Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn der Geruchssinn versagt: Studie untersucht Zusammenhang zwischen Parkinson und Geruchssinn

03.04.2014

Ein nachlassender Geruchssinn kann verschiedene Ursachen haben. Obwohl die meisten Menschen mit eingeschränktem Geruchssinn nicht an Parkinson erkranken, ist dieser bei der Mehrheit der Parkinson-Patienten reduziert.

Tübinger Hirnforscher wollen daher dem Zusammenhang zwischen Riechstörung und Parkinson mit einer klinischen Studie auf den Grund gehen.

Das machen sie gemeinsam mit der „Michael J. Fox Foundation“ in der „Initiative zu Progressionsmarkern der Parkinsonkrankheit“ (Parkinson’s Progression Markers Initiative), kurz PPMI. Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung der Universitätsklinik Tübingen sucht dafür noch nach Teilnehmern, die nicht an Parkinson erkrankt sind.

Das Ziel der PPMI ist die Identifikation und Beurteilung von zuverlässigen Biomarkern, das heißt: objektiven Merkmalen der Parkinsonkrankheit. Mit ihrer Hilfe soll künftig eine schnelle und verlässliche Testung auf Parkinson möglich werden. PPMI wird weltweit an 22 Parkinson-Zentren durchgeführt.

Eines von zwei teilnehmenden deutschen Zentren ist in Tübingen. „Früherkennung ist wichtig für das Verständnis der Ursachen einer Parkinsonkrankheit und die Entwicklung verbesserter Behandlungsmethoden“, sagt Professor Dr. med. Daniela Berg, Forschungsgruppenleiterin am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) und am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) Standort Tübingen sowie Oberärztin an der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikum Tübingen. Denn verlässliche Biomarker liefern wertvolle Informationen für Diagnose, Prognose und Therapie.

Selbst einen Beitrag zur Parkinson-Forschung leisten

Klinische Studien sind ein wesentlicher Schritt, wenn es darum geht neue Behandlungsstrategien zu entwickeln. „Bei PPMI können auch nicht an Parkinson erkrankte Menschen einen Beitrag zur Parkinson-Forschung leisten“, so Berg, die noch Probanden für die Riechstudie sucht.

An der klinischen Studie können Menschen teilnehmen, die mindestens 60 Jahre alt sind und nicht an Parkinson leiden. Ihre Krankengeschichte darf außerdem kein Nasentrauma und keine Nasen- oder Nebenhöhlenoperation aufweisen. Der erste Schritt ist ein Fragebogen rund um den Geruchssinn der potentiellen Teilnehmer, der sowohl online als auch offline ausgefüllt werden kann.

Auf Grundlage der Antworten können die Forscher ermitteln, ob eine Person grundsätzlich in Frage kommt. Danach käme ein erster Riechtest, den die Teilnehmer zusammen mit einem weiteren Fragebogen zu Hause machen können. Für manche Probanden kann der nächste Schritt auch eine Bildgebung des Gehirns sein oder weiterer neurologische Untersuchungen. Die Teilnahme auf jeder weiteren Stufe der Studie ist freiwillig. Außerdem erhalten Teilnehmer vor jedem weiteren Schritt umfangreiche Informationen, damit sie eine fundierte Entscheidung treffen können.

Wenn die Nase blind wird

Der Geruchssinn lässt im Alter langsam nach. Eine von zwei Personen über 60 Jahre lebt mit einer Riechstörung. Ein Grund dafür kann sein, dass die Schleimsekretion in der Nase abnimmt. Diese wird aber dafür benötigt, Duftstoffmoleküle zum sogenannten olfaktorischen Rezeptor zu transportieren. Ein weiterer häufiger Grund für eine Riechstörung ist eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung.

Aber auch Allergien, Polypen der Nase oder toxische Reizungen können Geruchsstörungen auslösen. Mediziner bezeichnen sie als sinunasale Geruchsstörungen. Nicht sinunasale Geruchsstörungen hingegen können Folge einer Hirnhautentzündung oder von Kopfverletzungen sein.

Auch als Folge von Tumoren oder als Medikamentennebenwirkung treten Riechstörungen auf. Da die Riechstörung langsam fortschreitet, wird sie von den Betroffenen häufig nicht bemerkt. Sieben von zehn Personen, die mit einer Riechstörung leben, erfahren dies erst nach einer Testung.

Riechstörung kann Warnzeichen für Parkinson sein

Der Verlust des Geruchssinns kann aber auch ein Frühsymptom einer neurodegenerativen Erkrankung wie Parkinson sein. Denn Riechstörungen sind ein Begleitsymptom vieler neurodegenerativer Erkrankungen. Rund 96 Prozent aller neu erkrankten Parkinson-Patienten haben einen Teil ihres Geruchssinns verloren.

„Wir nehmen an, dass die olfaktorischen Störungen oft mindestens vier bis sechs Jahre vor den motorischen Symptomen des Morbus Parkinson auftritt“, sagt Daniela Berg, die auch Vorsitzende der Deutschen Parkinson-Gesellschaft ist. Durch das frühzeitige Auftreten bei Parkinson besitzen Störungen des Geruchssinns eine besondere Bedeutung in der Früherkennung und Differenzialdiagnose dieser Erkrankungen.

Seine Erforschung kann daher, so die Neurologin, zu wichtigen Erkenntnissen bei der Früherkennung der Erkrankung bei gefährdeten Personen führen.

Wer Interesse hat, an der Studie teilzunehmen, kann sich an Professor Daniela Berg oder Katharina Gauß, Abteilung Neurodegeneration, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung wenden. Sie informieren ausführlich über die Studie und schicken auch den Fragebogen zum Geruchssinn, kann er nicht online ausgefüllt werden, zu.

Telefon: 07071-2983272
E-Mail: Katharina.Gauss@med.uni-tuebingen.de

Fragebogen zum Geruchssinn:
https://www.michaeljfox.org/get-involved/smellsurvey-ml-screen.php?country=germa...

Parkinson-Dossier
http://www.hih-tuebingen.de/parkinson-dossier/

Silke Jakobi | Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik