Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wettstreit von Auffälligkeit und Belohnung

24.04.2012
Veröffentlichung eines Psychologenteams aus Gießen und New York über die Steuerung von Augenbewegungen in den Proceedings of the National Academy of Sciences, USA

Bei der Steuerung von Augenbewegungen findet ein Wettstreit von Auffälligkeit und Belohnung statt. Auffälligkeit gewinnt bei schnellen Reaktionen, Belohnung bei langsamen Reaktionen.

Dies konnten Forscherinnen und Forscher aus Gießen und New York zeigen. Ihre Erkenntnisse wurden jetzt in den Proceedings of the National Academy of Sciences, USA, publiziert. Verschiedene Experimente dazu wurden in der Abteilung Allgemeine Psychologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) durchgeführt.

Wir bewegen unsere Augen mehrmals pro Sekunde, um verschiedene Bereiche unserer visuellen Umgebung zu betrachten. Einerseits können diese Augenbewegungen unwillkürlich von auffälligen Objekten in der Umgebung ausgelöst werden, wie zum Beispiel einem blinkenden Licht. Andererseits können diese Augenbewegungen auch willkürlich gesteuert werden, wenn man beispielsweise einen Stift betrachtet, bevor man nach ihm greift. Der primäre Nutzen dieser Augenbewegungen ist der Informationsgewinn durch die neue Blickrichtung. Unbekannt war bisher, ob Augenbewegungen auch durch Belohnung gesteuert werden können. Ungeklärt war ferner, wie unser Gehirn unwillkürliche Steuerung (zum Beispiel hinsichtlich der Auffälligkeit) und willkürliche Steuerung (zum Beispiel hinsichtlich der Belohnung) miteinander verrechnet. Wie Alexander Schütz, Julia Trommershäuser und Karl Gegenfurtner in den Proceedings of the National Academy of Sciences berichten, werden bei der Steuerung von Augenbewegungen Informationen tatsächlich über die Auffälligkeit und die Belohnung miteinander verrechnet.

In verschiedenen Experimenten mussten die Versuchspersonen zunächst ohne Belohnung auf ein Muster blicken, das aus einem hellen und einem dunklen Bereich bestand. War der helle Bereich auffälliger als der dunkle Bereich, schauten die Versuchspersonen unwillkürlich näher zu dem hellen Bereich. In einer zweiten Versuchssituation bekamen die Versuchspersonen Geld, wenn sie auf den dunklen Bereich blickten. Anstatt jedoch jedes Mal auf den dunklen Bereich zu schauen und damit ihren Gewinn zu maximieren, blickten die Versuchspersonen immer noch in fast der Hälfte der Durchgänge näher zu dem auffälligeren Bereich. Die Versuchspersonen schauten insbesondere dann zum auffälligeren Bereich, wenn sie besonders schnell reagierten. Wenn sie langsamer reagierten, blickten sie ausschließlich zu dem dunklen Bereich und sicherten sich somit die Belohnung. Bei mittleren Reaktionszeiten wanderte der Blick auf eine Position zwischen dem auffälligeren und dem belohnten Bereich.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Augenbewegungen sowohl durch die Auffälligkeit von visuellen Reizen als auch durch die erwartete Belohnung gesteuert werden. Die Auffälligkeit bestimmt dabei eher schnelle Reaktionen und die Belohnung eher langsame Reaktionen. Im Vergleich zu anderen Handlungen – wie zum Beispiel Zeigebewegungen – sind Augenbewegungen so schnell, dass diese zum Teil ausgeführt werden, bevor die Belohnungsinformation vollständig verarbeitet wurde. Erstaunlicherweise „warten“ die Augenbewegungen nicht auf den Abschluss der Belohnungsverarbeitung. Dies bedeutet, dass unser Gehirn schnelle Augenbewegungen gegenüber langsamen Augenbewegungen bevorzugt, auch wenn dies unter Umständen zu einer niedrigeren Belohnung oder zu einer Bestrafung führt. Dies legt den Schluss nahe, dass unser Gehirn die schnelle Aufnahme von Informationen über auffällige Reize als besonders wichtig erachtet.
Weitere Informationen

Originalveröffentlichung
Schütz, A. C., Trommershäuser, & Gegenfurtner, K. R. (2012). Dynamic integration of information about salience and value for saccadic eye movements. Proceedings of the National Academy of Sciences USA, doi:10.1073/pnas.1115638109.

Kontakt
Dr. Alexander C. Schütz
Fachbereich 06 – Psychologie und Sportwissenschaft
Abteilung Allgemeine Psychologie
Otto-Behaghel-Straße 10F
35394 Gießen
Telefon: 0641 99 26108
Fax: 0641 99 26119
Web: www.allpsych.uni-giessen.de/alex

Die 1607 gegründete Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist eine traditionsreiche Forschungsuniversität, die rund 25.000 Studierende anzieht. Neben einem breiten Lehrangebot – von den klassischen Naturwissenschaften über Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften bis hin zu Sprach- und Kulturwissen¬schaften – bietet sie ein lebenswissenschaftliches Fächerspektrum, das nicht nur in Hessen einmalig ist: Human- und Veterinärmedizin, Agrar-, Umwelt- und Ernährungswissenschaften sowie Lebensmittelchemie. Unter den Nobelpreis-trägern, die an der JLU geforscht und gelehrt haben, befinden sich Wilhelm Conrad Röntgen und Walther Bothe. Seit 2006 wird die JLU sowohl in der ersten als auch in der zweiten Förderlinie der Exzellenzinitiative gefördert (Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System – ECCPS; International Graduate Centre for the Study of Culture – GCSC).

Charlotte Brückner-Ihl | idw
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org/
http://www.pnas.org/gca?allch=&submit=Go&gca=pnas%3B1115638109v1
http://www.uni-giessen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics