Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wer in wirtschaftlichen Boomjahren heranwächst, verfügt im Alter über eine höhere kognitive Leistung

12.09.2013
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die in den ersten Lebensjahren eines Menschen herrschen, haben Einfluss auf die kognitive Leistungsfähigkeit im Alter.

Zu diesem Ergebnis kommt eine in PLOS ONE veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern der Universitäten Rostock und Mannheim sowie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE).

Untersucht wurden Personen aus zehn europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geboren wurden. Jene Personen, deren Geburt in eine wirtschaftliche Rezessionsphase fiel, haben aktuell einen schlechteren kognitiven Gesundheitsstand.

Für die Gesundheitspolitik wird es zunehmend wichtig zu wissen, welches die bestimmenden Faktoren der kognitiven Leistungsfähigkeit älterer Menschen sind. Einer der Gründe dafür sind die hohen Kosten im Gesundheitswesen, die besonders bei Patienten mit Demenzerkrankungen in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen werden. Bisher war die Forschung stark auf Risikofaktoren konzentriert, die im mittleren und späten Erwachsenenleben auftreten und im Alter zu eingeschränkter Kognition und zu Demenzen führen.

„Unsere Forschung geht bis an den Anfang des individuellen Lebenslaufes zurück. Dabei sind wir zur Erkenntnis gelangt, dass bereits die Bedingungen in den ersten Lebensmonaten entscheidenden Einfluss auf die individuelle physische und kognitive Konstitution der Menschen auch in ihrem späteren Leben haben“, sagt Gabriele Doblhammer, Professorin für empirische Sozialforschung und Demographie an der Universität Rostock.

Phasen wirtschaftlicher Rezession und Boomphasen, wie sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert wiederholt auftraten, bieten eine einzigartige Möglichkeit. Denn sie gestatten es, den Einfluss wirtschaftlicher Rahmenbedingungen in der Frühphase eines Individuums, unabhängig von dessen privater wirtschaftlicher Situation und im Vergleich zu dessen kognitiver Leistungsfähigkeit im Alter, zu studieren. „Wir fanden heraus, dass Menschen, die während einer Rezession oder einer wirtschaftlichen Boomphase geboren wurden, eine im Alter signifikant voneinander abweichende kognitive Leistungsfähigkeit aufweisen.

Wer in Boomjahren geboren wurde, verfügt über eine bessere sprachliche Ausdruckskompetenz, besseres Erinnerungsvermögen und generell bessere kognitive Leistungen“, so Doblhammer, die auch für das DZNE tätig ist. Dieser Effekt ist unabhängig von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, wie Fettleibigkeit, Bluthochdruck oder Diabetes, die ebenfalls zu verminderten kognitiven Leistungen führen können und an der Entstehung von Demenzen beteiligt sind.

Die Rostocker Forschungen legen den generellen Schluss nahe, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen den ökonomischen Bedingungen, die in den ersten Lebensjahren herrschten, und den kognitiven Fähigkeiten im Alter gibt. Nach Doblhammer gibt es eine Reihe von möglichen Wirkungszusammenhängen: „Wirtschaftliche Rezessionszeiten waren mit schlechterer Ernährung, einem erhöhten Maß an Infektionserkrankungen, aber auch mehr Stress, der sich auf die Eltern-Kind Beziehung auswirken kann, verbunden.“ Heutige Rezessionsphasen haben nicht mehr die Wucht wie zum Beispiel die Weltwirtschaftskrise der späten 1920er Jahre. Inwieweit aber das durchaus vorhandene Stresspotenzial aktueller Rezessionen Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit später im Leben hat, lässt sich wissenschaftlich noch nicht eindeutig bestimmen. Fest steht hingegen, dass die Sozialpolitik den Zusammenhang von wirtschaftlichen Krisensituationen und deren Auswirkungen auf die heranwachsende Generation ernst nehmen muss. Ganz besonders sollten dabei die Bedürfnisse von Frauen mit Kinderwunsch, von Schwangeren und dem Nachwuchs mehr Beachtung finden, um ihnen spezielle Hilfen anbieten zu können. Dies würde helfen, negative Langzeitfolgen hinsichtlich der kognitiven Leistungsfähigkeit der nächsten Generation zu verhindern.

Link zur Studie
http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0074915
Kontakt
Universität Rostock
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Rostocker Zentrum zur Erforschung des demographischen Wandels
Prof. Dr. Gabriele Doblhammer
Fon: +49 (0)381 498 4393
Mail: gabriele.doblhammer@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops