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Entsprechend uneinheitlich sind ihre Empfehlungen zum Tabak- und Alkoholkonsum an Schwangere. Dies ergab eine Studie, die Forschende der Universität Basel im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit durchgeführt haben.
Konsumieren Frauen während der Schwangerschaft Nikotin oder Alkohol, besteht die Gefahr einer Fehlentwicklung beim ungeborenen Kind. Bereits mässiger Konsum dieser Substanzen kann die Entwicklung eines Kindes kurz- oder langfristig beeinflussen, wobei der schädigende Effekt mit der Dosis steigt. Auch eine Mangel- oder Fehlernährung kann die vorgeburtliche Entwicklung beeinträchtigen.
Wie Schweizer Fachleute die werdenden Mütter auf den Konsum von schädlichen Substanzen und ihr Ernährungsverhalten ansprechen und wie sie über allfällige Risiken aufklären, haben Forschende der Universität Basel im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit untersucht. Sie befragten dazu rund 850 Gynäkologinnen, Gynäkologen und Hebammen in der ganzen Schweiz.
Unterschiedliche Risikoeinschätzung
Neun von zehn Frauenärztinnen und -ärzten fragen Schwangere nach ihren Rauchgewohnheiten und erklären ihnen die damit verbundenen Risiken. Die meisten empfehlen den Frauen, während der Schwangerschaft ganz auf Zigaretten zu verzichten. Eine Mehrheit spricht auch den Alkoholkonsum an, doch plädiert hier nur etwas mehr als die Hälfte für eine strikte Abstinenz. Vier von zehn Gynäkologinnen und Gynäkologen belassen es beim Rat, höchstens ab und zu ein Glas zu trinken.
Auch von den Hebammen thematisiert eine deutliche Mehrheit den Zigaretten- und Alkoholkonsum und informiert über die Risiken. Die Meinungen gehen indes auseinander, ob während der Schwangerschaft Zigaretten und Alkohol in reduziertem Mass konsumiert werden dürfen. Rund die Hälfte der befragten Hebammen empfiehlt, auf beide Genussmittel ganz zu verzichten, während die andere Hälfte zu einer Reduktion des Zigaretten- und Alkoholkonsums rät. Fast ein Viertel der Hebammen hält zwei bis drei Gläser Alkohol pro Woche für unbedenklich.
Weit verbreitet sind routinemässige Abklärungen zu Lebensmittelrisiken, zur Versorgung mit Mikronährstoffen wie z.B. Vitaminen und Spurenelementen, zum Gewichtsverlauf und zu Schwangerschaftsdiabetes. Hingegen scheint es noch wenig üblich zu sein, Schwangere auf allfällige Essstörungen anzusprechen.
Fachgesellschaften gefordert
Ob eine Hebamme oder ein Gynäkologe zu Zurückhaltung oder Abstinenz rät, hängt davon ab, wie gross die Fachperson das Risiko von Nikotin- und Alkoholkonsum für das Kind einschätzt. Die uneinheitlichen Empfehlungen zeigen, dass Standards fehlen, wie Fachpersonen Schwangere über den Konsum von schädlichen Substanzen befragen und an welche Richtwerte sie sich halten sollen. Eine Mehrheit ist überzeugt, dass sich die Prävention mit der Einführung von Richtlinien durch die entsprechenden Fachgesellschaften verbessern liesse. Zugleich fänden sie es nützlich, wenn in ihrer Aus- und Weiterbildung dem Alkohol- und Tabakkonsum von Schwangeren mehr Platz eingeräumt würde und sie über besseres Informationsmaterial verfügten.
Originalbeitrag
Grob, A. & Lemola, S. (2008). Substanzkonsumscreening in der Schwangerschaftsvorsorge. Schlussbericht einer Studie im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit.
Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Alexander Grob,
Institut für Psychologie der Universität Basel,
Missionsstrasse 60/62, 4055 Basel,
Tel. 061 267 05 70, E-Mail: Alexander.Grob@unibas.ch
Reto Caluori | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.unibas.ch
Weitere Berichte zu: Abstinenz > Alkoholkonsum > Ernährungsverhalten > Essstörungen > Fehlentwicklung > Genussmittel > Lebensmittelrisiken > Mangel- oder Fehlernährung > Schwangerschaft > Schwangerschaftsdiabetes > schädigende Effekt > Ungeborene
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