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UKM-Studie untersucht Zusammenhang zwischen Migräne und Loch in Vorhofscheidewand des Herzens

29.02.2008
Einen Zusammenhang gibt es – aber welchen?

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In den 80er Jahren haben englische Wissenschaftler eine Gruppe von Patienten genauer untersucht, die zwei Dinge gemeinsam hatten: Sie tauchten in tiefen Gewässern und klagten häufig über Migräne.


„Dabei haben die Kollegen etwas Überraschendes herausgefunden“, erzählt Prof. Dr. Dr. Stefan Evers, geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Münster (UKM): „Diese Patientengruppe hatte überproportional häufig ein Loch in der Vorhofscheidewand des Herzens.“

Die Tatsache, dass die Patienten tauchten, rückte bald in den Hintergrund. Geblieben war aber der auffällige Zusammenhang zwischen Migräne-Patienten und einem Loch in der Vorhofscheidewand.

Alle Föten haben ein Loch in der Herzscheidewand. Sobald sie auf die Welt kommen und ihren ersten Schrei machen, verschließt sich das Loch - normalerweise. Bei rund 20 Prozent der Menschen verschließt es sich jedoch nicht. „Das hat aber zunächst überhaupt keinen Krankheitswert und muss nicht behandelt werden“, betont Evers. Ein Loch in der Scheidewand zwischen dem linken und dem rechten Herzen kann dazu führen, dass kleine Blutgerinnsel von den Venen direkt in den arteriellen Blutkreislauf gelangen können, besonders bei Tauchern mit anderen Druckverhältnissen unter Wasser. Deswegen entschlossen sich die Ärzte, das Loch bei den Tauchern mit einem so genannten „Schirmchen“ zu verschließen. Das Ergebnis: Die Taucher mit Migräne berichteten, sie hätten keine Migräne-Attacken mehr, seit das Loch verschlossen wurde.

Nach dieser Entdeckung haben Forscher überall auf der Welt begonnen, Migräne-Patienten auf ein Loch in der Vorhofscheidewand zu untersuchen. Heraus kam: „Über 50 Prozent der Migräne-Patienten hatten ein Loch, vor allem die Patienten mit einer Aura“, sagt Evers. „Aura“ meint in diesem Zusammenhang, dass diese Patienten bereits eine Stunde vor der Migräne-Attacke Symptome wie Sehstörungen oder ein Kribbeln auf der Haut spüren.

Für den Zusammenhang zwischen Migräne-Attacken und einem Loch in der Vorhofscheidewand gibt es eine gut begründete Hypothese: In der Wand der rechten Herzkammer werden Hormone produziert, die den Blutkreislauf mitregulieren, ihn also steigen bzw. sinken lassen können. „Spritzt man diese Hormone direkt ins Gehirn, können sie dort Migräne-Attacken auslösen“, erklärt Evers. Hat ein Patient also ein Loch in der Wand, die das rechte vom linken Herzen trennt, können die Hormone vom rechten schneller ins linke Herz, von dort in die Halsschlagader und von dort wiederum ins Gehirn gelangen. Dort lösen sie dann eine Migräne-Attacke aus. Ist das Loch nicht vorhanden, wird das mit dem Hormon angereicherte Blut erst durch die Lunge gepumpt, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Dieser Umweg könnte dafür verantwortlich sein, dass das Hormon im Gehirn keine Attacken auslösen kann.

„Damit wir die Zusammenhänge besser verstehen, suchen wir Patienten, die unter einer Migräne mit Aura leiden und bereit wären, sich ihr Loch in der Vorhofscheidewand verschließen zu lassen“, sagt Evers. Die Klinik für Neurologie nimmt gemeinsam mit der Kardiologie des UKM an einer weltweiten Studie teil. Wer teilnehmen möchte, sollte mindestens unter zwei Attacken pro Monat leiden und mit herkömmlichen Medikamenten nur schlecht zu behandeln sein. In einer ersten Untersuchung am UKM wird dann zunächst geklärt, ob die Patientin ein Loch in der Vorhofwand hat.

„Wir erwarten, dass mindestens die Hälfte der Patienten wenigstens die Hälfte der Attacken verliert, wenn wir das Loch verschließen“, prognostiziert Evers. Neben Münster sind in Deutschland Hamburg, Berlin, Leipzig und Frankfurt beteiligt. Weltweit nehmen die Schweiz, die USA und England an der Studie teil. Der Zusammenhang zwischen Migräneattacken und einem Loch in der Vorhofwand gilt in der Fachwelt als gesichert. „Allein die Frage nach dem „Warum“ bleibt noch weitgehend offen“, sagt Evers. Mit dieser über zwei Jahre angelegten Studie soll die Frage nun beantwortet werden.

Patienten, die an dieser Studie interessiert sind, können sich unter 0251-83-4 81 75 oder per email bei oberdiek@uni-muenster.de melden.

Simone Hoffmann | Quelle: Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen: www.klinikum.uni-muenster.de/

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