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ZEW-Studie zu Finanzierungsproblemen junger Hightech-Unternehmen

07.02.2013
Finanzierungsprobleme von Start-Ups - Externe Ratings lassen Banken bei Kreditvergabe an junge Hightech-Unternehmen weitgehend kalt

Externe Kreditwürdigkeitsprüfungen durch Rating-Agenturen haben für Banken bei der Kreditvergabe an Unternehmen, aufgrund der verschärften Regulierung durch Basel II, erheblich an Bedeutung gewonnen.

Die These, ungünstige oder fehlende Ratings seien der Grund dafür, dass insbesondere innovative, noch nicht etablierte Unternehmen ohne aussagekräftige Kredithistorie oft erhebliche Schwierigkeiten hätten, Bankkredite zu erhalten, bestätigt sich jedoch nicht.

Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt zwar, dass negative Ratings generell für Unternehmen den Zugang zu Krediten erschweren. Gerade für junge, innovative Unternehmen fällt dieser Effekt allerdings deutlich geringer aus als für andere.

Start-Up Unternehmen in Deutschland klagen häufig über erhebliche Schwierigkeiten, Zugang zu Bankkrediten zu erhalten, obwohl diese die für sie wichtigste Quelle externen Kapitals zur Finanzierung von Innovationsprojekten und Erweiterungsmaßnahmen sind. Das ist problematisch, denn neu gegründete und junge Unternehmen vor allem im Hightech-Bereich leisten einen wichtigen Beitrag zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und schaffen neue Arbeitsplätze.

Umso interessanter ist die Beobachtung der ZEW-Studie, dass Ratings bei der Kreditvergabe an neu gegründete Unternehmen des Hightech-Bereichs eine geringere Rolle spielen als bei Unternehmen in der traditionellen Industrie. So ist ein Hightech-Unternehmen von einem schlechten externen Krediturteil weniger stark betroffen als ein Unternehmen in traditionellen Wirtschaftszweigen. Banken scheinen externen Ratings von Hightech-Unternehmen eine geringere Aussagekraft zuzusprechen und stützen ihre Entscheidung mehr auf andere, weiche Faktoren. Liegt für ein junges Unternehmen gar kein externes Rating vor, so wird dieses von Banken scheinbar genauso behandelt, wie ein Unternehmen mit einem guten oder sehr guten Rating.

Die Untersuchung zur Kreditvergabe an Start-Up Unternehmen, die im Rahmen des SEEK-Programms am ZEW (weitere Informationen am Ende der Pressemitteilung) durchgeführt wurde, basiert auf dem KfW/ZEW Start-Up Panel mit Daten zu mehr als 9.700 Unternehmen, die in den Jahren 2005 bis 2009 gegründet wurden. Diese Daten wurden mit Informationen der Kreditauskunftei Creditreform zu den Ratings der Unternehmen und ihrer Hausbank zusammengeführt. Dabei zeigte sich, dass von den im Panel befindlichen Unternehmen insgesamt 26 Prozent einen Bankkredit benötigten. Das entspricht einem Anteil von 65 Prozent an allen Unternehmen, die auf externe Finanzierung zurückgegriffen haben. Dabei berichteten etwa 41 Prozent der jungen Hightech Unternehmen und etwa 36 Prozent der jungen Unternehmen aus traditionellen Branchen von Problemen bei der Kreditvergabe.

Die ZEW-Analyse zeigt auch, dass mit der Größe einer Bank deren Zurückhaltung bei der Vergabe von Krediten an junge Unternehmen wächst. Dies könnte erklären, weshalb junge Unternehmen sowohl im Hightech-Bereich als auch in den traditionellen Branchen, die eine Großbank als Hausbank haben, seltener Bankkredite in Anspruch nehmen und öfter von Schwierigkeiten berichten, einen Bankkredit zu erhalten. Indessen ist der Effekt der Bankgröße auf die Kreditverfügbarkeit allerdings eher gering. Befürchtungen, dass die Bankenkonsolidierung – allein zwischen 1990 und 2010 ist die Anzahl der Banken in Deutschland um 53 Prozent zurückgegangen – den Zugang junger Unternehmen zu Krediten deutlich erschwert, sind daher unbegründet.

Das vierseitige Policy Brief "Start-up Financing: How Credit Ratings and Bank Concentration Impact Credit Access" mit einer ausführlichen Darstellung der Forschungsergebnisse in englischer Sprache finden Sie auf der ZEW Homepage unter: http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/policybrief/pb01-13.pdf

Für Rückfragen zum Inhalt:
Daniel Höwer, Telefon 0621/1235-187, E-Mail hoewer@zew.de

Hintergrundinformationen zu SEEK:
Das Forschungsprogramm "Strengthening Efficiency and Competitiveness in the European Knowledge Economies" (SEEK) am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) möchte die internationale Kooperation zwischen Wissenschaftlern aus allen wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen stärken. Das Land Baden-Württemberg fördert dieses "Leuchtturmprojekt" des ZEW in Mannheim.

Gunter Grittmann | idw
Weitere Informationen:
http://seek.zew.eu/
http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/policybrief/pb01-13.pdf

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