Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ziele für Energieeffizienz und erneuerbare Energien senken Treibhausgase und Energiekosten

25.11.2013
Zwei neue Studien des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI und der Technischen Universität Wien zeigen, dass ein Klimaziel alleine nicht ausreicht, um zusätzliche Energieeinsparungen zu realisieren und für eine kontinuierliche Weiterentwicklung erneuerbarer Energien zu sorgen.

Bleiben hierbei weitere Anstrengungen aus, könnte die EU eine wichtige Gelegenheit verpassen, um Energieverschwendung sowie übermäßige Ausgaben für Energieimporte einzuschränken.

Verbindliche Zielvorgaben für Energieeffizienz und erneuerbare Energien sollten deshalb mit einem möglichen europaweiten Klimaziel für das Jahr 2030 einhergehen. Dies ist notwendig, um eine ehrgeizige Reduzierung der Treibhausgasemissionen sicherzustellen, ohne dabei die Kosteneffizienz der Energieversorgung sowie die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu vernachlässigen.

"Zum Erreichen der langfristigen EU-Klimaziele bis 2050 sind neue Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz und im Bereich der erneuerbaren Energien erforderlich. Wir müssen diese Technologien schon heute entwickeln, um sie verfügbar zu haben, wenn wir sie brauchen", unterstreicht Dr. Wolfgang Eichhammer, Leiter des Competence Centers Energiepolitik und Energiemärkte am Fraunhofer ISI.

Ohne verbindliche Ziele bei den erneuerbaren Energien und Energieeffizienz bis 2030 könnten sich die Technologien in diesen Bereichen nur auf das europäische Emissionshan­delssystem (EU Emission Trading System, ETS) stützen. Dieses müsste dann die notwendigen Investitionsanreize schaffen, was mit einheitlichen und somit für bestimmte Technologien geringeren Vergütung und einem höheren Risiko verbunden wäre.

Hohe Risikozuschläge für Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz würden die spezifischen Erzeugungskosten für jene Anlagen unnötig in die Höhe treiben, die fortan errichtet würden. Außerdem könnte dies die weitere Entwicklung von derzeit noch marktferneren und momentan vergleichsweise teuren Tech­nologien behindern, wodurch Lernprozesse und Kosteneinsparun­gen ausbleiben würden, die in kommenden Jahrzehnten dringend notwendig sind.

Die Studienergebnisse des TU Wien Konsortiums zeigen dabei auf, dass der Anteil erneuerbarer Energien im Jahr 2030 nur 26 Prozent beträgt, wenn ETS das einzige eingesetzte Instrumentarium bleibt − verglichen mit einen Anteil von bis zu 31,2 Prozent in anderen Analyseszenarien. Erneuerbare Energieträger führen jedoch durch den sogenannten Merit-Order-Effekt auf den Strom- und CO2-Märkten zu einer Senkung der Großhandelspreise. Ein niedrigerer Anteil an erneuerbaren Energien würde zwar Kosten für deren Förderung einsparen, jedoch zu höheren Stromgroßhandels- und CO2-Preisen führen, wodurch die finanzielle Belastung für Stromkunden ungefähr gleich bliebe.

"Wir können also zu denselben Kosten einen höheren Anteil erneuerbarer Energien erreichen, aber dazu bräuchte es eines eindeutigen Bekenntnisses für diese − eine ver­bindliche Zielvorgabe im Hinblick auf erneuerbare Energien bis zum Jahr 2030 wäre ein zukunftweisender Schritt in diese Rich­tung", erklärt Dr. Gustav Resch von der Energy Economics Group der TU Wien.

Zusätzlich hat das Fraunhofer ISI ein kosteneffizientes Energieeinsparpotenzial von 41 Prozent für 2030 errechnet. Dieses Ergebnis basiert auf einer Bottom-up-Bewertung des Fraunhofer ISI, wobei für einzelne Branchen folgende Einsparpotenziale ermittelt wur­den: Industrie (21 Prozent), Privathaushalte (61 Prozent), Dienst­leistungssektor (38 Prozent) sowie Verkehr- und Transportwesen (41 Prozent). Würden diese Einsparpotenziale realisiert, könnten private Haushalte und die Industrie in Europa ab dem Jahr 2030 ihre Energieausgaben um jährlich etwa 240 Milliarden Euro netto absenken. Eine realistische Zielvorgabe zur Verbesserung der Energieeffizienz für 2030 erscheint deshalb nützlich und würde Energiekunden helfen, ihre Energiekosten weiter zu reduzieren.

"Durch eine angemessene Kombination von drei Zielen, also für Klimaschutz, erneuerbare Energien und Energieeffizienz, sowie entsprechender politischer Maßnahmen lässt sich ein ausgewogenes Verhältnis von Wettbewerb und Risiko erhalten", erläutert Dr. Mario Ragwitz vom Fraunhofer ISI. Somit könnte, beispielswei­se auf Basis des ETS oder flankierender Maßnahmen, ein Ausbau kostengünstiger Technologien erreicht werden, während gleichzei­tig die Weiterentwicklung von derzeit noch weniger ausgereiften Technologien vorangetrieben würde, was eine positive Wirkung auf die europäische Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit hätte.

Die Europäische Union verhandelt mit ihren Mitgliedstaaten derzeit über ein neues Zielsystem für 2030, das der 2020-Zielvereinbarung nachfolgen soll, die eine Reduzierung der Treibhausgasemis­sionen und des Energieverbrauchs um 20 Prozent sowie eine Er­höhung des Anteils erneuerbarer Energien auf 20 Prozent vorsieht. Die EU-Kommission wird voraussichtlich zu Beginn des Jahres 2014 einen Vorschlag hierzu vorlegen.

Die Studie "Analysis of a European Reference Target System for 2030" des Fraunhofer ISI finden Sie unter http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/x/projekte/2030-target-system.php.

Die Ergebnisse des durch die TU Wien koordinierten und von der EU im Rahmen des "Intelligent Energy Europe" Programms geförderten Projekts "beyond2020 − Design and impact of a harmonised policy for renewable electricity in Europe" finden Sie unter http://www.res-policy-beyond2020.eu. Unter Beteiligung des Fraunhofer ISI arbeitete im Projekt "beyond2020" ein Konsortium, bestehend aus Forschungsinstitutionen, Beratern und Industriepartnern aus ganz Europa an der Folgen­abschätzung und Bewertung verschiedener energiepolitischer Hand­lungsoptionen für erneuerbarer Energien im Europa nach 2020.

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/x/projekte/2030-target-system.php
http://www.res-policy-beyond2020.eu

Anne-Catherine Jung | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics