Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit: 1,5 Mio. Euro für Forschungsprojekt über die Rolle des Belohnungssystems bei Süchten

02.07.2010
Professor Rainer Spanagel, Leiter der Abteilung Psychopharmakologie am ZI, erhält von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eine Forschungsförderung in Höhe von 1,5 Mio. Euro. Die Förderung im sogenannten Reinhart-Koselleck-Projekt läuft über 5 Jahre und beschäftigt sich mit der Untersuchung von Belohnungsprozessen bei Suchtverhalten. Mit der Vergabe des Reinhart-Koselleck-Projektes unterstützt die DFG Wissenschaftler mit einem herausragenden wissenschaftlichen Lebenslauf zur Durchführung besonders innovativer oder im positiven Sinne risikobehafteter Projekte.
Das Besondere an der Studie von Professor Spanagel ist die Verknüpfung von zwei der modernsten Forschungsmethoden bei Versuchstieren: das Hochfeld-Neuroimaging und die optogenetische Stimulation. Mit dem Bruker BioSpec

MR-Tomograph kommt ein High-Tech Gerät zum Einsatz, welches im Mai 2008 am ZI installiert wurde und damit eines der ersten Geräte dieser Art in Deutschland ist. Der Vorteil des BioSpec besteht in seinem hohen Magnetfeld von 9,4 Tesla, das eine exzellente zeitliche und räumliche Auflösung von Gehirnstrukturen erlaubt. In Kombination mit optogenetischen Methoden sollen spezifische Nervenzellpopulationen stimuliert werden, um so Einsicht in die Informationsverarbeitung im lebenden Gehirn zu erhalten. Mit dieser kreativen Methodenkombination lassen sich Krankheitsverläufe im Gehirn über viele Monate beobachten.

Inhalt des Projektes von Professor Spanagel ist die Erforschung des Belohnungssystems bei Suchtverhalten. Dopaminerge Neurone im Mittelhirn spielen eine Schlüsselrolle im Prozessieren von Belohnung und zielgerichtetem Verhalten. Veränderte dopaminerge Aktivität und dysfunktionales Prozessieren von Belohnung finden sich bei verschiedenen psychischen Störungen. Vor allem bei Suchterkrankungen ist das zielgerichtete Verhalten stark gestört, was sich u.a. im immer stärker werdenden suchtmittelorientierten Verhalten eines Suchtabhängigen im Alltagsleben zeigt. Die zugrundeliegende Neurobiologie des veränderten Belohnungssystems während des Entstehens, der Aufrechterhaltung und der möglichen Remission des Suchtverhaltens ist nach wie vor kaum geklärt.

Ziel des Projektes ist die Untersuchung der Dynamik der dopaminergen Neurone im Mittelhirn und ihre Konnektivität innerhalb des Belohnungssystems mittels multimodalem Imaging bei süchtigen Ratten. In diesem Tierexperiment entwickeln ca. 15% der Ratten nach einer mehrmonatigen Phase intravenöser Selbstverabreichung von Kokain ein suchtähnliches Verhalten, das vergleichbar mit dem Suchtverhalten eines kokainabhängigen Menschen ist. Ähnliche Zahlen beim Menschen zeigen, dass nur ein Bruchteil der „User“ letztendlich abhängig wird. Mit Hilfe des Neuroimagings und der optogenetischen Stimulation sollen Veränderungen im Belohnungssystem und den zugrundeliegenden dopaminergen Aktivitäten sowie die Konnektivität in einem Langzeitversuch bei süchtigen Tieren im Vergleich zu nicht süchtigen Tieren untersucht werden.

Die Ergebnisse, die aus den kernspintomographischen Studien der Tierexperimente gewonnen werden, können direkt auf Bedingungen im menschlichen Gehirn übertragen werden, so Professor Spanagel. „Dank des Einsatzes innovativer Forschungsmethoden erwarten wir fundamental neue Erkenntnisse über die Entstehung des Suchtverhaltens, aber auch über andere psychische Störungen wie pathologisches Spielen und Depression, bei denen das Belohnungssystem eine Rolle spielt“.

Kontakt:
Prof. Dr. Rainer Spanagel
Abteilung Psychopharmakologie
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
J5, 68159 Mannheim
Tel.: 0621 / 1703-6251
E-Mail: rainer.spanagel@zi-mannheim.de

Sigrid Wolff, | idw
Weitere Informationen:
http://www.zi-mannheim.de

Weitere Berichte zu: Mittelhirn Neurone Suchtverhalten psychische Störung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten