Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zufriedenheit ist zu einem Drittel genetisch bedingt

14.10.2014

Nicht nur Familie, Gesundheit, Geld oder Erfolg tragen zu unserer Zufriedenheit bei, auch die Gene spielen hier eine gewichtige Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt die Psychologin Elisabeth Hahn aus der Arbeitsgruppe von Zwillingsforscher Frank M. Spinath in einer Studie. Danach sind die Unterschiede zwischen Menschen in ihrer Zufriedenheit zu 30 bis 37 Prozent genetisch bedingt.

Die Psychologin untersuchte an der Saar-Uni, inwieweit Gene und Umwelt das subjektive Wohlbefinden und die Persönlichkeit beeinflussen. Dabei fand sie auch heraus, dass sämtliche genetischen Einflüsse auf die Zufriedenheit sich auch auf die Persönlichkeit auswirken.

Jeder Mensch ist das Produkt aus angeborenen, genetischen Anlagen und Umwelteinflüssen, also allem, was uns im Laufe des Lebens vom Mutterleib an widerfährt. Der komplizierte Mix aus beidem macht jeden Menschen einzigartig. Mit den Fragen, wie und warum sich Menschen unterscheiden, befasst sich an der Saar-Universität Professor Frank M. Spinath mit seiner Arbeitsgruppe am Lehrstuhl für Differentielle Psychologie.

Elisabeth Hahn hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit untersucht, inwieweit unsere Erbanlagen Unterschiede speziell in der Zufriedenheit und der Persönlichkeit erklären können und inwieweit Umwelteinflüsse hier eine Rolle spielen. Ihr Ergebnis: Zu 30 bis 37 Prozent stehen die Unterschiede in Sachen Zufriedenheit unter genetischem Einfluss.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass es eine stabile Komponente der Zufriedenheit gibt, und diese lässt sich vermutlich genetisch erklären. Für jeden Menschen existiert also eine Art Grundtendenz, eher zufrieden oder unzufrieden zu sein. Das bedeutet aber nicht, dass derjenige, der von seinen Anlagen her die Dinge eher negativ sieht, daran nichts ändern kann“, erklärt Elisabeth Hahn. Ein angeborener Hang zum Schwarzsehen bedeute für die Betreffenden jedoch, dass sie sich wahrscheinlich mehr anstrengen müssen, um zufrieden zu sein. „So macht etwa mehr Geld nicht alle Menschen gleichermaßen zufrieden – jeder hat seine eigene Grundtendenz und individuelle Umwelteinflüsse, die ihn prägen“, sagt die Psychologin.

Um Fragen nach dem Einfluss von Genen und Umwelt zu beantworten, untersucht die Saarbrücker Arbeitsgruppe üblicherweise Zwillinge: Eineiige sind zu 100 Prozent genetisch identisch, daher spricht viel dafür, dass Unterschiede zwischen ihnen durch Umwelteinflüsse bedingt sind. Auch Elisabeth Hahn analysierte für ihre Studie Zwillinge, darüber hinaus aber auch Geschwisterpaare, Mütter und Kinder, Großeltern und Enkel. Insgesamt waren es 1308 Paare im Alter von 17 bis 70 Jahren.

„Hierdurch war es möglich, die genetischen und umweltbedingten Einflüsse auf die Lebenszufriedenheit genauer zu schätzen, zu vergleichen und differenzierter zu erfassen. Das verleiht der Untersuchung besondere Aussagekraft“, erklärt sie.

Bei ihrer Forschung konnte sie auf repräsentative Befragungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) aus einem Zeitraum von 20 Jahren zugreifen: Das DIW befragt jedes Jahr deutsche Haushalte auch zur Zufriedenheit. Die Gruppe der ein- und zweieiigen Zwillinge befragte Elisabeth Hahn selbst. Die Psychologin analysierte die Daten nach Ähnlichkeiten. „Das Verhältnis der Ähnlichkeiten von zum Beispiel Zwillingen und normalen Geschwistern lässt Rückschlüsse zu, wie der Einfluss von Genen und Umwelt prozentual verteilt ist“, erklärt sie.

Auch wie die Lebenszufriedenheit mit der Persönlichkeit zusammenhängt, untersuchte die Psychologin. „Dass die Wesenszüge eines Menschen etwa zur Hälfte erblich sind, haben Studien immer wieder bestätigt, das gilt auch für meine Studie. Interessant war aber, dass sich zwischen Lebenszufriedenheit und Persönlichkeit ein stabiler Zusammenhang zeigte.

Das hat die Frage aufgeworfen, inwieweit für diesen Zusammenhang gemeinsame genetische Einflüsse verantwortlich sind“, sagt sie. Das Ergebnis war überraschend eindeutig: „Sämtliche genetischen Einflüsse auf die Lebenszufriedenheit wirkten sich zugleich auf die Persönlichkeit aus und können somit durch die Persönlichkeit erklärt werden.

Der Zusammenhang zwischen diesen beiden Merkmalen scheint demnach auf gemeinsamen genetischen Faktoren zu beruhen“, erläutert sie. Die Analyse zeigte außerdem, dass es Umweltfaktoren gibt, die gleichermaßen die Zufriedenheit wie die Persönlichkeit beeinflussen.

Für ihre herausragende Forschungsleistung zeichnet die Universitätsgesellschaft des Saarlandes Elisabeth Hahn als eine der elf besten Nachwuchswissenschaftler der Universität mit dem Dr.-Eduard-Martin-Preis 2014 aus.

Kontakt für die Presse:
Dr. Elisabeth Hahn, Tel.: 0681/302-64238
E-Mail: e.hahn@mx.uni-saarland.de

Ein Pressefoto für den kostenlosen Gebrauch finden Sie unter
http://www.uni-saarland.de/pressefotos. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen.

Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Telefoninterviews in Studioqualität sind möglich über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Kontakt: 0681/302-2601, oder -64091.

Weitere Informationen:

http://www.uni-saarland.de/lehrstuhl/diffpsy.html

Claudia Ehrlich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise