Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwei von drei Lehrern in Stimmnöten

21.05.2010
Psychosoziale Probleme gehen mit Stimmproblemen einher

Stimmprobleme wie etwa Heiserkeit sind noch immer eine Lehrerkrankheit und treten oft im Zusammenhang mit psychischen Nöten auf. Das schreiben Forscher der Universität Malaga in der Fachzeitschrift "Folia Phoniatrica et Logopaedica". Die Untersuchung von 300 Volksschullehrern zeigte, dass 62,7 Prozent dieser Gruppe täglich oder zumindest wöchentlich wegen des Unterrichts in Stimmnöte kommen. "Wir wollten neben den Stimmproblemen auch deren psychosoziale Dimension aufzeigen", berichtet Studienleiterin Rosa Bermudez.

Die Lehrer berichteten weit eher von beruflichen Konflikten außerhalb des Klassenraums, wenn sie von Stimmproblemen betroffen waren. Sie empfanden etwa mehr Unsicherheit in ihren Aufgaben, mehr Rollenkonflikte und weniger Anerkennung ihrer Arbeit. Zudem war es auch um die soziale Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzten und um Kontrolle und Einfluss über eigene Entscheidungen schlechter bestellt. "Lehrer mit häufigen Stimmproblemen schätzten auch die Führungsqualität ihrer Vorgesetzten schlechter ein", so die Forscher.

Heiserkeit beschäftigt die Psyche

"Stimme beschränkt sich nie nur auf den Körper, sondern hängt eng mit Stimmung zusammen", erklärt Norbert Gutenberg, Sprechwissenschaftler an der Universität des Saarlandes http://www.uni-saarland.de , gegenüber pressetext. Wer Stimmprobleme hat, sei meist mit sich selbst nicht im Reinen. "Erlebt ein Lehrer, dass ihm vor der Klasse die Stimme nicht gehorcht, kann er die nötige Kommunikationsleistung nicht erbringen. Entgleist er in Schreitöne, wird das für Schüler unanhörbar und sie schotten sich ab. Das beschäftigt Lehrer auch psychisch." Die Frage nach Ursache und Konsequenz sei allerdings das typische Henne-Ei-Problem.

Teils sind Ursachen allerdings auch in schlechten äußeren Bedingungen zu suchen. "Die meisten Klassenzimmer haben eine schlechte Akustik. Am besten wären schallschluckende Wänden, die den Hall rückender Stühle unterbinden", so der Stimmforscher. Die Unterrichtsmethode spiele mit, da in der Oberstufe das Problem vor allem mit dem noch immer üblichen Frontalunterricht zusammenhängt. In der Volksschule ist die größte Herausforderung die altersgemäße Unruhe der Kinder.

Test für angehende Lehrer

Die Stimme ist eine physische Leistung von Muskeln, die mit der Zeit ermüden. "Callcenter-Mitarbeiter können problemlos acht Stunden lang reden, solange sie die Stimme richtig einsetzen. Ein Lehrer muss jedoch meist wesentlich lauter sprechen. Deshalb wurden Stimmprobleme früher als Lehrerkrankheit bezeichnet", so Gutenberg. In 20 Jahren Sprecheignungstests Deutsch bei Saarländer Lehramtskandidaten sei das Ergebnis bei 40 Prozent die Empfehlung einer Therapie oder Operation beim Phoniater oder die Prognose zukünftiger Stimmprobleme.

Ideal wäre für Gutenberg ein vorbeugender Ansatz. "Erhebungen zeigen, dass allein im Saarland jährlich mindestens 11.000 Unterrichtsstunden wegen Stimmproblemen ausfallen. Könnte man durch Stimmtraining in der ersten Phase der Lehrerausbildung diese Fälle bloß um die Hälfte reduzieren, wären die Kosten für diese Maßnahme bereits herinnen." Realisieren könnte man das schon mit einer Screening-Prognose per Anrufbeantworter, auf dem Teilnehmer fünf Minuten lang sprechen. "Bisher fehlt es aber an Mitteln für das Personal", klagt Gutenberg.

Abstract zur Originalstudie unter http://content.karger.com/ProdukteDB/produkte.asp?doi=10.1159/000239060

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uma.es

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise