Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zukunft der Automobilindustrie im Fokus zweier Studien

06.06.2013
Gestern wurde im Bundestag die Zukunft der Automobilindustrie zusammen mit einer zukünftigen Verbreitung der Elektromobilität diskutiert.

Dr. Anja Peters, Dr. Wolfgang Schade und Prof. Dr. Martin Wietschel vom Fraunhofer ISI stellten zwei Studien vor, die im Auftrag des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung erstellt wurden. Unter anderem wurde deutlich, dass die deutsche Automobilindustrie gut aufgestellt ist, sich aber auf eine starke Diversifizierung auf mehreren Ebenen einstellen muss. Weiterhin zeigte sich, dass die Verbreitung von Elektrofahrzeugen ökologische und ökonomische Vorteile bringen kann − wenn entsprechende Rahmenbedingungen dies unterstützen.

Die Studie "Zukunft der Automobilindustrie" analysierte die globalen Entwicklungen sowie die heutige Aufstellung der deutschen Automobilindustrie mit ihren Zulieferern und ihren Produktionsstandorten im In- und Ausland. Die Ergebnisse zeigen, dass zukünftig eine Diversifizierung auf vier Ebenen zu erwarten ist:

1. Diversifizierung der Antriebskonzepte: Strom, Biogas und Wasserstoff ergänzen die fossilen Energieträger zunehmend, zudem kommt es zu den unterschiedlichsten Varianten der Hybridisierung zweier Energieträger beziehungsweise Antriebsmotoren im gleichen Fahrzeug.

2. Diversifizierung der verwendeten Materialien: Es werden vermehrt leichtere Materialien genutzt, um eine Gewichts- und Energieeinsparung zu erreichen. Weiterhin werden verstärkt neue Materialien wie Aluminium, Magnesium oder kohlefaserverstärkte Kunststoffe kombiniert.

3. Diversifizierung der Modellpalette: Es werden neue Variationen der Karosserietypen und neue Klein(st)fahrzeuge entwickelt.

4. Diversifizierung der Wertschöpfung: Die Automobilhersteller sind nicht mehr nur Anbieter von Fahrzeugen, sondern bieten neben ihren Produkten auch multimodale Mobilitätsdienstleistungen wie Carsharing an, was die Nutzung und Kombination verschiedener Verkehrsmittel fördert.

Dr. Wolfgang Schade, Leiter dieser Studie, fasst zusammen: "Insgesamt ist die deutsche Automobilindustrie heute gut aufgestellt. Sie ist präsent auf global wichtigen Märkten, bedient auf weltweiter Ebene das stark wachsende und profitable Premiumsegment und verfügt über das Know-how, sowohl Effizienztechnologien als auch alternative Antriebsenergien in der angemessenen Dynamik voranzutreiben. Risiken liegen unter anderem in der Schwäche der europäischen Auslandsmärkte sowie darin, wichtige Trends zu verpassen. Zu den wichtigsten Entwicklungen gehört die zunehmende Verbreitung elektrischer Antriebe und neuer Mobilitätskonzepte."

Auf das Thema elektrische Antriebe fokussiert die zweite Studie "Konzepte der Elektromobilität und deren Bedeutung für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt". Elektromobilität auf der Straße wird in den kommenden zwei Dekaden ein wichtiger Bestandteil der Mobilitätssysteme in Deutschland und der Welt werden. "Diese Entwicklung kann dazu beitragen, die beiden Jahrhundertprobleme des Verkehrs zu lösen oder zumindest deutlich abzumildern: Treibhausgasemissionen und die Knappheit fossiler Ressourcen", so Dr. Anja Peters, Leiterin dieser Studie. "Zentrale Voraussetzung dafür ist aber, dass der Strom aus erneuerbaren Energiequellen kommt und ein Anstieg des motorisierten Individualverkehrs vermieden wird." Dazu bietet sich die Verbreitung von Elektrofahrzeugen in multimodalen Mobilitätsangeboten an. Auf diese Weise kann die Elektromobilität den Trend zur Kombination unterschiedlicher Verkehrsmittel unterstützen.

Die Verbreitung von Elektrofahrzeugen dürfte zudem vorrangig in gewerblichen Flotten sowie bei Pendlern erfolgen. Beispiele für Maßnahmen, die eine solche Entwicklung unterstützen, sind förderliche Stellplatzregelungen für Carsharing und Ladeplätze sowie Standards für Lade-, Buchungs- und Abrechnungssysteme. Für gewerbliche Flotten können geeignete Regulierungen effektiv sein, beispielweise Umweltzonen und die Ausdehnung von zeitlichen Lieferfenstern für innerstädtische Anlieferungen durch Elektrofahrzeuge.

Die Analyse der gesamtwirtschaftlichen Effekte zeigt, dass eine zukünftige Verbreitung der Elektromobilität in Deutschland gesamtwirtschaftlich nicht zu Mehrkosten führt, sondern bis 2030 ein leicht positiver Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt und die Beschäftigung zu erwarten ist. Die Batteriezellenproduktion wird derzeit allerdings von asiatischen Industrie- und Schwellenländern dominiert, deutsche Firmen spielen hier international kaum eine Rolle. Um bei zukünftigen Batterietechnologien relevante Marktanteile erreichen beziehungsweise Batterien aus deutscher Produktion nutzen zu können, ist es entscheidend, Forschung und Entwicklung im Bereich der Batteriezellen zu fördern, wobei in Deutschland auf hervorragende Kompetenzen bei der Materialforschung aufgebaut werden kann. Zudem sollte die bereits gute Position Deutschlands bei weiteren relevanten Komponenten wie Elektromotoren und Leistungselektronik unbedingt gesichert werden.

In Hinblick auf die für Elektrofahrzeuge erforderliche Ladeinfrastruktur hält Dr. Martin Wietschel fest: "Das Laden der Elektrofahrzeuge findet aktuell und auch in den nächsten Jahren primär an Unternehmensstandorten und zu Hause statt. Ein Ausbau von öffentlichen Ladestationen sollte sich daher aktuell auf wenige gut zugängliche Stellen konzentrieren, um in Notfällen ein Nachladen zu ermöglichen, vor allem aber, um Hemmschwellen beziehungsweise Befürchtungen bezüglich einer unzureichenden Reichweite abzubauen und die Sichtbarkeit der Elektromobilität zu erhöhen." Langfristig ist ein politisches Engagement wichtig, das auf die Normung von Ladesystemen und einen diskriminierungsfreien Zugang zu Ladeinfrastrukturen gerichtet ist.

Die Studie "Zukunft der Automobilindustrie" kann unter http://www.tab-beim-bundestag.de/de/aktuelles/20130529.html heruntergeladen werden, die Studie "Konzepte der Elektromobilität und deren Bedeutung für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt" steht unter http://www.tab-beim-bundestag.de/de/aktuelles/20130313.html zur Verfügung.

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de
Twitter: @Fraunhofer_KA

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/service/presseinfos/2013/pri13-16_TAB-Berichte-Elektromobilitaet-Automobilindustrie.php
http://www.tab-beim-bundestag.de/de/aktuelles/20130529.html
http://www.tab-beim-bundestag.de/de/aktuelles/20130313.html

Anne-Catherine Jung | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt

21.11.2017 | Studien Analysen

Wafer zu Chip: Röntgenblick für weniger Ausschuss

21.11.2017 | Informationstechnologie

Nanopartikel helfen bei Malariadiagnose – neuer Schnelltest in der Entwicklung

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie