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Westeuropa von Kündigungswelle bedroht

28.07.2009
Experte: Das Schlimmste steht dem Arbeitsmarkt noch bevor

Westeuropa steht eine Kündigungswelle bevor. Darin sind sich Konjunkturexperten und 400 vom Consulting-Unternehmen Roland Berger befragte Unternehmer einig. Der wesentlichste Faktor zur Bewältigung der Krise, so die Erkenntnis, seien möglichst rasch durchzuführende Restrukturierungsmaßnahmen.

Während in den USA die größten Kündigungswellen bereits vorbei sind, sollen diese in Europa erst kommen. Jedes dritte US-amerikanische Unternehmen hat bereits Personalkosten von mehr als 15 Prozent eingespart. Ein weiteres Drittel hat bis zu zehn Prozent des Personals abgebaut.

"Die größte Schrumpfung zeigte die Konjunktur hierzulande im ersten Quartal 2009. Der Arbeitsmarkt hinkt der Konjunktur normalerweise etwa ein halbes Jahr hinterher, das Schlimmste steht also noch bevor", so Andreas Jörg Scheuerle, Leiter Sachgebiet Europäische Konjunktur und Branchenanalysen bei der DekaBank http://www.dekabank.de , gegenüber pressetext. Diesmal könne die Konjunktur auch etwas später auf den Arbeitsmarkt durchschlagen, da viele Unternehmen Arbeitskräfte in der Hoffnung auf neue Impulse vorerst behalten oder in Kurzarbeit geschickt hätten, so der Experte.

In Europa hat bislang nur ein Fünftel der Unternehmen mehr als 15 Prozent und ein weiteres Fünftel bis zu zehn Prozent bei den Personalkosten gespart. Da amerikanische Unternehmen bereits früher derartige Maßnahmen getroffen haben, prognostiziert keines der befragten US-Unternehmen mehr Sparmaßnahmen von mehr als 15 Prozent im Personalbereich, während jedes vierte europäische Unternehmen dies für die Zukunft in Betracht zieht. "Die Unternehmen werden versuchen, gut ausgebildetes Personal zu halten. Die Hauptopfer werden also weniger qualifizierte Arbeitnehmer sein", so der Experte.

Besonders für die Automobilbranche, ihre Zulieferer und die Maschinenbauindustrie prognostiziert Scheuerle viele Entlassungen. "Durch die Abwrackprämie und ähnliche Anreize in anderen Ländern wurde die Nachfrage nach Autos vorgezogen. Wenn der staatliche Impuls fehlt, werden die Verkäufe zurückgehen", so Scheuerle. Deutsche Hersteller wie BMW oder Daimler seien im Vorteil, da die von ihnen produzierten Oberklassefahrzeuge ohnehin weniger von der Prämie profitiert hätten als günstigere Kleinwägen. Im Maschinenbau, so der Fachmann, spüre man mittlerweile Investitionsvorbehalte, nachdem man verzögert in die Krise gegangen war.

Besser fällt die Vorhersage für die Pharmaindustrie und das Gesundheitswesen aus. Die befragten Unternehmen glauben, dass sich diese Sparten am schnellsten erholen werden. Amerikanische und asiatische Firmen erwarten, dass es bereits Ende dieses Jahres wieder bergauf geht, während sich Unternehmer im Rest der Welt pessimistischer geben und das Ende der Talfahrt für Mitte 2010 vorhersagen. "Asien zeigt bereits leichte Erholungsanzeichen. Das liegt an den starken dort eingesetzten Konjunkturpaketen", weiß Scheuerle. Die Wirtschaft müsse aber erst zeigen, ob es auch ohne diese Pakete geht. Eine wirkliche Erholung der Konjunktur erwartet er erst für das zweite Halbjahr 2010. Frühestens sechs Monate später, also 2011, werde sich dann auch der Arbeitsmarkt wieder erholen.

Dominik Erlinger | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.rolandberger.com

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