Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wohnort beeinflusst die Gene

07.12.2009
Forscher zeigen unterschiedliche Expression in Stadt und Land

Wohnort und Lebensstil entscheiden mit, wie sich die genetische Information einer Zelle ausprägt. Einen Nachweis für diese These erbringen nun australische und US-amerikanische Forscher in der Zeitschrift Nature Genetics.

"Welche Gene des Menschen exprimiert werden und in welchem Ausmaß dies geschieht, hängt vor allem davon ab, wo man wohnt und welchen Lebensstil man führt", berichtet Studienautor Peter Visscher vom Queensland Institute of Medical Research.

Aufschluss darüber gab die Untersuchung von 200 Marokkanern, die aus zwei verschiedenen ethnischen Gruppen entstammten - von den Arabern und Berbern. "Die Berber gelten als Nachfahren der ersten modernen Menschen, die Nordafrika vor 35.000 Jahren besiedelten. Die Araber kamen hingegen erst zwischen dem siebten und elften Jahrhundert unserer Zeitrechnung nach Südmarokko", so Studienleiter Greg Gibson von der Georgia Tech. Beide Gruppen teilen denselben Lebensstil und wohnen teils in Dörfern, teils sind sie in die Städte abgewandert.

Virenschutz und Nierenfunktion beeinflusst

Die Forscher suchten Probanden aus Vierteln mit hoher Bevölkerungsdichte einer Stadt sowie auch Bewohner von zwei Dörfern. Man nahm ihnen Blutproben ab und verglichen diese in ihrer Genexpression. So sollte anhand des Vergleiches beider ethnischen Gruppen gezeigt werden, welche Wirkung Natur, Erfahrung und Verhalten sowie die Kultur auf die menschliche Physiologie hatten. "Komplexe Faktoren spielen dabei eine Rolle, wahrscheinlich aber eine Mischung aus Ernährung, Stressniveau und Aufenthaltsort", so die Wissenschaftler.

Unterschiede zwischen Stadt und Land wurden dabei deutlich sichtbar, besonders in zwei Genen, die man bisher mit Virusinfektionen und Nierenkrankheiten in Verbindung gebracht hat. Bis zu einem Drittel der Gentranskriptionen war hier bei Städtern anders als bei Landbewohnern. Das könnte laut der Hypothese der Forscher darauf zurückgehen, dass Städter bestimmten Infektionskrankheiten in höherem Ausmaß ausgesetzt sind, da die Ansteckung in der Stadt durch die räumliche Nähe viel leichter geschieht. Frühere Erhebungen konnten ähnliche Effekte bei Genen der Atemregulierung feststellen (pressetext berichtete: http://www.pressetext.de/news/080424024/ ).

Umwelt neben Genotyp zu berücksichtigen

Darüber hinaus suchten die Forscher auch Assoziationen auf Genomebene. Vergleicht man eine Gruppe von Menschen mit ähnlichem Lebensstil oder Wohnort, kann man davon ausgehen, dass Variationen der Genexpression genetisch bedingt sind, da die Untersuchten gleiche Umweltvoraussetzungen teilen. Die Forscher identifizierten auf diese Art mehrere hundert Genvarianten, die das Ausmaß der Genexpression mitbestimmen. "Bei der Bestimmung der Anfälligkeit von Menschen für bestimmte Krankheiten reicht der Blick alleine auf den Genotyp nicht. Auch die Umgebung muss beachtet werden", resümiert Gibson.

Abstract des Originalartikels unter http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/abs/ng.495.html

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.qimr.edu.au
http://www.gatech.edu

Weitere Berichte zu: Gen FTO Genexpression Genotyp Lebensstil Wohnort

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

12V, 48V, high-voltage – trends in E/E automotive architecture

10.01.2017 | Event News

2nd Conference on Non-Textual Information on 10 and 11 May 2017 in Hannover

09.01.2017 | Event News

Nothing will happen without batteries making it happen!

05.01.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau