Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zuckergetränke schädigen Blutzucker und Herz

09.03.2010
Ernährungsexperte: "Wassertrinken zum Durstlöschen angewöhnen"

Die Vorliebe der US-Bürger für gezuckerte Getränke hat schlimme Folgen für die Gesundheit des Landes. Darauf haben Forscher der University of California in San Francisco am Jahreskongress der American Heart Association aufmerksam gemacht. Laut ihren Berechnungen sind innerhalb von zehn Jahren 130.000 Diabetes-Fälle direkt auf den Boom von Softdrinks, Sportgetränken und Fruchtsäften zurückzuführen. Schuld seien die Drinks auch an einer hohen Zahl koronarer Herzkrankheiten.

Tödliche Softdrinks

"Wir konnten einen Zusammenhang zwischen dem täglichen Konsum von gezuckerten Getränken und dem Diabetes-Risiko zeigen. So kann man auch schätzen, wie viele der aktuellen Diabetes- und Herz-Kreislauf-Neuerkrankungen auf den Anstieg des Softdrink-Konsums zurückgehen", berichtet die Studienleiterin Litsa Lambrakos. So seien in den vergangenen zehn Jahren allein infolge des gestiegenen Konsums gezuckerter Getränke 130.000 Menschen an Diabetes und 14.000 an Herzkrankheiten neu erkrankt. 50.000 Lebensjahre seien dabei in Summe als Folge der vorzeitigen Todesfälle verloren gegangen.

Die Forscher gingen noch einen Schritt weiter und schätzten die zusätzlichen Folgekosten für das Gesundheitssystem der USA im Zeitraum zwischen 2000 und 2010. Bis zu 550 Mio. US-Dollar habe allein die Behandlung der Herzerkrankungen gekostet, die durch Zuckergetränke ausgelöst wurden, viel höher sei dies allerdings bei Diabetes. Als beste der möglichen Gegenmaßnahmen schlagen die Experten eine höhere Besteuerung der Zuckergetränke vor. 33 US-Cent mehr pro Liter würde demnach einen Konsumrückgang von zehn Prozent bewirken.

Getränkehersteller protestieren

Erwartungsgemäß prompt reagierte die Interessensvertretung der Getränkehersteller ABA http://www.ameribev.org auf die Studie. "Herzkrankheiten und Diabetes sind komplexe Probleme, die mehr als eine einzige Ursache haben. Hoher Zuckerkonsum ist bei keinem der beiden ein anerkannter Risikofaktor", ist der Pressemitteilung zu entnehmen. Die Softdrink-Steuer, gegen die die ABA allein im Vorjahr mit einem Aufwand von 18,8 Mio. Dollar Lobby betrieb, sei "diskriminierend, unfair und rückschrittlich".

Direkter Link zum Übergewicht

Der Stoffwechsel- und Ernährungsexperte Berthold Koletzko vom Uniklinikum München http://www.klinikum.uni-muenchen.de muss beiden Streitparteien recht geben. "Es stimmt, dass die Ursachen beider Krankheiten komplex sind. Der Zuckerkonsum alleine macht nicht zuckerkrank und bringt auch niemanden um. Allerdings steigt bei regelmäßigem Verzehr das Risiko für Übergewicht, das sehr wohl zentraler Risikofaktor für das metabolisches Syndrom, für Diabetes und erhöhte Blutfettwerte sowie auch für koronare Herzkrankheiten ist", so der Mediziner.

Besonders problematisch sei regelmäßiges Trinken von Softdrinks, aber auch von Fruchtsäften. "Beide sind sehr kalorienhaltig, machen aber nicht satt, da sie den Magen viel schneller verlassen als feste Nahrung. Mitunter steigt beim Trinken saurer Säfte der Appetit sogar", so Koletzko. Ein besonderes Problem sei, dass auch in Europa die Getränke-Portionsgrößen im Supermarkt und Fastfood-Restaurants stark zugenommen haben. "Ein Kind oder Jugendlicher trinkt einen Becher meist aus, egal wie groß er ist. Es ist jedoch riskant, Kinder von Klein auf an solche Zuckerbomben zu gewöhnen." Ähnlich würden Fruchtsäfte immer mehr als Obstersatz herangezogen.

Wundermittel Wasserspender

Ausreichendes Trinken ist für Klein und Groß wichtig, um leistungsfähig zu bleiben. Die Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin http://www.dgkj.de , der Koletzko angehört, empfiehlt Eltern und Pädagogen, Kindern schon vor der Schule mit dem Wassertrinken als Maßnahme gegen den Durst anzugewöhnen. "Energiearme Getränke wie Wasser, Früchtetees oder Saftschorle mit wenig Saft sind gesündere Durstlöscher als Softdrinks oder Fruchtsäfte", so der Münchner Ernährungsexperte.

Erfolg hätte bisher das Deutschland-weite Programm Tigerkids http://www.tigerkids.de gezeigt, bei dem Kindern in Tageseinrichtungen häufig Trinkwasser angeboten wurde. "Die im Kindergarten erlernte Gewohnheit übernehmen die teilnehmenden Kinder auch zuhause und waren nach einem Jahr weniger übergewichtig waren als Kinder, die nicht am Programm teilnahmen", berichtet Koletzko. Die Installation von Wasser-Trinkbrunnen sei besonders auch in Schulen ratsam. "Mit minimalem Aufwand und kann die Schule so ihrer Aufgabe nachkommen, gesundheitsförderndes Verhalten zu vermitteln."

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.ucsf.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Preiswerte Katalysatoren finden und verstehen: Auf das Eisen kommt es an

24.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Hoffnung für Leberkrebspatienten

24.03.2017 | Medizintechnik

Innovationslabor für neue Wege in die digitale Zukunft

24.03.2017 | Förderungen Preise