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Angeln steigert Lebensqualität für Menschen mit Behinderung

12.03.2010
Vom 12. bis 21. März finden in Vancouver die Paralympics statt. Doch nicht nur der Spitzensport kann zur Integration von Menschen mit körperlichem Handicap beitragen, sondern auch Hobbys ohne Wettkampfcharakter in der Natur wie das Angeln.

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Das ist das Ergebnis einer kürzlich vorgelegten Studie durch Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin, des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin sowie des Instituts für Binnenfischerei in Potsdam. Demnach leistet das Angelhobby für Angler mit körperlicher Schwerbehinderung einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsentwickung, Identitätsschärfung und zur sozialen Integration.


Gleichzeitig sehen sich diese bei der Ausübung ihrer Passion in stärkerem Maße eingeschränkt als Angler ohne Behinderung. Die Forscher schlagen Maßnahmen vor, die es Menschen mit körperlicher Schwerbehinderung erleichtern, an Gewässer zu gelangen und sicher ihrer Leidenschaft nachzugehen.

600 Spitzensportler treten am Freitag zu den Paralympics an. Sie zeigen außergewöhnliche Leistungen. Das Angeln von Fischen ist keine klassische Form des Sports, und ist selbstredend auch keine olympische Disziplin, kann aber dennoch zur Steigerung der Lebensqualität für Menschen mit Behinderung beitragen und deren soziale Integration vorantreiben. Neue Studien, publiziert im Fachjournal Leisure Sciences sowie in einem umfangreichen Forschungsbericht, belegen nun die wesentliche Bedeutung des Angelhobbys für Menschen mit Behinderung. Rund 1000 in Angelvereinen organisierte Angler, darunter 347 Menschen mit Schwerbehinderung, wurden in einer schriftlichen Umfrage nach dem beim Angeln erfahrenen Nutzen sowie nach Hemmnissen befragt.

Das Ergebnis: Angeln spielt für Menschen mit Schwerbehinderung eine größere Rolle für die persönliche Weiterentwicklung und die soziale Integration als für Menschen ohne Schwerbehinderung. So hilft ihnen diese Freizeitbeschäftigung, soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen (zum Beispiel im Angelverein) und sich durch die Ausübung der im freien Gelände körperlich anspruchsvollen Tätigkeit selbst zu verwirklichen. Der Kontakt mit der Natur mit all seinen Herausforderungen wirkt zudem besonders förderlich für die Steigerung des Selbstbewusstseins. Unabhängig von der Existenz einer körperlichen Schwerbehinderung waren sich aber alle Befragten in ihren Zielfischarten einig: Am liebsten wird auf Karpfen, Hecht und Aal geangelt. Ungenügende Fangmöglichkeiten ärgern alle Angler gleichermaßen.

Nebst vielfältigem Nutzen erfahren Angler mit Behinderung aber auch zahlreiche Hemmnisse, die ihre Angelhäufigkeit beschränken. Insbesondere schwierige Zugänge zu Gewässern, das Fehlen einer geeigneten Begleitung sowie mangelnde Gesundheit waren der Umfrage zufolge wichtige Gründe für eine reduzierte Angelaktivität. Weil man meistens darauf angewiesen ist, gut erschlossene Gewässer zu nutzen, ist die Gewässerauswahl vor allem in Bundesländern mit vielen unwegsamen Naturseen, z.B. in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, für Menschen mit Handicap eingeschränkt.

Eine Steigerung der Angel- und damit indirekt auch der Freizeit- und Lebensqualität für Menschen mit Behinderung sollte besonders an diesen Knackpunkten ansetzen, so die Autoren der Studie Philipp Freudenberg, Prof. Dr. Robert Arlinghaus und Dr. Uwe Brämick. Ein Abbau von Zugangsbarrieren zu Gewässern würde eine erhöhte Entscheidungsfreiheit bei der Gewässerwahl ermöglichen. Förderlich sein könnten auch Sondererlaubnisse für die Nutzung von Zuwegungen sowie barrierefrei gestaltete Pfade und Angelstellen.

Die Ergebnisse der Paralympics werden sich noch entscheiden. Die Resultate der Angelfischereiwissenschaftler sind hingegen klar: Angeln steigert nicht zuletzt die Lebensqualität von Menschen mit körperlicher Schwerbehinderung. Für barrierefreies Angeln muss und kann aber noch mehr getan werden. Den Angelvereinen und -verbänden kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, aber auch Raum- und Landschaftsplaner könnten ihren Beitrag leisten, z.B. im Rahmen der gezielten Förderung von Angelstellen an städtischen Gewässern.

Freudenberg, P., R. Arlinghaus. 2010. Benefits and constraints of outdoor recreation for people with physical disabilities: inferences from recreational fishing. Leisure Sciences, Band 32, S. 55-71.

Freudenberg, P., R. Arlinghaus, U. Brämick. 2009. Die Bedeutung des Angelns für Menschen mit Behinderung. Schriften des Instituts für Binnenfischerei e.V. Potsdam-Sacrow 24, 102 Seiten.

Pressekontakt:
Nadja Neumann
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
Phone: +49-30-64181631
E-Mail: nadja.neumann@igb-berlin.de

Wissenschaftskontakt:
Prof. Dr. Robert Arlinghaus
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
Phone +49-(0)30-64181-653
Fax. +49-(0)30-64181-750
E-Mail: arlinghaus@igb-berlin.de

Gesine Wiemer | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.adaptfish.igb-berlin.de
www.igb-berlin.de

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