Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ziele muss man haben

30.10.2012
Feldstudie zeigt die motivierende Wirkung von Zielvorgaben

Zielsetzungen gibt es in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens. Dass nicht alle funktionieren, weiß jeder, der schon einmal seine zu Silvester gefassten Vorsätze im Verlauf des neuen Jahres zusammenschnurren sah.

"Aus der einschlägigen Literatur über Motivation und Ziele wissen wir, dass Ziele spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und zeitlich begrenzt sein sollten", so der Ökonom Sebastian Goerg vom Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn über den Schlüssel zum Erfolg.

Um den Zusammenhang von Arbeitszielen, finanziellen Anreizen und Arbeitsleistung zu beleuchten, schickte er zusammen mit seinem Kollegen Sebastian Kube Probanden auf Büchersuche in einer Bibliothek. Dabei fanden sie heraus, dass eine Kombination aus selbstgesteckten Leistungsvorgaben und finanziellen Anreizen besonders motivierend auf das Arbeitsverhalten wirkt.

Die Versuchsteilnehmer sollten für die Neuorganisation einer Bibliothek einen Tag lang bestimmte Bücher suchen. "Wir wollten die Rahmenbedingungen möglichst natürlich halten, das heißt die Beteiligten wussten nicht, dass Sie dabei beobachtet wurden", so Goerg über den Aufbau des Feldversuchs. Für ihr Experiment teilten Goerg und Kube ihre Probanden in verschiedene Gruppen mit leistungsabhängiger Bezahlung ein.

In der Referenzgruppe erhielten die Teilnehmer zusätzlich zu einem Grundgehalt pro Fundstück zehn Euro-Cent. Mitglieder einer zweiten Gruppe bekamen den gleichen Betrag, mussten aber zu Beginn quasi als Zielsetzung eine Prognose über das Endergebnis machen. "Allerdings hatte es für sie keinerlei finanzielle Konsequenzen, wenn sie weniger Bücher fanden", so die Forscher in ihrem soeben veröffentlichten Arbeitspapier. Diese kamen erst bei der dritten Gruppe ins Spiel, die ebenfalls ihr Arbeitsergebnis im Vorfeld einschätzen musste und zudem Boni erhielt, wenn dieses selbstgesteckte Ziel erreicht wurde. Außerdem gab es noch Gruppen, die eine vorgegebene Anzahl von Büchern zu finden hatten. Eine davon musste 100 Exemplare auftreiben, die andere die Hälfte.

Wie die Studie zeigte, wirken sich unterschiedliche Arbeitsziele und Bezahlungsarten deutlich auf Leistung und Motivation aus. Mit durchschnittlich 116 Büchern fiel das Resultat bei selbstgesteckten Zielen messbar höher aus als bei Stückzahlhonorierung. Nicht minder spannend findet Goerg die Beobachtung, dass die Teilnehmer zu überhöhten Prognosen neigten, wenn sie keine negativen Konsequenzen beim Verfehlen der eigenen Vorsätze hatten. Selbst, wenn ihnen klar wurde, dass sie diese niemals erreichen würden, arbeiteten sie trotzdem deutlich eifriger als ohne Zielvorgabe weiter. "Schließlich wussten sie, dass sie immer noch für jedes Buch Geld bekommen", so der Forscher.

Steht allerdings ein Bonus auf dem Spiel, neigen Menschen offenbar zu größerem Realismus bei der Einschätzung ihres Arbeitserfolges: In diesem Teil des Feldversuchs schafften 64 Prozent ihr Ziel - ohne Konsequenzen war es gerade einmal die Hälfte. Wenn die Zielvorgaben dagegen nicht selbstgesteckt waren, sondern von außen vorgegeben wurden, wirkte sich dies zwar einerseits nachteilig auf das Resultat aus. Andererseits brachten die Teilnehmer immer noch höhere Bücherzahlen zusammen als die Referenzgruppe ohne Ziele.

Auch vorgegebene Ziele steigern also das Ergebnis. Dabei ist es jedoch besser, jeden Mitarbeiter sein eigenes Ziel formulieren zu lassen. "Denn Zielvorgaben für ganze Gruppen sind wegen der Unterschiede in der Leistungsfähigkeit der Einzelnen problematisch und könnten kontraproduktiv wirken", warnt der Ökonom. "So könnte manches Ziel die einen motivieren, die anderen aber ausbremsen." Denn wie das Experiment auch zeigte, erreichen manche Menschen Vorgaben leicht, die von für andere schon Schwerstarbeit sind.

Damit sind die Ergebnisse im Einklang mit bisherigen psychologischen Studien zur Wirksamkeit von Zielen. Darüberhinaus zeigt die Studie, dass es von Vorteil sein kann, wenn Arbeitnehmer sich selbst ihre persönlichen Ziele und damit den möglichen finanziellen Bonus sowie den Schwierigkeitsgrad aussuchen. "Die Kombination von selbstgesteckten Leistungsvorgaben und finanziellen Anreizen wirkt besonders motivierend auf das Arbeitsverhalten", so das Fazit von Goerg und Kube.

Ansprechpartner
Prof. Dr. Sebastian Kube
Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern, Bonn
Telefon: +49 228 91416-50
Email: kube@­coll.mpg.de

Originalpublikation
Sebastian J. Goerg / Sebastian Kube
Goals (th)at Work. Goals, Monetary Incentives, and Workers’ Performance.
Preprints of the Max Planck Institute for Research on Collective Goods Bonn 2012/19

Prof. Dr. Sebastian Kube | Max-Planck-Institut
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/6604197/Zielsetzung_Motivation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie