
Weitere Informationen zu amtlichen Mikrodaten finden Sie u.a.
http://www.gesis.org/Dauerbeobachtung/GML/index.htm
Heike Wirth und Walter Müller: Mikrodaten der amtlichen Statistik - Ihr Potenzial in der empirischen Sozialforschung. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 93-127. (Erschienen 2006).
Kontakt: wirth@zuma-mannheim.de
Kerstin Hollerbach | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.gesis.org/
www.gesis.org/Dauerbeobachtung/GML/index.htm
Weitere Berichte zu: Datenquelle > Mikrodaten > Sozialpsychologie > Soziologie
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