Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

In die Zukunft geschaut: Szenarien des Forschungs- und Innovationsraums Europa in 2025

11.11.2010
Die europäische Forschungslandschaft verändert sich kontinuierlich, gelegentlich auch abrupt. Sie ist eng besetzt mit ihren unterschiedlichen Akteuren von Hochschulen über öffentlich geförderte Forschungseinrichtungen bis hin zu den Unternehmen.

Gerade das Verhalten der Unternehmen mit ihrer Nachfrage nach Forschungsdienstleistungen beeinflusst die Agenda der Forschungseinrichtungen.

So genannte Szenarien beschreiben auf Basis diverser Einflussfaktoren mögliche Situationen in der Zukunft. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI hat zusammen mit Experten verschiedener Akteursgruppen Szenarien für die europäische Forschungslandschaft 2025 erarbeitet.

In einem der vier Szenarien wird davon ausgegangen, dass Europa 2025 aus vorangegangenen Finanz- und Wirtschaftskrisen gestärkt hervorgegangen ist, nicht zuletzt aufgrund von Reformen der Finanzmärkte und einer weitgehend abgestimmten Wirtschaftspolitik innerhalb der EU. Die globalen Märkte wandeln sich durch die nachhaltige Entwicklung, die besonders von Europa ausgeht und von der Europa wirtschaftlich profitiert.

Der inzwischen attraktive Forschungs- und Lebensraum Europa ist für Global Player wieder eine Option, ihre Forschung und Entwicklung (FuE) nach Deutschland beziehungsweise Europa (zurück) zu verlagern. In FuE-Einrichtungen werden strategische Partnerschaften mit Unternehmen als sehr wichtig eingestuft. Die öffentlichen finanziellen Mittel sind zwar weiterhin knapp, werden aber in transnationale europäische Multi-Akteur-Strukturen investiert. Neue strategische Partnerschaften entstehen und Netzwerke werden flexibel organisiert.

„In unseren Szenarien haben wir langfristige demographische, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Trends einbezogen, die die Zukunft prägen und sich bereits heute abzeichnen. Prognose im klassischen Sinne machen wir allerdings nicht und bewegen uns mit unseren Aussagen immer zwischen möglichen, wahrscheinlichen und wünschenswerten Entwicklungen“, beschreibt Dr. Ewa Dönitz vom Fraunhofer ISI die Ergebnisse zusammenfassend.

Europa wird in diesem Szenario zudem zunehmend attraktiver und in anderen Teilen der Welt als beliebter Lebensmittelpunkt wahrgenommen, vor allem aufgrund seiner Vorreiterrolle bei der nachhaltigen Entwicklung, seinen stabilen politischen Verhältnissen, der Vielfalt von kulturell unterschiedlichen Regionen und einem harmonisierten Arbeitsmarkt. Der Anspruch eines attraktiven Europas setzt voraus, dass Forschung innerhalb eines gesellschaftspolitischen Kontexts vorangetrieben wird. So ist 2025 die Forschung mit der Gesellschaft stark vernetzt und erhält einen neuen, unverzichtbaren Stellenwert, der sich unmittelbar am gesellschaftlichen Bedarf orientiert. Die Forschungseinrichtungen schärfen aufgrund dieser Anforderung ihre Profile. Sie ordnen sich wieder stärker strategisch eindeutig ausgewiesenen Bereichen zu, verändern die starren, historisch bedingten Strukturen und machen so den Weg frei für eine agil vernetzte Forschungslandschaft. Gemeinsam mit FuE-Abteilungen in Unternehmen konzentrieren sich die Forschungseinrichtungen auf diejenigen Bereiche, in denen man technologisch die europäische Führung weiter ausbauen kann. Dazu zählen Chemie, Energie, Umwelt, Automobil, Materialwissenschaften sowie optische Technologien.

In einem alternativen Szenario gibt es 2025 zwar keine akute Wirtschaftskrise, aber die Wirtschaftskraft ist insgesamt auf einem anhaltend niedrigen Niveau. Die Finanzmärkte dominieren weiterhin die Realwirtschaft und die Unternehmen richten sich an kurzfristigen Renditen aus. Dabei setzt bei den Unternehmen eine starke Ökonomisierung der Forschung ein, was bedeutet, es wird nur im Mainstream geforscht, so dass es für kreative „Seitenforschung“ keinen Raum mehr gibt. Die Unternehmen sind risikoscheu und versuchen, das Risiko von vornherein zu vermeiden, anstatt mit ihm umzugehen und dabei möglicherweise neue Chancen zu entdecken. Notwendige FuE-Erkenntnisse werden eher fertig eingekauft als selbst entwickelt. Forschungsaufträge und entsprechende Kooperationen im Auftrag von Mittelgebern entfallen. Die Anforderung, mit vielen Akteuren weltweit vernetzt zu sein und schnell dynamische Entwicklungen zu berücksichtigen, überfordert die Unternehmen. Sie handeln eher reaktiv beziehungsweise gehen nur kurzfristige Partnerschaften ein.

Trotz knapper Finanzmittel werden Forschung und Bildung weiterhin von den öffentlichen Haushalten stark gefördert, sowohl im nationalen, als auch im europäischen Rahmen. Im Sinne des „weiter so wie bisher“ wird allerdings über die effektive und effiziente Verwendung der Mittel kaum diskutiert. Die alten Strukturen behindern die europäische Vernetzung und neue Forschungsaktivitäten hinsichtlich des Austauschs zwischen gesellschaftlicher Anwenderperspektive und der Forschung, der zur Lösung von globalen Problemen notwendig wäre. Europäische Forschungsnetzwerke entstehen nur themenfokussiert und sind vom Innovationsraum weitgehend isoliert. Lediglich stellenweise bilden sich Kooperationen aus Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus, die durch die Innovationsnetzwerke von global operierenden Unternehmen geführt werden und längerfristig zusammenarbeiten.

Zwei weitere Szenarien mit positiver beziehungsweise negativer Tendenz komplettieren die Untersuchung des Fraunhofer ISI. „Der Blick auf verschiedene Zukünfte ist Teil unserer Strategieplanung. Er ermöglicht uns zu diskutieren, welche Zukunft wir uns wünschen, und zu gestalten, was möglich ist. Wir können die Zukunft zwar nicht genau vorhersagen, aber mit den entwickelten Szenarien schaffen wir ein Bewusstsein für die möglichen Veränderungen und bereichern die Diskussion über den künftigen europäischen Forschungs- und Innovationsraum durch neue Perspektiven“, so Dr. Lothar Behlau, Leiter Strategie und Programme in der Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft.

Die komplette Studie kann unter http://www.isi.fraunhofer.de heruntergeladen werden.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert die Rahmenbedingungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI
Breslauer Straße 48
76139 Karlsruhe
Leitung Presse und Kommunikation
Dr. Kathrin Schwabe
Telefon +49 (0) 721 / 68 09 - 100
presse@isi.fraunhofer.de

Dr. Kathrin Schwabe | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive