Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wer das Klima ruiniert, soll zahlen – finden nicht nur die Deutschen

03.04.2014

Während die globale Politik streitet, wer die Kosten des Klimawandels tragen soll, sind die Bürgerinnen und Bürger schon weiter: Ein Großteil der Deutschen, Chinesen und Amerikaner findet es nur gerecht, wenn hier das Verursacherprinzip gilt. Auch zu manch anderen Fragen der Klimapolitik sind die Ergebnisse in allen drei Ländern bemerkenswert ähnlich, ergab eine Studie der Universität Kassel und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI.

Im Grundsatz ist sich die internationale Staatengemeinschaft einig: Der menschengemachte Klimawandel muss durch Senkung der Treibhausgasemissionen begrenzt werden. Doch die Klimaverhandlungen stocken: Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer, Nord und Süd, Ost und West streiten, wer die Kosten für diese Klimaschutzmaßnahmen trägt.

„Im Gegensatz zu ihren politischen Vertretern haben die Bürgerinnen und Bürger der drei Länder eindeutige Vorstellungen davon, welche Kostenverteilung sie als gerecht beurteilen“, weiß Prof. Dr. Andreas Ziegler, Leiter des Fachgebiets Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Kassel.

Zieglers Fachgebiet hat zusammen mit einer Arbeitsgruppe des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI (Karlsruhe) unter Leitung von Prof. Dr. Joachim Schleich über 3.300 Menschen aus China, Deutschland und den USA zur Wahrnehmung internationaler Klimapolitik befragt.

Einige Ergebnisse der Studie „Citizens’ perceptions of justice in internationalclimate policy − empirical insights from China, Germany and the US“ wurden jetzt veröffentlicht.

Egal ob im Schwellenland China, im EU-Mitglied Deutschland oder in den USA: Werden die Bürgerinnen und Bürger nach einer gerechten Verteilung der Klimawandel-Kosten gefragt, schneidet in allen drei Ländern dieselbe Verteilungsregel am besten ab − nämlich die, nach der die Länder, die am meisten zum Klimawandel beigetragen haben, auch den größten Anteil der Kosten tragen sollten.

So sind 77 Prozent der befragten Deutschen der Meinung, dieses Prinzip sollte stark oder sehr stark bei der Verteilung der Klimawandel-Kosten berücksichtigt werden, in China denken dies 69 Prozent, in den USA 62 Prozent. An zweiter Stelle folgt eine Verteilung der Kosten entsprechend der Wirtschaftskraft der Länder, womit reichere Länder einen größeren Anteil der Kosten trügen als ärmere. In Deutschland fänden dies 56 Prozent der Befragten gerecht, in China 64 Prozent, in den USA 46 Prozent.

Hingegen findet das Prinzip, nach dem jedes Land seinen CO2 -Ausstoß proportional reduzieren soll, in jedem der Länder am wenigsten Anhänger (Deutschland 17 Prozent, China 42 Prozent, USA 32 Prozent). Die Regel, nach der jedem Land derselbe Pro-Kopf-Ausstoß zusteht, halten in Deutschland 45 Prozent für ein angemessenes Prinzip, in China 51 Prozent, in den USA 45 Prozent.

Unterschiedlich bewerten die Deutschen, Chinesen und Amerikaner die Bilanz bisheriger Klimakonferenzen. Zwar glaubt die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in den drei Ländern daran, dass der Klimawandel noch wirksam begrenzt werden kann; doch nur in China hält die Mehrheit der Befragten (54 Prozent) bisherige internationale Klimaverhandlungen in diesem Zusammenhang für erfolgreich. In Deutschland und den USA teilen nur 8 beziehungsweise 22 Prozent der Befragten diese Meinung. Allerdings findet es ein großer Anteil der Befragten in China (74 Prozent), Deutschland (83 Prozent) und den USA (64 Prozent) wichtig, künftig wirksame internationale Klimaabkommen zu schließen, um den Klimawandel zu bekämpfen.

Nur ein Fünftel der Deutschen fühlt sich gut über internationale Klimapolitik informiert; und lediglich 11 Prozent denken, dass ihre eigene Position gut bei internationalen Klimaverhandlungen vertreten wird. In China und den USA liegt der Anteil etwas höher. Etwa zwei Drittel der Deutschen glauben, dass die Zusagen, die auf internationalen Klimaverhandlungen getroffen werden, nicht eingehalten werden und Klimaverhandlungen lediglich dazu dienen, die Bürgerinnen und Bürger zu beruhigen.

In China und den USA ist der Anteil der Skeptiker nicht ganz so hoch. „Die Deutschen bemessen dem Klimawandel traditionell eine vergleichsweise hohe Bedeutung bei − der mangelnde Fortschritt in der internationalen Klimapolitik in den letzten Jahren wird daher in Deutschland besonders kritisch beurteilt“, erklärt Prof. Dr. Joachim Schleich vom Fraunhofer ISI dieses Ergebnis.

Die Studie „Citizens’ perceptions of justice in international climate policy − empirical insights from China, Germany and the US“ ist Teil des Projekts „Die Bedeutung freiwilliger Beiträge und von Fairnesspräferenzen für den Erfolg internationaler Klimapolitik“ (VolFair), das von der Universität Kassel geleitet wird. Die Forscherteams aus Karlsruhe und Kassel arbeiten dabei mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim, der Universität Hamburg und der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich zusammen. VolFair wird im Rahmen des Förderprogramms „Ökonomie des Klimawandels“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziell gefördert.

Die Studie kann unter http://www.isi.fraunhofer.de/isi-media/docs/e-x/de/working-papers-sustainability-and-innovation/WP02-2014_citizens-perceptions-of-justice.pdf heruntergeladen werden.

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Weitere Informationen:

http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/service/presseinfos/2014/pri09-2014-klimawan...
http://www.isi.fraunhofer.de/isi-media/docs/e-x/de/working-papers-sustainability...

Anne-Catherine Jung | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie