Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Würzburg: Modellregion für europaweite Herz-Studie

02.10.2012
Welchen Stellenwert hat die Prävention bei der Behandlung von Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung? Das untersuchen Herzforscher jetzt in 26 Ländern Europas. Deutschland ist mit der Region Würzburg vertreten: 500 Patienten aus dem Raum Würzburg und Kitzingen sind zur Teilnahme eingeladen.

Die koronare Herzkrankheit, also eine Verengung der Blutgefäße rund ums Herz, wird zunächst mit Medikamenten und Operationen behandelt. Aber auch ein gesunder Lebensstil kann die weitere Verkalkung der Gefäße bremsen.

„Der positive Effekt dieser Maßnahmen ist seit Jahren bekannt und fester Bestandteil der europäischen Behandlungsleitlinien“, sagt Peter Heuschmann, Leiter des Instituts für klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg. „In der EUROASPIRE IV-Studie wollen wir klären, wie gut dies in der Nachsorge von Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung tatsächlich umgesetzt wird.“

Das persönliche Risikoprofil

Seit August lädt das Würzburger Studienzentrum daher Patienten aus Würzburg und Umgebung zur Teilnahme an EUROASPIRE IV ein. Das Studienteam misst und erfragt die Risikofaktoren der Teilnehmer und prüft unter anderem die Herz-, Lungen- und Nierenfunktion. „Zusätzlich untersuchen wir, ob die Studienteilnehmer an einer Vorstufe von Diabetes oder an einer Nierenfunktionsstörung leiden“, sagt Heuschmann. Am Ende entsteht für jeden Teilnehmer ein Risikoprofil, das in die Auswertung der Studie einfließt. In einem weiteren Untersuchungsschritt erfassen die Würzburger Ärzte auch das Risiko der Patienten, an einer Herzschwäche und ihren Komplikationen zu erkranken.

Uniklinik und Klinik Kitzinger Land kooperieren

„Eine Studie dieser Größe kann nur in enger Kooperation mehrerer Kliniken gelingen“, betont Stefan Störk vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz, der gemeinsam mit Peter Heuschmann das deutsche EUROASPIRE-Studienzentrum leitet. Innerhalb der Uniklinik Würzburg sind die Klinik und Poliklinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie (Prof. Dr. Rainer Leyh) sowie die Abteilungen für Kardiologie, Endokrinologie und Nephrologie der Medizinischen Klinik und Poliklinik I (Prof. Dr. Georg Ertl) eingebunden.

Als externer Kooperationspartner konnte die Klinik Kitzinger Land gewonnen werden. „Die Prophylaxe, frühe Erkennung und Beobachtung von Risikofaktoren sind für uns wichtige Bestandteile des langfristigen Behandlungskonzepts. Daher empfehlen wir unseren Patienten mit koronarer Herzkrankheit die Teilnahme an der Studie“, sagt Wolfgang Karmann, Chefarzt der Abteilung für Kardiologie an der Klinik Kitzinger Land.

Unterfränkische Herzpatienten im europaweiten Vergleich

500 Patienten sollen bis Dezember in Würzburg an der Studie teilnehmen. Die Daten aus der Studienregion Würzburg werden dann mit den Daten aus allen 26 teilnehmenden Ländern gemeinsam ausgewertet. Erste Ergebnisse werden im Sommer 2013 vorliegen und wichtige Vergleiche mit den Ergebnissen der vorangegangenen drei EUROASPIRE-Studien erlauben. Seit 1995 analysiert eine Initiative der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie mit EUROASPIRE (European Action on Secondary and Primary Prevention by Intervention to Reduce Events) die Qualität der Nachsorge von Patienten mit koronarer Herzkrankheit im europäischen Vergleich.

Hintergrund Koronare Herzkrankheit

Fettreiches Essen, Rauchen und wenig Bewegung sind für das Herz und die Blutgefäße Gift. Arteriosklerose, umgangssprachlich Arterienverkalkung, ist eine häufige Folge dieses Lebensstils: Blutfette, Blutgerinnsel, Bindegewebe und Kalk lagern sich in den Gefäßwänden ab und verengen die Gefäße. Sind die Gefäße rund um das Herz betroffen, spricht man von einer Koronaren Herzkrankheit (KHK). Der Herzmuskel wird nicht mehr richtig durchblutet, bei Stress kann das einen Angina pectoris-Anfall (Brustenge) auslösen. Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz und Herzinfarkt sind weitere Begleiterkrankungen. Die KHK ist zusammen mit anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache in den Industrieländern.

Kontakt
Julia Kircher, Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie, T: (0931) 201- 47303; E-Mail: Kircher_J@klinik.uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sterngeburt in den Winden supermassereicher Schwarzer Löcher

28.03.2017 | Physik Astronomie

Wirbel als Räder der Natur

28.03.2017 | Architektur Bauwesen

Von der Bottnischen See bis ins Kattegat – Der Klimageschichte der Ostsee auf der Spur

28.03.2017 | Geowissenschaften