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Zeitverzögerte Vergütung – schlechtere Chancen für ältere Bewerber

15.05.2012
Studie: Betriebe mit zeitverzögerter Kompensation stellen seltener ältere Menschen ein

Trotz demografischen Wandels und Fachkräftemangel sind ältere Arbeitslose auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor eine Problemgruppe. Warum werden ältere Jobsuchende deutlich seltener eingestellt als jüngere?

Dafür werden in der öffentlichen Diskussion zwei Erklärungen geliefert: Ältere seien weniger produktiv, zum anderen würden sie wegen ihres Alters diskriminiert. Es gibt noch einen dritten Erklärungsansatz, der bislang wenig beachtet wurde. Dieser Ansatz stellt innerbetriebliche Anreizsysteme in den Mittelpunkt: ältere Arbeitssuchende haben insbesondere dann schlechtere Chancen, wenn Betriebe ihre Mitarbeiter auf der Basis zeitlich verzögerter Kompensationsformen vergüten.

Dies zeigen der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Uwe Jirjahn von der Universität Trier und seine Kollegen Prof. Dr. John S. Heywood (University of Wisconsin-Milwaukee) und Dr. Georgi Tsertsvadze (ehemals Universität Hannover) in einer aktuellen Studie.

Um Arbeitnehmer zu motivieren, setzen Arbeitgeber oft zeitlich verzögerte Kompensationsformen ein. Danach werden die Mitarbeiter zu Beginn ihrer Karriere unterhalb ihrer Produktivität entlohnt und später oberhalb ihrer Produktivität. Eine neu eingestellte Arbeitskraft muss folglich entsprechend lange in dem Betrieb arbeiten, um in den Genuss der höheren Vergütung zu kommen. Nur dann wirkt die Kompensationssteigerung motivierend. Für neu eingestellte ältere Arbeitskräfte stellen diese Kompensationsformen keinen Anreiz dar, weil sie wegen des fortgeschrittenen Alters keine längere Beschäftigungsperspektive haben. Dies lässt erwarten, dass Arbeitgeber, die Mitarbeitern durch zeitlich verzögerte Kompensation motivieren, ein geringeres Interesse an der Einstellung älterer Bewerber haben.

In ihrer empirischen Analyse mit Daten von über 500 Betrieben zeigen die Wissenschaftler, dass Betriebe mit zeitlich verzögerten Kompensationsformen – etwa in Form einer betrieblichen Altersversorgung – in der Tat zurückhaltender bei der Neueinstellung älterer Arbeitskräfte sind als Betriebe, die diese Kompensationsformen nicht einsetzen. Sofern Betriebe mit zeitlich verzögerten Kompensationsformen ältere Arbeitskräfte neu einstellen, setzen sie diese eher für periphere Teilzeittätigkeiten ein, bei denen eine Leistungsüberwachung einfacher ist und sich das Problem der Motivation durch komplexe Anreizinstrumente nicht stellt.

Die Untersuchung gibt Impulse für die wirtschaftspolitische Diskussion. Die Motivation von Mitarbeitern durch geeignete Anreizinstrumente ist eine zentrale Voraussetzung für betrieblichen Erfolg. Welches Anreizinstrument ein Betrieb wählt, hängt von den jeweiligen betrieblichen Rahmenbedingungen ab. Betriebe mit zeitlich verzögerten Kompensationsformen haben gute Gründe dieses Anreizinstrument zu nutzen. Damit fallen diese Betriebe aber weitgehend aus, wenn es darum geht, arbeitslosen Älteren neue Beschäftigungsperspektiven zu bieten. Dies wird eher in Betrieben möglich sein, die sich alternativer Kompensationsformen wie z.B. einer direkten Leistungsentlohnung bedienen.

Die Studie:
John S. Heywood, Uwe Jirjahn and Georgi Tsertsvadze. 2011. “Part-Time Work and the Hiring of Older Workers,“ Applied Economics, Vol. 43, pp. 4239-4255.

Peter Kuntz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-trier.de/

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