Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirtschaftswachstum hilft nicht automatisch gegen Unterernährung

27.03.2014

Internationale Studie untersucht Wachstum von Kindern in Entwicklungsländern

Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern führt nicht automatisch zu einem Rückgang von Unterernährung bei Kindern. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie der Universität Göttingen, der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, der Harvard School of Public Health und dem Indian Institute of Technology.

Juniorprofessor Dr. Sebastian Vollmer

Juniorprofessor Dr. Sebastian Vollmer

Die Wissenschaftler analysierten Daten, die über einen Zeitraum von 21 Jahren in 36 Entwicklungs- und Schwellenländern gesammelt wurden. Dabei stellten sie fest, dass es entgegen verbreiteter Annahmen nur einen schwachen und manchmal gar keinen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und dem Rückgang von Unterernährung bei Kindern gibt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift The Lancet Global Health veröffentlicht.

Auf der Basis von insgesamt 121 repräsentativen Demografie- und Gesundheitsumfragen berechneten die Forscher die Auswirkungen von Änderungen des Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf Wachstumsstörungen und Untergewicht bei insgesamt 460.000 bis 485.000 Kindern unter drei Jahren.

Die Studie ergab keinen statistischen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Unterernährungsraten auf Länderebene. Auf individueller Ebene führt eine fünfprozentige Steigerung des BIP zu einer kleinen Verringerung der Chance, unter einer Wachstumsstörung zu leiden (0,4 Prozent), untergewichtig zu sein (1,1 Prozent) oder niedriges Gewicht für die Körpergröße zu haben (1,7 Prozent). In den ärmsten Haushalten, die ein besonderes Risiko aufweisen, unterernährt zu sein, ist dieser Zusammenhang statistisch allerdings nicht signifikant.

Die Wissenschaftler nennen drei mögliche Erklärungen für den fehlenden Zusammenhang: Haushalte geben zusätzliches Einkommen nicht für eine bessere Ernährung aus, Wirtschaftswachstum ist innerhalb eines Landes ungleich verteilt und kommt den armen Haushalten nicht zugute, oder steigende Einkommen gehen nicht einher mit notwendigen öffentlichen Investitionen wie zum Beispiel in sanitäre Anlagen, Trinkwasseraufbereitung oder Impfungen.

„Unsere Studie zeigt, dass der Beitrag von Wirtschaftswachstum zur Bekämpfung von Unterernährung von Kindern in Entwicklungsländern offenbar verschwindend gering ist“, erklärt der Erstautor der Studie, Juniorprofessor Dr. Sebastian Vollmer von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen.

„Das bedeutet nicht, dass ökonomische Entwicklung nicht wichtig ist. Aber die Ergebnisse sind eine Mahnung an politische Entscheidungsträger, sich nicht alleine auf die Heilkräfte des Wirtschaftswachstums zu verlassen. Stattdessen sind direkte Investitionen erforderlich, welche die allgemeine Ernährungslage verbessern oder die Häufigkeiten von Infektionen reduzieren.“

Originalveröffentlichung: S. Vollmer, K. Harttgen, M. Subramanyam, J. Finlay, S. Klasen, SV Subramanian (2014). Association between economic growth and early childhood undernutrition: evidence from 121 Demographic and Health Surveys from 36 low-income and middle-income countries. The Lancet Global Health 2(4).

Hinweis an die Redaktionen:
Die Studie erscheint am Donnerstag, 27. März 2014 online. Eine Vorabversion für Journalisten ist unter der Adresse http://press.thelancet.com/undernutrition.pdf zu finden.

Kontaktadresse:
Juniorprof. Dr. Sebastian Vollmer
Georg-August-Universität Göttingen
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Juniorprofessur für Entwicklungsökonomik
Platz der Göttinger Sieben 3, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-8170
E-Mail: svollmer@uni-goettingen.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-goettingen.de/de/64100.html

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Personalisierte Medizin – Ein Schlüsselbegriff mit neuer Zukunftsperspektive
14.07.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht Enterprise 2.0 ist weiterhin bedeutendes Thema in Unternehmen
03.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet

20.07.2017 | Wirtschaft Finanzen