Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Zahl Kopfhörer tragender Fußgänger, die von Autos oder Zügen erfasst werden, hat sich seit 2004 mehr als verdreifacht

17.01.2012
Teenager und junge erwachsene Männer sind hauptsächlich betroffen; fast drei Viertel aller Verletzungen enden tödlich

Kopfhörer tragende Fussgänger aufgepasst! Können Sie Züge oder Autos in Ihrer unmittelbaren Umgebung hören?

Der Grossteil vermutlich nicht, insbesondere junge erwachsene Männer. Die Zahl der Fussgänger, die ihren Kopfhörern lauschend schwere Verletzungen aus Unfällen davontragen, hat sich in sechs Jahren mehr als verdreifacht. Dies geht aus einer neuen Studie der University of Maryland School of Medicine und des University of Maryland Medical Center in Baltimore hervor.

Häufig können Fussgänger die Hupgeräusche von Autos und Zügen nicht hören, wobei die Opfer in fast drei Viertel der Fälle ihren Verletzungen erliegen.

"Jeder ist sich des Risikos bewusst, das der Gebrauch von Mobiltelefonen oder das Verfassen von Textmitteilungen im Strassenverkehr mit sich bringt. Trotzdem sieht man immer mehr Teenager, die sich Kopfhörer tragend mit ihrem neuesten Gerät beschäftigen und abgelenkt sind", so Hauptverfasser Dr. med. Richard Lichenstein, der ausserdem als Dozent für Pädiatrie an der University of Maryland School of Medicine sowie als Leiter für pädiatrische Notfallmedizin-Forschung im University of Maryland Medical Center tätig ist. "Da wir immer verlockendere Geräte entwickeln, steigt auch das Risiko von Unfällen, die auf Ablenkung und ausgeblendete Umgebungsgeräusche zurückzuführen sind."

Dr. Lichenstein und seine Kollegen untersuchten nachträglich erstellte Fallstudien des nationalen elektronischen Überwachungssystems für Verletzungen (NEISS), der US-Komission für die Sicherheit von Verbraucherprodukten (CPSC) sowie der Google News Archives und der Forschungsdatenbanken des Westlaw Campus. Die zwischen 2004 und 2011 publizierten Berichte beziehen sich auf Unfälle, bei denen Fussgänger durch Kollisionen mit Zügen oder motorisierten Fahrzeugen Verletzungen davontrugen oder zu Tode kamen. Fälle, bei denen der Gebrauch von Kopfhörern im Spiel war, wurden isoliert betrachtet und zusammengefasst. Die Untersuchung wurde heute im Journal Injury Prevention veröffentlicht.

Die Wissenschaftler überprüften insgesamt 116 Unfälle aus den Jahren 2004 bis 2011, bei denen Fussgänger nachweislich von Kopfhörern Gebrauch machten. Siebzig Prozent der insgesamt 116 Unfälle endeten für den Fussgänger tödlich. Mehr als zwei Drittel aller Unfallopfer (68 Prozent) waren männlich und unter 30 Jahre alt (67 Prozent). Über die Hälfte der in Unfälle involvierten Fahrzeuge waren Züge (55 Prozent) und in fast einem Drittel der Fälle (29

Prozent) ertönte unmittelbar vor dem Unfall ein fahrzeugseitiges Hupgeräusch. Die über die Jahre gestiegene Unfallhäufigkeit geht mit der nachweislich steigenden Beliebtheit von akustischen Technologien mit Kopfhörerunterstützung einher.

"Diese Untersuchung ist ein grossartiges Beispiel dafür, wie die täglichen Erfahrungen unserer Ärzte im Krankenhaus mit einem breiteren wissenschaftlichen Ansatz untersucht werden, um ein beunruhigendes soziales Problem aufzudecken, dem grössere Bedeutung beigemessen werden muss", erklärten Dr. med. E. Albert Reece, Ph.D., M.B.A., der Vice President für medizinische Angelegenheiten der University of Maryland, sowie John Z. und Akiko K. Bowers, distinguierter Professor bzw. Dekan der University of Maryland School of Medicine. "Ich hoffe, dass diese Erkenntnisse dazu beitragen werden, die Ursache derartiger Verletzungen besser zu verstehen, präventive Massnahmen einzuleiten und die Unfallhäufigkeit schliesslich signifikant zu reduzieren."

Dr. Lichenstein und seine Kollegen wiesen auf zwei Ursachen hin, die wahrscheinlich mit derartigen Verletzungen und Todesfällen in Verbindung stehen: Ablenkung und sensorische Deprivation. Diese durch elektronische Geräte verursachte Form der Ablenkung wird auch als "Unaufmerksamkeitsblindheit" bezeichnet, wobei es durch multiple Stimulation zu einer Einschränkung der mentalen Verarbeitungskapazität des Gehirns kommt. Im Hinblick auf Kollisionen zwischen Kopfhörer tragenden Fussgängern und Fahrzeugen wird die Ablenkung durch sensorische Deprivation weiter erhöht. Die Fähigkeit des Fussgängers, das Warnsignal eines Zuges oder Fahrzeuges wahrzunehmen, wird durch die Geräusche des tragbaren elektronischen Geräts und durch den Kopfhörer eingeschränkt.

Laut Dr. Lichenstein sei die Studie nach der Überprüfung eines tragischen pädiatrischen Unfalls eingeleitet worden, bei dem ein einheimischer Teenager bei der Überquerung von Bahnschienen verunglückt ist. Der Teenager habe Kopfhörer getragen und sei dem sich nähernden Zug trotz akustischer Warnsignale nicht ausgewichen.

Eine erneute Prüfung des Sachverhalts deutete auf weitere Fälle hin, nicht nur in Maryland, sondern auch in den übrigen US-Bundesstaaten.

"Als pädiatrischer Unfallarzt und Person, die sich grundsätzlich für Sicherheit und Prävention interessiert, sah ich dies als Gelegenheit, um Eltern von Teenagern und junge Erwachsene zumindest auf das potenzielle Risiko aufmerksam zu machen, das mit dem Tragen von Kopfhörern in unmittelbarer Nähe von fahrenden Fahrzeugen verbunden ist", sagt er.

Lichenstein R, Smith D, Ambrose J, Moody L. "Headphone use and pedestrian injury and death in the United States: 2004-2011" (z. Dt.:
"Kopfhörergebrauch von Fussgängern und damit verbundene Verletzungen und Todesfälle in den Vereinigten Staaten von 2004-2011"). Injury Prevention. Onlinepublikation vom 17. Januar 2012.

doi:10.1136/injuryprev-2011-040161. Journalisten können die Fachpublikation unter http://press.psprings.co.uk/ip/january/ip040161.pdf abrufen

Pressekontakt:
Karen Lancaster, klancaster@umm.edu, oder Bill Seiler,
bseiler@umm.edu, +1-410-328-8919

Karen Lancaster | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.umm.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten